Einzelhandel Schlecker bereitet Insolvenz vor

Die größte deutsche Drogeriekette Schlecker ist pleite. Das Unternehmen steckt in den roten Zahlen und schließt derzeit bundesweit Hunderte von Filialen.

Schlecker: For You, vorbei
Neuer Schlecker-Claim For You. Vor Ort. Quelle: dpa
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Die Drogeriekette Schlecker wird restrukturiert. Eine geplante Zwischenfinanzierung sei gescheitert, deshalb werde nun ein Antrag auf Planinsolvenz vorbereitet. Das Unternehmen wolle den Antrag direkt mit einem Vorschlag für die Sanierung verbinden. Die Drogeriekette will den Antrag "absolut zeitnah am Wochenende oder am Montag" stellen. Falls die Gläubiger einverstanden seien, könne die alte Geschäftsführung im Amt bleiben. Der bestellte Insolvenzverwalter werde dann nur begleitend tätig.

Information Planinsolvenz

Ziel des Verfahrens sei der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der  Arbeitsplätze, hieß es in der Mitteilung. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen und auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter sei im Rahmen des Insolvenzausfall-Geldes gesichert. „Familie und Management sind diesen schweren, aber notwendigen Schritt gegangen, um den eingeschlagenen Weg der Restrukturierung fortzusetzen und erfolgreich umzusetzen zu können“, teilte das Unternehmen mit. Die Kette befinde sich seit Mitte 2010 in einer umfassenden Restrukturierung und habe bereits eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Schleckers Rivalen im Kampf um die Kunden
In Deutschland teilen sich im Wesentlichen vier große Ketten den Drogeriemarkt. Hinter jeder steht eine starke Unternehmerpersönlichkeit. Anstoß für die Gründung der Drogerieketten war die Aufhebung der Preisbindung für Drogerieprodukte 1973. Die wichtigsten Daten und Fakten zu den Marktführern.
Das Unternehmen Müller ist mit 2,265 Mrd. Euro Jahresumsatz die kleinste unter den vier größten Drogeriemarktketten. In bundesweit fast 500 Geschäften bietet Müller - anders als seine drei größeren Konkurrenten - auch Schreib- und Spielwaren sowie Haushaltsartikel an. Der Durchschnittsumsatz pro Filiale ist mit 4,86 Mio. Euro der höchste unter den großen Vier. Der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche liegt bei Müller bei fast 4.000 Euro.
Insgesamt hat Müller fast rund 150.000 Artikel im Sortiment. Kleinkaufhäuser galten eigentlich seit den 70er-Jahren als unrentabel. Und das Konzept hat nicht nur in Deutschland Erfolg, sondern auch im Ausland: Dort ist die Kette in sechs Staaten mit über 120 Filialen aktiv.
Erwin Müller ist Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Müller, die aus der Keimzelle eines Friseur-Geschäfts hervorging. Die erste Filiale öffnete 1973. Er ist Arbeitgeber von 25.000 Beschäftigten.
Rossmann konnte seine Erlöse im Jahr 2011 um 10,5 Prozent auf 5,12 Milliarden Euro steigern. Für das Jahr 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Milliarden Euro erwartet. Der Durchschnittsumsatz pro Filiale liegt bei über zwei Millionen Euro.
Zentraler Logistik-Standort ist Landsberg bei Halle/Saale. Nach Polen, Tschechien, Ungarn und Albanien hat sich Rossmann mit der Türkei in den fünften ausländischen Staat vorgewagt. In dem Land mit 72 Millionen Verbrauchern sieht das Unternehmen gewaltiges Potenzial. Nachdem die Milliardengrenze beim Auslandsumsatz mit 992 Millionen Euro 2009 knapp nicht überschritten werden konnte, ist das im Jahr 2010 mit 1,184 Milliarden Euro gelungen. Rossmann hat seit Anfang 2011 mehr als 820 Drogeriemärkte im Ausland.
Gründer Dirk Roßmann stammt aus einer Drogistenfamilie. Seine Ladenkette rief er 1972 ins Leben. Heute beschäftigt über 30.000 Menschen.
Mit 6,17 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2010/11 ist die Dm-Gruppe seit über einem Jahr nach Umsatz die Nummer eins in Deutschland. Gelistet sind 12.500 Artikel. Die Zahl der Filialen stieg auf 1256. Gut 25.000 Menschen arbeiten in den DM-Märkten in Deutschland, insgesamt sind rund 39.000 Menschen für das Unternehmen aktiv.
Im Ausland ist Dm schon seit 1976 aktiv, als Filialen in Österreich eröffneten. Von den vier großen Ketten war sie damit die erste, die international expandierte. Heute hat das Unternehmen mehr Filialen im Ausland als im Inland, der Schwerpunkt liegt in Südosteuropa. Der internationale Umsatz, der in insgesamt zehn Ländern erwirtschaftet wurde, liegt bei mehr als 6 Milliarden Euro.
Gründer Götz Werner eröffnete seine erste Filiale 1973 in Karlsruhe. Als bekennender Anthroposoph legte Werner, der im Mai 2008 aus der Geschäftsführung ausschied, aber weiterhin Dm-Gesellschafter ist, seit den 90er-Jahren viel Wert auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Anders als seine Konkurrenten blieb Dm von harscher Gewerkschaftskritik bisher meist verschont. Seit 2002 gibt es einen Betriebsrat sowie einen mitbestimmten Aufsichtsrat. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt insgesamt mehr als 36.000 Mitarbeiter. Quelle: AP
Nach Filialen in Deutschland gemessen war die Nummer eins unter den Drogisten mit weitem Abstand lange Schlecker. Rund 8700 Geschäfte gab es mal hierzulande. Über Umsätze und Erlöse ist nichts Sicheres bekannt. Die Kette aus Ehingen an der Donau selbst war lange Zeit sehr zugeknöpft und kommunizierte nicht mit der Öffentlichkeit. Sie büßt seit längerem Marktanteile ein und hat bei Vertrauen und Image an Boden verloren. Im Vergleich zu den Konkurrenten ist der Durchschnittsumsatz pro Filiale sehr klein und auch die Produktivität pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist gerade mal halb so groß.
Die Expansion ins Ausland begann Schlecker 1987. Zwar ist sie seit 2004/05 auch in Polen, Tschechien und Ungarn präsent, anders als die Rivalen aber auf West- statt auf Osteuropa fokussiert. Für das Jahr 2007 gibt die Kette, die sich als "europäischer Marktführer der Drogerie-Branche" betrachtet, die Zahl ihrer Filialen mit "mehr als 14.155" an, gut 3100 davon befinden sich ihr zufolge heute im Ausland.
Anton Schlecker gründete die Kette 1975 und ist heute noch Alleineigentümer. In die vorderste Reihe des Unternehmens stehen inzwischen aber seine Kinder, Lars und Meike. Anton Schleckers Aufstieg vom jüngsten Metzgermeister der Bundesrepublik Mitte der 60er Jahre bis zum Eigentümer des Drogeriemarktimperiums ist einmalig. Als er 1965 mit 21 Jahren in das von seinem Vater gegründete Unternehmen einstieg, bestand es aus einer Fleischwarenfabrik und 17 Metzgerei-Filialen mit einem Jahresumsatz von 7,2 Mio. Euro - 34 Jahre später hat er sich vertausendfacht. An seinem Erfolg - und nur daran - will der als knallharter Geschäftsmann geltende schwäbische Unternehmer und Arbeitgeber von mittlerweile 49.200 Menschen gemessen werden. In der Öffentlichkeit tritt er kaum auf, selbst heimische Politiker und Wirtschaftsvertreter betonen: "Persönliche Kontakte zu Anton Schlecker gibt es nicht."

Christoph Niering Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter (VID) hält eine Sanierung von Schlecker für schwierig. „Schlecker hat ein dramatisches Imageproblem, gleichzeitig gibt es starke Konkurrenten.“ Das Insolvenzverfahren verschaffe dem Unternehmen aber erst einmal Luft. Für drei Monate springe die Bundesagentur für Arbeit ein zahle den Beschäftigten ein Insolvenzausfallgeld.

Filialschließungen und Preissenkungen

Anfang der Woche hat Schlecker bekannt gegeben, innerhalb der nächsten Monate bundesweit 600 weitere Filialen schließen zu wollen, davon allein 64 im Stammland Baden-Württemberg.Schlecker musste im harten Wettbewerb auf dem Drogeriemarkt Federn lassen und kämpft seit längerem gegen Verluste an. Der Drogerieriese aus Ehingen bei Ulm hatte zuletzt noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal.

Der Drogeriekonzern Schlecker ist insolvent. Quelle: dpa

Vor allem die Karlsruher dm-Drogerien machten dem schwäbischen Familienkonzern schwer zu schaffen. Aber auch die niedersächsische Kette Rossmann ist ihm auf den Fersen. Beide Mitbewerber hatten ihre Umsätze zuletzt gesteigert - und haben aus Sicht von Branchenexperten ein erfolgreicheres Ladenkonzept und Sortiment. Immer wieder kursierende Berichte über Probleme mit Lieferanten und leere Regale dementierte Schlecker aber: „Es gab Verzögerungen während der Jahresgespräche mit den Lieferanten Ende 2011. Die Streitfälle haben wir aber beilegen können“, sagte Konzersprecher Patrick Hacker. Dennoch könne es sein, dass in einzelnen Märkten das eine oder andere Produkt fehle.

Bislang galt Schlecker im Vergleich zur Konkurrenz als teuer. Der für das operative Geschäft zuständige Manager Thorben Rusch sagte kürzlich der „Lebensmittelzeitung“, dass die Preise im Laufe des ersten Halbjahrs 2012 bei Teilen des Sortiments auf das Niveau der Konkurrenten gesenkt werden sollten - teilweise sogar noch darunter. Mit dieser Kampagne verfolge man das Ziel, „Kunden zurückzugewinnen und wieder an uns zu binden“, sagte Rusch.

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