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Einzelhandel Warum Mobile Payment in Deutschland kaum voran kommt

Mobile Payment wird in Deutschland kaum genutzt Quelle: dpa

Zu viele Anbieter, zu wenig Übersicht – mobiles Zahlen per App kommt in Deutschland nicht voran. Nun startet mit Saturn ein weiterer Händler einen Versuch. Dessen Ende ist schon terminiert.

Gouda in acht Altersstufen, Graskaas oder Ziegenkäse am Stück oder in Scheiben. Für Niklas Körner auf dem Düsseldorfer Carlsplatz ist der Verkauf größerer aber auch vieler kleinerer Mengen Alltag. Er betreibt den Käsehandel Kaas Koning und er und seine Mitarbeiter hantieren häufig mit kleinen Geldbeträgen. Kartenzahlung ist hier trotzdem kein Problem.

„Im Grunde ist es viel sicherer – das Geld ist auf der Bank und wir haben keine großen Bargeldbestände.“ Den nächsten Schritt – mobiles Bezahlen per App – will Körner auf absehbare Zeit auch gehen. „Es ist einfach bequem für den Kunden.“

Damit gehört Körner zu den fortschrittlicheren Händlern auf dem belebten Wochenmarkt. Wer sich jedoch darauf freut, künftig seine Wocheneinkäufe an Gemüse oder Fleisch per Smartphone zu zahlen, muss sich enttäuscht sehen – flächendeckendes Bezahlen per App ist in Deutschland noch immer Zukunftsmusik.

Eine, die Körner aus dem niederländischen Zweig des Familienunternehmens kennt: „Dort sind rund 70 Prozent aller Zahlungen bargeldlos.“ Reisende, die nach Deutschland zurückkehren, sei es aus New York oder Norwegen, müssen sich oft erst daran gewöhnen, dass es nicht reicht, eine Karte vor ein Lesegerät zu halten oder eine App aufzurufen, wenn sie nur eine Flasche Wasser oder zwei Äpfel unterwegs kaufen. Oder wie Kunden es aus Schweden kennen, wenn sie in Geschäften mit Bargeld bezahlen wollen: Fehlanzeige. Selbst in schwedischen Kirchen hat der Klingelbeutel bald nicht mehr verdient, so genannt zu werden – das System „Swish“ mit dem die Kollekte elektronisch erfasst werden kann, müsste das Münzgeklimper schon per Lautsprecher einspielen.

Es sollte auch hierzulande schon lange fortschrittlicher sein. Alle wollen, keiner macht so recht mit. Daran ändert auch das am Mittwoch vom Elektronikhändler Saturn vorgestellte Programm für Hamburg nichts. In der dortigen Innenstadtfiliale können die Kunden im Vorweihnachtsgeschäft per Smartphone-App bezahlen. Rund 100.000 Produkte dürfen so abkassiert werden, ausgenommen sind Großgeräte wie Waschmaschinen, aber auch Tablets und Smartphones, bei denen die Seriennummer erfasst werden muss. Bis Ende Februar dauert der Versuch.

Die Bahn wiederum bietet nun ihren Kunden an, auf der Webseite mit dem Bezahldienst Paydirekt die Tickets zu erwerben, der Kauf per App via Paydirekt soll mit einem kommenden Update möglich sein. Ausgerechnet jener Zahldienst der Sparkassen, dem es noch immer nicht recht gelingt, die Kunden zu gewinnen.

Dass es nicht an mehr Stellen schneller geht, liegt neben der zögerlichen Einführung auf Seiten der Händler und Dienstleister, vor allem auch an der Zurückhaltung der Deutschen, die an ihrem Bargeld hängen und Angst vor Datenmissbrauch und Betrug haben.

56,2 Prozent der Befragten einer Erhebung unter Experten von Statista gaben Sicherheitsbedenken der Kunden als mit Abstand wichtigsten Grund an, warum sich Mobile Payment bislang in Deutschland nicht durchsetzen konnte. 74 Prozent aller Transaktionen in Deutschland 2017 waren laut Bundesbank Barzahlungen, wenn sie auch nur noch 47,6 Prozent der Gesamtumsätze ausmachen. Es folgen EC- und Kreditkarte – Mobile Payment ist statistisch nicht einmal erfasst. Das kann auch noch eine Weile so bleiben, denn Ende 2017 erklärten noch 44 Prozent der Deutschen in einer repräsentierten Umfrage, niemals mit dem Smartphone bezahlen zu wollen.

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