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Entwicklung um High-Tech-Produkt Was Sie über das Geschäft mit der Windel noch nicht wussten

Innovation, technisches Wunderwerk oder einfach nur cleveres Marketing? Sieben Sachen, die Sie über das Geschäft mit der Windel garantiert noch nicht wussten.

Als 1961 die erste Pampers in den USA auf den Markt kam, hatte sie noch wenig mit dem heutigen Produkt gemeinsam. Quelle: Presse

Technisches Wunderwerk

Als 1961 (in Deutschland erst 1973) die erste Pampers in den USA auf den Markt kam, hatte diese noch eine schlichte rechteckige Form und wurde von Sicherheitsnadeln zusammengehalten. Elastische Bauch- und Beinbündchen und Klebetapes kamen erst viel später dazu. Inzwischen stecken insgesamt 30 Komponenten in so einer Markenwindel. Neben Klebstoff und Zellstoff profitiert das Produkt vor allem von einem sogenannten Superabsorber. Das Kunststoff-Granulat wirkt wie ein Schwamm und kann das Zwanzigfache des eignen Gewichts aufnehmen. Damit hat sich die Saugkraft seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt. Der Superabsorber kam 1986 auf den Markt.

Die Mogelpackungen im Supermarkt
PampersMit immer kleineren Pampers-Packungen soll das US-Unternehmen Procter & Gamble seine Kunden über den Tisch ziehen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat fest gestellt, dass die Füllmenge nach und nach von 47 Windeln im Jahr 2006 auf 44 bis 2009, 40 bis 2012, 37 bis Jahresbeginn und schließlich auf 34 Windeln bis April gesunken ist. „Macht Procter & Gamble so weiter, ist die Packung in 20 Jahren leer“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei dem gleich geblieben Preis von 8,65 Euro immer weniger werdenden Windeln machen eine Preiserhöhung von 8,8 Prozent aus. Procter & Gamble erklärte dazu, Preissteigerungen seien manchmal unerlässlich, um Investitionen in Forschung, neue Produktionsanlagen und Informationsangebote für Eltern zu stemmen. Die Stückzahl werde deutlich auf der Vorderseite der Verpackung dargestellt. Außerdem sei der Handel verpflichtet, den Stückpreis pro Windel am Regal anzugeben. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Senseo Coffee PadsVersteckter als bei Pampers ist die Preissteigerung bei den Kaffeepads der Marke Senseo im April gewesen.  Die Stückzahl der Sorte Cappuccino ist mit acht Pads pro Packung zwar gleich geblieben, doch ist das Gewicht gesunken. Brachten die acht Pads zuvor noch 100 Gramm auf die Waage, sind es jetzt nur noch 92 Gramm. Außerdem hat das Herstellerunternehmen Sara Lee an der Rezeptur gefeilt. Das Ergebnis ist weniger Kaffee pro Pad, dafür aber mehr Zucker, gehärtete Fette und Zusatzstoffe. Machte Kaffee früher noch 5,5 Gramm – das sind 44 Prozent – pro Pad aus, sind es jetzt nur noch 1,1 Gramm, also zehn Prozent. Dafür sind die Pads nun aromatisiert, haben fünf Zusatzstoffe statt einem und doppelt so viel Zucker und die Hälfte mehr an Fett. Trotz der Gewichts- und Qualitätssenkung werden dann der Kasse immer noch 2,49 Euro für die Pads fällig. Unterm Strich macht das laut Verbraucherzentrale eine Preissteigerung von 8,7 Prozent. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Vanish Power Pulver Clean & Fresh100 Gramm weniger Pulver gibt es seit April im Teppichreiniger „Vanish Power Pulver Clean& Fresh“.  Die Füllmenge sank von 750 auf 650 gramm. Bei einem konstanten Preis von 4,49 Euro macht das eine Preissteigerung von 15,4 Prozent aus. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Vivil Multivitamin Waldfrucht-Bonbons25 Prozent Preissteigung macht die im Januar reduzierte Menge bei den Waldfrucht-Bonbons von Vivil aus. Die bei Edeka angebotene Menge sank von 100 auf 80 Gramm, bei Lidl sank sie von 125 auf 100 gramm. Die Verkaufspreise blieben trotzdem gleich: bei Edeka 1,49 Euro und bei Lidl 0,99 Euro. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Persil Sensitive GelReichte das Persil Sensitive Gel vor Februar noch für 18 Waschladungen, sind es nun nur noch 16. Hersteller Henkel hat die Menge von 1,35 Liter auf 1,168 Liter gesenkt. Bei dem gleich gebliebenen Preis von 5,45 Euro sei dies laut Verbraucherzentrale Hamburg eine Preiserhöhung von 12,5 Prozent. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
PringlesEine unverhältnismäßige Preissteigerung legten die Chips der Marke Pringles von Unilever hin. Zwar stieg deren Menge im Januar von 165 auf 190 Gramm. Die Preise stiegen aber mit: Es ging von 1,99 Euro hoch auf 2,35 Euro. Das macht eine Preiserhöhung von 2,5 Prozent. Wie das Foto der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt, haben die Pringles-Dosen ohnehin bisher eine ziemliche Preis- und Mengen-Achterbahnfahrt hinter sich gebracht. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Hipp 2 Bio-FolgemilchBesonders gierig zeigte sich Babynahrungsmittelhersteller Hipp: Im August 2012 dreht er gleich an zwei Schrauben. Einerseits erhöhte er den Preis um zwei Euro auf 9,95 Euro und senkte zugleich die Menge von 900 auf 800 Gramm. Das macht eine gehörige Preissteigerung von 41 Prozent. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Testwindeln für den Nachwuchs

Bevor eine neue Windel in den Verkauf geht, muss sie umfassend getestet werden. Dafür stellen sich Familien freiwillig bereit. Etwa 1.500 Mütter und Väter beteiligen sich daran jede Woche. Einige lassen die Kinder die neuen Windeln für einige Stunden vor Ort in einer Spielecke tragen, andere nehmen eine Packung mit nach Hause und füllen nach jedem Wickeldurchgang einen Fragebogen aus.

Die Macht der Patente

Technischer Fortschritt ist für eine Marke wie Pampers besonders wichtig. Vor allem mit Innovationen ist es dem amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble gelungen den Markt für sich zu erobern. Jede Neuerung hat sich das Unternehmen patentieren lassen und gleichzeitig die Preise angezogen. Das Konzept geht auf, die Kunden zahlen zum Teil horrende Preise für Windeln- Die Konkurrenz kommt kaum noch hinterher. Marken wie Huggies oder Fixies gibt es in deutschen Drogeriemärkten wie Rossmann oder dm schon gar nicht mehr. Einzige Konkurrenz stellen die Eigenmarken der Märkte her. Inzwischen hat Pampers mit einem Marktanteil von 70 Prozent ein Quasimonopol in Deutschland.

Die Windel subventioniert andere Produkte

Der Preisanstieg der Windel vollzieht sich seit Jahren. Verbraucherschützer sind deswegen schonlange auf den Barrikaden. Fakt ist, dass sich die beliebte Pampers-Packung der Größe Vier im Zeitraum von 2006 bis heute von 47 auf 34 reduziert hat - und das bei gleichem Preis. Das Unternehmen verteidigt seinen Preisanstieg mit höheren Materialkosten und Investitionen in Forschung. Allerdings meint Procter & Gamble damit nicht ausschließlich die Windelforschung. Das Unternehmen steht auch hinter Produkten wie Lenor, Ariel, Oral-B oder Wella. Dass Eltern mit ihrem Windelkauf die Entwicklung eines neuen Haarsprays finanzieren, ist also nicht ausgeschlossen.

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