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Erfolgsgeschichte Warum Fielmann zum Brillenkönig wurde

Brillenkönig Günther Fielmann wird für sein Lebenswerk geehrt. Doch der Unternehmer denkt längst weiter und zementiert den Familieneinfluss auf den Konzern. Sein Sohn Marc wird zum Nachfolger aufgebaut.

Für seine Leistungen wurde Günther Fielmann am Mittwochabend mit dem Lifetime Award des Deutschen Handelspreises ausgezeichnet. Quelle: dpa

Wer Gleitsichtveteran Günther Fielmann auf die Zukunft seines Brillenkonzerns anspricht, dürfte eine klare Antwort erhalten: Nachfolger? Fielmann.

Schon seit Jahren wird in der Zunft gerätselt, wann der heute 73-Jährige Brillenkönig abdankt. Der Unternehmer hatte im Herbst 1972 sein erstes Fachgeschäft in Cuxhaven eröffnet und damit den Grundstein einer Erfolgsgeschichte gelegt, die im deutschen Handel ihres gleichen sucht. Für seine Leistungen wurde der Senior am Mittwochabend gar mit dem Lifetime Award des Deutschen Handelspreises ausgezeichnet und spielt damit in einer Liga mit Branchengrößen wie Versandunternehmer Michael Otto und dm-Gründer Götz Werner, deren Leistung in der Vergangenheit ebenfalls mit dem Preis gewürdigt wurde. Modische Brillen auf Rezept: Mit dieser Idee hat Fielmann die Branche umgekrempelt. Sein Optikerkonzern überstand Lieferboykotte und Gerichtsprozesse und ist mit einem Marktanteil von gut 25 Prozent der unangefochtene Marktführer vor Apollo und Pro Optik. Im vergangenen Jahr verkaufte Fielmann 6,7 Millionen Brillen und erzielte einen Konzernumsatz von 1,05 Milliarden Euro.

Wie Brillen das Image verändern
Kleider machen Leute, sagt der Volksmund. Wenn das stimmt, dann sind Brillen das i-Tüpfelchen des modebewussten Menschen. Natürlich liegt diesem vermeintlichen Stylevorsprung einer Schwäche zugrunde: Ohne Brille können immer mehr Menschen in unserer heutigen Zeit nicht mehr richtig sehen. Doch diese Schwäche gilt es zu kaschieren und die Fassung dient dabei als mögliches Mode-Accessoire, dessen Potenzial es völlig auszuschöpfen gilt. Politiker, Künstler und Firmenchefs machen vor wie. Quelle: AP
Außenminister Guido Westerwelle hat bei seinem Brillenkauf alles richtig gemacht. „Die schmale Fassung ist modern, neu, elegant und sachlich. Sie passt zum Typ und sicher gewollten Image”, sagt Kerstin Kruschinski vom Kuratorium Gutes Sehen. Quelle: AP
"Brillen dienen bei Personen des öffentlichen Lebens dazu, einen optischen Wiedererkennungswert zu schaffen", so Petra Waldminghaus, Geschäftsführerin der Imageberatung Corporate Color. "Ohne Gläser könnten sich Fans und Medien nicht so einfach an die Personen wieder erinnern". Sicherlich ein Beispiel für eine Marke, die ohne Brille nicht so gut funktionieren würde: Der Musiker Udo Lindenberg. Quelle: dapd
Gregor Gysi zeigt sich gegenüber Trends resistent und trägt schon seit Jahrzehnten Brillen mit runden Gläsern. Quelle: dpa
„Die runden Gläser passen gut zu seiner extravaganten Erscheinung und der intellektuelle Touch des Modells betont seine pfiffige Art zusätzlich”, urteilt Kruschinksi dagegen über die Brille von Horst Lichter. Quelle: dpa
Auch Politikern ist ihre Außenwirkung besonders wichtig. Die Ausprägung dieser Eitelkeit variiert natürlich, einigen reicht es schon, wenn sie als Politiker und mögliche Staatsmänner überhaupt wahr genommen werden. "Eine schwarze Fassung mit breiten und dicken Brillenrändern hilft einer Person bei ihrer äußeren Wahrnehmung in einem Raum", so die Imageberaterin Petra Waldminghaus. "Einige Politiker oder Unternehmenschefs brauchen daher diese trendigen und nerdigen Brillen, um sich eine stärkere Präsenz zu verschaffen". Vor diesem Hintergrund lässt sich der Brillenwechsel des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier vielleicht besser erklären. Links: die alte Fassung der Steinmeiergläser; rechts: der neue Steinmeier im Bundestag. Quelle: dapd
Kein anderer deutscher Politiker hat in der Vergangenheit so viele verschiedene Brillenmodelle ausprobiert wie Ronald Pofalla. Nach markanten ovalen und eckigen Modellen trägt er aktuell ein rahmenloses Gestell. Quelle: AP/dapd

So eindrucksvoll der Aufstieg des Optik-Unternehmens ist, so sehr ist es auf den Patriarchen Fielmann zugeschnitten. Er ist Firmengründer, Hauptaktionär und Vorstandschef in einer Person. Um den fielmannschen Einfluss auf den Konzern auf Dauer festzuschrieben, hat Fielmann nun die von ihm kontrollierte Familienstiftung zum Hauptaktionär gemacht. Sie hält künftig durchgerechnet 51 Prozent an dem im MDax notierten Unternehmen.

Weitere Aktien überträgt der 73-Jährige auf seine Kinder Marc, 23 und Sophie Luise, 18. Sie halten ihre Anteile an der Optikerkette künftig teils gemeinsam mit der Stiftung in einer Zwischenholding und teils direkt. Marc besitzt künftig knapp elf Prozent, seine Schwester knapp vier Prozent. Ihr Vater bleibt ebenfalls direkt an der börsennotierten AG beteiligt. Insgesamt bleibt der Familienanteil unverändert bei 71,31 Prozent. Damit gebietet der Brillenclan über eine deutliche Mehrheit. Die restlichen knapp 29 Prozent sind im Streubesitz; auch viele der rund 15000 Mitarbeiter halten Aktien.

In Arbeit
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Bis sein Sohn Marc den Laden übernimmt, kann es noch dauern. Erst vor gut einem Jahr hat der Fielmann-Filius sein Studium an der London School of Economics beendet. Seither absolviert der Junior etliche Stationen im Konzern, arbeitet in der Verwaltung und besucht Filialen. Geschäftliche Entscheidungen wurden Branchenkreisen zufolge in den  vergangenen Monaten schon häufig mit beiden Fielmännern besprochen, berichtete jüngst die "Financial Times Deutschland".

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