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Eröffnet Edeka den nächsten Preiskampf? Dem Handel drohen heiße Weihnachten

Edeka Quelle: dpa

Durch einen Boykott von Produkten hat Edeka bessere Einkaufspreise bei Nestlé rausgeholt. Ähnlich soll der Händler nun gegen Mars und Red Bull vorgehen: Edeka will zahlreiche Produkte offenbar nicht nachbestellen.

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Was vor einigen Monaten bei Nestlé gut funktioniert hat, soll nun offenbar auch Mars und Red Bull in die Knie zwingen: Pünktlich zum ertragreichen Weihnachtsgeschäft wolle Edeka mehr als 100 Produkte von Herstellern wie Mars, Red Bull oder Heineken erstmal nicht mehr nachbestellen und die entsprechenden Regale somit leer lassen. Das schreibt das Branchenmagazin „Lebensmittel Zeitung“. Auch das Handelsblatt berichtet über die Auslistungen.

Die Informationen zum Bestellstopp wollte Edeka auf Anfrage der WirtschaftsWoche weder bestätigen noch dementieren. Man äußere sich generell nicht zu Industriepartnern, so die knappe Antwort. Auch die Hersteller halten sich offiziell bisher bedeckt. Schon in der Vergangenheit hat Edeka aber bewiesen, in Preiskämpfen mit harten Bandagen kämpfen und siegen zu können.

Mit solchen Auslistungen möchte Edeka bei den Herstellern günstigere Einkaufspreise erzielen, wobei es erzwingen in diesem Fall besser trifft. Das hat bereits im Frühjahr funktioniert, als Edeka hunderte Produkte von Nestlé boykottierte. Nun könnten Mars und Red Bull vor dem gleichen Schicksal stehen.

Dabei klingt eine Auslistung während des Weihnachtsgeschäfts erstmal wie ein Schuss ins eigene Bein – immerhin verzichtet Edeka auf den Umsatz zahlreicher Produkte. Die „Lebensmittel Zeitung“ geht davon aus, dass in einem ersten Schritt 56 Artikel von Mars, 21 von Red Bull und 14 von Heineken ausgelistet werden. Betroffen seien bekannte Mars-Marken wie Amicelli, M&M’s, Wrigley`s und Pedigree. Die Topseller von Mars könnten somit noch einem weiteren Bestellstopp unterzogen werden, sollte Mars im möglichen Konditionsstreit nicht einlenken.

Doch das Weihnachtsgeschäft ist auch für die Hersteller die bedeutendste Geschäftszeit des Jahres. Der Lebensmittelhändler geht wohl davon aus, dass die Auslistung für die Hersteller deutlich schmerzhafter wird. „Mit einer Auslistung in dieser heißen Phase lässt Edeka einmal mehr die Muskeln spielen“, sagt Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf.

Warum geht Edeka so vehement vor?

Edeka ist Teil des europäischen Einkaufsbündnisses Agecore. Den Druck auf Nestlé und nun offenbar auf Mars und Red Bull übt Agecore als gesamtes Bündnis aus. In Deutschland sind die leeren Edeka- Regale die Folge des von Agecore angezettelten Preiskampfes. „Dank starker Marken wie Edeka in Deutschland oder auch Coop in der Schweiz, kann so ein Bündnis natürlich großen Druck auf die Lieferanten ausüben und hat eine entsprechende Verhandlungsmacht“, sagt Fassnacht.

Die hohe Verhandlungsmacht kommt nicht von ungefähr: Edeka ist der größte Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland. „Allerdings hat Edeka derzeit Wachstumsprobleme und kann den Umsatz nicht merklich steigern“, erklärt Fassnacht. Deutschland sei für Lebensmitteleinzelhändler ein sehr umkämpfter und fast ausgefochtener Markt.

Das sind die größten Lebensmittelhändler

Edeka kann auf der Kundenseite nicht so einfach am Umsatz schrauben, will aber trotzdem weiterwachsen. „Edeka bleibt nur die Möglichkeit, auf der Vertriebsseite Kosten einzusparen. In diesem Fall durch niedrigere Einkaufspreise“, sagt Handelsexperte Fassnacht. „Diese will Edeka nun erneut mithilfe einer ziemlich rigorosen Verhandlungsweise durchsetzen und vertraut dabei auf die eigene Macht.“

Was können Mars und Red Bull jetzt tun?

Mars und Edeka streiten sich nicht zum ersten Mal über Konditionen. Bereits im vergangenen Jahr trugen die beiden Unternehmen einen Preiskampf unter sich aus. Einige Tage lang suchten Edeka-Kunden vergebens nach bestimmtem Mars-Produkten. Der Streit um günstigere Konditionen wurde allerdings schnell beigelegt.

„Edeka ist für sie ein zu wichtiger Kunde. Umgekehrt dürften Mars und Red Bull für Edeka weit weniger wichtig sein“, erklärt Martin Fassnacht. Die Chancen in Preiskämpfen stehen für den Lebensmittelhändler also gut. Und das hat Folgen für die gesamte Branche.

Der Streit mit Nestlé im Frühjahr wurde öffentlichkeitswirksam ausgetragen, immerhin legte sich Edeka als größter deutscher Einzelhändler mit dem größten Konsumgüterhersteller der Welt an. Dass Edeka diesen Preiskampf gewissermaßen für sich entscheiden konnte, hat auch Wettbewerber zu aggressiven Konditionsstreiten mit Herstellern angespornt: Im September legte sich Kaufland mit Unilever an und hat sogar ganze 480 Produkte nicht mehr nachbestellt.

Edeka möchte den Erfolg nun offenbar nochmal erleben. „Edeka hat sich gegen Nestlé durchgesetzt“, sagt Martin Fassnacht. „Warum sollte das also nicht auch gegen Mars und Red Bull funktionieren?“

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