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Erpressung gegen Unternehmer So funktioniert der Trick mit den Nacktfotos

Jeff Bezos, Gründer und Chef von Amazon, sieht sich als Erpressungsopfer. Das Boulevardblatt National Enquirer soll ihm mit der Veröffentlichung peinlicher Fotos gedroht haben. Quelle: dpa

Wie Amazon-Chef Jeff Bezos kämpfen auch deutsche Unternehmer immer wieder gegen Erpressung mittels inkriminierender Fotos. Die fortschreitende Technik mache die Tricks zunehmend perfide, berichten Kriminalisten.

Um Stoff für eine Erpressung zu finden, reicht Hans Hülsbeck meist schon eine einfache Suche per Google. „Sobald man den Namen einer Person und die Anschrift hat, lässt sich etwa schon eine Homepage kreieren, die den Betroffenen etwa im Rotlicht-Bereich verortet“, sagt Hülsbeck. Fände Hülsbeck auf seiner Datensuche dann noch ein paar freizügige Bilder, ließe sich der Schaden für den Betroffenen noch gewaltig steigern.

Zum Glück für deutsche Unternehmer ist Hülsbeck kein Krimineller, sondern Kriminalhauptkommissar beim LKA Nordrhein-Westfalen. Hülsbeck ist zuständig für die Prävention von Vermögens- und Eigentumsdelikten. Inkriminierende Fotos und Textnachrichten, wie sie gerade von US-Milliardär und Amazon-Chef Jeff Bezos in die Medien gerieten, verbunden mit Erpressungsversuchen gehören zum Arbeitsalltag von Hülsbeck. Denn auch hierzulande nutzen Kriminelle und Konkurrenten immer wieder beschuldigende Bilder und Daten, um Unternehmer zu erpressen.

Wie viele Fälle von Erpressung durch pikante Fotos oder Daten es in deutschen Führungsetagen gibt, weist die Kriminalstatistik nicht aus. Hinzu kommt, dass viele Opfer Delikte in diesem Bereich gar nicht erst anzeigen. „Viele Menschen, die mit Nacktfotos oder peinlichem Material erpresst werden, gehen aus Scham nicht zur Polizei. Das Dunkelfeld bei diesen Delikten ist deshalb enorm“, sagt Hülsbeck. Aussagen zu Zahlen von Erpressungsversuchen gegen Unternehmer kann Hülsbeck daher keine machen. Nur so viel: Die Tricks der Täter werden mit der fortschreitenden Technik zusehends perfider.

Fake-Homepages nehmen zu

Dass heute jedermann eine Homepage mit ein paar einfachen Handgriffen erstellen kann, hat die Zahl der Fälle von Hülsbeck gesteigert. „Das Phänomen der Fake-Homepages ist schon seit einigen Jahren zu beobachten. Dass kommt auch unter Schülern vor, die sich gegenseitig ärgern wollen, und eine Internetseite bauen, die sie als die Homepage eines anderen ausgeben und ihn darauf in ein schlechtes Bild rücken. Gerade im Unternehmensbereich wird diese Masche oft genutzt“, sagt Hülsbeck. Erst gegen Zahlung einer Geldsumme würden die Täter die Fake-Homepage dann wieder vom Netz nehmen.

Je mehr Daten und Bilder Unternehmer von sich preisgeben, desto mehr Angriffsfläche bieten sie potenziellen Tätern. „Die Preisgabe von Daten ist immer eine Gratwanderung. Ein Unternehmen möchte im Internet natürlich gefunden werden. Aber das Unternehmen sollte stets abwägen, ob es etwa notwendig ist, die Bankdaten für alle einsehbar zu veröffentlichen“, sagt Hülsbeck.

Besonders brenzlig wird es für Unternehmer, wenn es um Bilder geht. „Über Bilder verliert man sehr schnell die Kontrolle. Oft reicht schon ein Bild, das ein Täter in sozialen Websites aufstöbert und prominent in Szene setzt“, sagt Hülsbeck. Zwar könne die Polizei die Server, auf denen inkriminierende Bilder gegen den Willen der Betroffenen verbreitet werden, prinzipiell sperren lassen. Doch je weiter der Server von Deutschland und dem EU-Raum entfernt liegt, desto schwieriger wird das Unterfangen für die Polizei.

Nicht immer ist es nur der Fahrlässigkeit von Unternehmern geschuldet, dass peinliche Fotos in die Öffentlichkeit geraten. Der frühere BND-Mitarbeiter Klaus-Dieter Matschke hat als Privatermittler der Frankfurter Unternehmensberatung KDM Sicherheitsconsulting dutzende Firmen bei Erpressungsfällen beraten. Das Vorgehen der Täter kennt Matschke nur zu gut.

Täter hacken Accounts und fälschen Bildmaterial

„Prinzipiell gibt es drei Methoden, wie Täter an inkriminierendes Bildmaterial herankommen“, sagt Matschke. „Entweder beschattet der Täter den Unternehmer und wartet auf ein paar Schnappschüsse. Das ist die lange Methode. Wesentlich schneller geht es, indem man etwa Accounts des Opfers hackt. Das ist die kurze Methode. Und dann gibt es noch die teure Methode: Man kauft die Bilder einfach von Dritten.“

Doch auch wenn Täter es nicht schaffen, an peinliche Bilder heranzukommen, können Erpressungsszenarien mit Bildmaterial geschaffen werden. „In letzter Zeit sind wir immer öfter mit sogenannten Deep Fakes konfrontiert“, sagt Hülsbeck. Deep Fakes sind etwa Videos, in denen das Gesicht des Opfers hineinmontiert wird. Solche Videos würden sich mittlerweile ohne vertiefte IT-Kenntnisse mit einfachen Apps erstellen lassen. Die Ergebnisse seien laut Hülsbeck verblüffend: „Man kann kaum noch erkennen, was wirklich und was gefälscht ist.“

Zur Anzeige rät Hülsbeck den Opfern von Erpressungsversuchen in jedem Fall. Alleine schon deshalb, weil die Polizei die Ausbreitung der Bilder eindämmen könne.

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