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Esprit-Gründer Douglas Tompkins "Das ist Bullshit"

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"Ich halte mich nicht für den Messias"

Unternehmen wie Google und Facebook behaupten, gerade so würden sie eine bessere Welt schaffen.

Das sind Fetischisten der Technik, die noch an die Überlegenheit des Menschen glauben, voller Hybris und Arroganz. Ich habe auch in San Francisco gelebt, was meinen Sie, was ich meinem Freund Steve Jobs dazu gesagt habe? Der war auch nicht viel anders als die heute. Steve hatte damals eine riesige Werbekampagne gestartet für einen Apple-Rechner. Als wir abends bei mir zu Hause beim Wein saßen, sagte ich: Steve, was ist das für ein Bullshit? Du wirbst mit den tollen Möglichkeiten, die in diesem Gerät stecken. Aber in Wahrheit sind das bloß fünf Prozent der Dinge, die das Teil tatsächlich verursacht. Die restlichen 95 Prozent erwähnst du gar nicht.

Zur Konsumkultur haben Sie doch lange selber beigetragen, Sie haben Millionen verdient mit der Modemarke Esprit oder zuvor mit North Face.

Ich habe früh angefangen, unser Tun zu hinterfragen - und dann sämtliche Anteile an Esprit verkauft.

Sie hätten sicher mehr bewegt, wenn Sie Esprit zu einem Unternehmen in Ihrem Sinne umgebaut hätten.

Ohne jetzt unbescheiden sein zu wollen, waren wir der Zeit weit voraus: Wir haben in Anzeigenkampagnen zu verantwortungsvollem Konsum aufgerufen. Wir haben schon in den Achtzigerjahren Vorlesungsreihen für unsere Angestellten organisiert, die verpflichtend waren, mit Vorlesungen zu Umweltschutz, Technologiekritik, Jerry Mander war dabei, David Brower, Jeremy Rifkin. Auf die Rückseite unserer Preisschilder stand: Kauf dieses Teil nicht! Und das auf Millionen von Kleidungsstücken!

Heute sind Sie größter privater Grundbesitzer der Welt. Kritiker werfen Ihnen vor, mit Ihren Millionen Land zu kaufen und dort Ihre Vorstellungen umzusetzen, ohne Rücksicht auf die Menschen, die dort seit Jahrzehnten als Schaf- und Rinderhirten leben.

Langsam - ja, wir kaufen diese Flächen, die zum allergrößten Teil zuvor schon in privatem Besitz waren. Aber wir kaufen, um es nach möglichst kurzer Zeit in den kollektiven Besitz aller Bürger von Chile oder Argentinien zu übergeben.

Handel



Inwiefern taugen Ihre Projekte als Modell für die übrige Welt?

Um das jetzt mal klarzustellen: Ich halte mich nicht für den Messias, der die Welt rettet. Auch mein eigenes Leben steckt voller Widersprüche, natürlich benutze ich auch einen Laptop. Ich brauche ihn für unsere Projekte und um möglichst viele wichtige Menschen zu erreichen. Aber für mich steht fest, dass wir uns vom Paradigma des ewigen Wachstums verabschieden müssen. Es nutzt nichts, nur oberflächlich umzusteuern und Windparks zu bauen und Solarparks und Wasserkraftwerke - darunter befindet sich weiter das Gerüst unserer technologischen Zivilisation. Wenn wir das nicht grundsätzlich infrage stellen, ändert sich nichts an den großen Krisen.

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