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Essener Stammhaus Mehr als 100 Jahre Lebensmittelhandel: Aldi schließt seine erste Filiale

Die Aldi-Filiale im Geburtshaus der Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht im Stadtteil Schonnebeck, fotografiert im Jahr 1930. Quelle: dpa

Im Geburtshaus der Aldi-Gründer verkaufte die Familie mehr als 100 Jahre Lebensmittel. Doch das Geschäft ist dem Konzern zu klein und wird nun verlegt.

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Nach 101 Jahren Lebensmittelhandel im Geburtshaus der Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht schließt die Unternehmensgruppe ihre Filiale im Essener Stammhaus. Das inzwischen viel zu kleine Geschäft in der Huestraße 89 werde am Samstag um 16 Uhr zugemacht, sagte ein Sprecher von Aldi Nord am Freitag.

Am 10. Dezember um 7 Uhr öffne in unmittelbarer Nähe eine neue und mehr als doppelt so große Filiale mit knapp 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche. Mit Bildern und Texten werde in der neuen Filiale auf die Tradition hingewiesen. Auf den neuen Markt werde auch die interne Bezeichnung „Filiale Nummer 1“ übertragen. Über die Schließung am Samstag hatte zuvor die „Bild“-Zeitung berichtet; dass sie geplant ist, ist aber bereits seit September 2019 bekannt.

Der erste Laden der Unternehmerfamilie Albrecht war zunächst ein Backwarenhandel, den die späteren Eltern von Karl und Theo 1913 im heutigen Essener Stadtteil Schonnebeck eröffneten. Er befand sich in der heutigen Huestraße 87, in Anna Albrechts Elternhaus.

Das inzwischen viel zu kleine Geschäft an der Huestraße 89 soll am Samstag um 16.00 Uhr zugemacht werden, sagte ein Sprecher von Aldi Nord am Freitag. Quelle: dpa

Im Frühjahr 1919 verlegten die Albrechts ihr Geschäft ins benachbarte Wohn- und Geschäftshaus Nummer 89, das das Ehepaar kaufte. Den neuen Laden nannten sie „Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht“. Das 1909 errichtete Gebäude nennt Aldi selbst „das Stammhaus“. In dem Haus sind nicht nur die Söhne Karl und Theo geboren und aufgewachsen, es war auch über drei Jahrzehnte „der Dreh- und Angelpunkt des Firmengeschehens“, heißt es bei Aldi Nord. In den ersten Jahren, als die Albrechts das Geschäft zu einer Kette mit Filialen ausbauten, habe es als Zentrale gedient.

Im Sommer 1954 wurde dort laut dem Unternehmen der erste Selbstbedienungsladen der Firma Albrecht eröffnet. Die erste Discount-Filiale unter dem damals neuen Namen Aldi öffnete 1962 in Dortmund.

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    Das Stammhaus in der Huestraße 89 bleibt laut dem Sprecher in Besitz der Unternehmensgruppe. Die Gewerberäume sollen neue Nutzer bekommen. „Hierfür werden derzeit zahlreiche Möglichkeiten mit Interessenten geprüft“, teilte das Essener Unternehmen im vergangenen Herbst mit.

    Auch Aldi folgt – wie alle Discounter – schon länger dem Trend zu größeren, schickeren Filialen. Laut EHI Retail Institut ist bei Aldi Nord die durchschnittliche Verkaufsfläche pro Filiale von 2010 bis 2018 um 10 Prozent auf 848 Quadratmeter geklettert; bei der Schwester Aldi Süd sind es rund fünf Prozent mehr auf durchschnittlich 889 Quadratmeter je Filiale.


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    Der frühere Aldi-Manager Dieter Brandes stellt gravierende Veränderungen fest: „Aldi ist nicht mehr der, der er war. Auch nicht in den Ergebnissen.“ Das Urkonzept habe eine Beschränkung auf 450 unterschiedliche Artikel bei Aldi Süd und 600 bei Aldi Nord vorgesehen. Heute sei es das X-fache. „Die brauchen immer mehr Platz – weil sie immer Reste aus der vorherigen Aktion haben“, unterstreicht Brandes. Er verweist auch auf Markenware in der Aktion. „Aldi ist jetzt ein halber Rewe.“ Der einzige große Unterschied zu einem Supermarkt sei, dass Frischetheken für Fleisch und Käse fehlten.

    Mehr zum Thema: Weshalb Sie Lebensmittel fürs Fest besser vor dem 19. Dezember kaufen sollten.

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