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Essig und Öl aus dem Zapfhahn Supermärkte kämpfen gegen Verpackungswahn

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Warum Verpackungen wichtig sind


Umweltschützer und selbst das Umweltbundesamt begrüßen die neue, naturfreundliche Generation der Lebensmittelhändler. Handelsexperten bezweifeln hingegen, dass vom Hype viel bleibt. Einkaufen mit Dosen und Einmachgläsern sei kein Ding für die Masse, glaubt Susanne Eichholz-Klein vom Institut für Handelsforschung in Köln. Zwar decken die Supermärkte ohne Verpackung das Bedürfnis nach Nachhaltigkeit ab, dass viele Kunden zumindest theoretisch fordern. Im Alltag entscheidend sind laut der Expertin andere Einkaufsmotiven: „Neben dem Preis-Leistungsverhältnis und dem Sortiment spielen insbesondere auch kundenorientierte Öffnungszeiten und die Nähe zur Einkaufsstätte eine wichtige Rolle.“

270.000 Tonnen Plastikmüll treiben auf den Weltmeeren
Fast 270.000 Tonnen Plastikmüll treiben einer neuen Studie zufolge auf den Ozeanen der Erde. Das sei so viel Abfall, wie nicht einmal in 38 500 Müllwagen passen würde, schätzt eine am Mittwoch in dem Fachjournal „Plos One“ veröffentlichte Studie. Es handele sich dabei um mehr als fünf Billionen Einzelteile, heißt es in der Untersuchung. Um zu den Zahlen zu kommen, hatten Forscher zu See mit einem Maschennetz kleine Abfallteilchen gesammelt. Beobachter auf Booten zählten größere Gegenstände auf dem Wasser. Mit Computermodellen wurde für nicht untersuchte Gebiete hochgerechnet, wie viel Müll auch dort schwimmt. Die Studie bezieht sich lediglich auf Plastikabfall an der Wasseroberfläche. Wieviel Material auf dem Meeresboden liegt, erforschten die Wissenschaftler nicht. Foto: NOAA/PIFSC Quelle: Presse
Im Meer vor Griechenland treiben Plastiksäcke. Das Bild stammt aus dem Jahr 2008. Foto: Gavin Parson/Marine Photobank Quelle: Presse
Plastikmüll als Habitat für Meeresbewohner im Pazifik. Foto: Lindsey Hoshaw Quelle: Presse
Angeschwemmter Plastikmüll vor der Küste von Tromsø in Norwegen. Foto: Bo Eide Quelle: Presse
Angeschwemmter Plastikmüll vor der Küste von Kanapou in den USA. Foto: NOAA/Marine Debris Program Quelle: Presse
Vor der Küste von Hawaii sind etliche Netze angeschwemmt worden. Foto: Chris Pincetich/Marine Photobank Quelle: Presse
Kein seltener Bild: Eine Robbe hat sich in einem Treibnetz verfangen, USA, 2009. Foto: Kanna Jones/Marine Photobank Quelle: Presse

Im Klartext: Der durchschnittliche Kunde ist in Wahrheit eher mäßig an der Umwelt interessiert und in der Hauptsache ein bequemer Typ. „Supermärkte, die unverpackte Lebensmittel anbieten, erfordern jedoch die Bereitschaft der Konsumenten, mehr Zeit für die Auswahl und Verpackung der Lebensmittel einzuplanen“, sagt Klein.

Schwerer Weg

Dass es die Supermärkte ohne Verpackung schwer haben werden, liegt nicht allein an der Bequemlichkeit der Kunden. Eigentlich hat kein Glied der Lieferkette so rechtes Interesse daran, auf Verpackungen zu verzichten.

Da sind zum einen die Lieferanten. „Es ist es ziemlich schwierig überhaupt jemanden zu finden, der mit wenig oder ohne Verpackung liefert“, sagt Ladenbesitzerin Delaperrière. Bislang behilft sich die findige Gründerin. Ihre Eier bekommt sie zum Beispiel vom Bauern aus der Nachbarschaft. Der nimmt die Verpackung zurück und benutzt sie neu. Bei den Großlieferanten ist die Sache schwieriger.

Um Müll zu vermeiden, kauft Delaperrière größtmögliche Gebinde und versucht, einzeln verpackte Ware zu meiden. Leicht sei das nicht. Die Großhändler haben gute Gründe, die Ware nur verpackt zu verschicken. Die Verpackung schützt vor Schäden und Schmutz, erleichtert den Transport und die Lagerung.

Darüber hinaus ist sie einfach Standard. Anders als etwa in Frankreich bietet kein normaler Supermarkt in Deutschland im großen Stil unverpackte Ware an. Für den Handel sind Verpackungen reichlich praktisch. Nicht nur, dass die Läden so leichter sauber zu halten sind. Über die Angebotsvielfalt, die auf den ersten Blick durch die Vielzahl der bunten Verpackungen sichtbar wir, geben sich die Märkte ihr eigenes Gesicht.

Was den Deutschen beim Einkauf wirklich wichtig ist

Am allerwenigsten wollen wohl die Lebensmittelhersteller selbst, dass die Verpackung verschwindet. Sie ist ihr schließlich ihr Aushängeschild. Ihre Chance, sich zu inszenieren. Im Supermarktregal kämpfen die Produkte mit Hunderten anderen um die Aufmerksamkeit der Käufer. Nur wer sich besonders verführerisch präsentiert, wird gekauft. „Die Bedeutung der Verpackung für das Marketing ist extrem hoch“, sagt Eugen Herzau, Professor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Je nach Produkt und Branche hängen laut Studien bis zu 70 Prozent der Kaufentscheidung von der Verpackung ab. Weil die Hersteller um den Werbeeffekt der Verpackung wissen, denken sie nicht im Traum daran auf Verpackungen zu verzichten.

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