Ex-Arcandor-Chef Gericht setzt Haftbefehl gegen Middelhoff aus

Nach mehr als fünf Monaten in Untersuchungshaft kommt Thomas Middelhoff möglicherweise bald frei. Das Landgericht hat den Haftbefehl gegen den ehemaligen Spitzenmanager außer Vollzug gesetzt.

Das Landgericht Essen hat den Haftbefehl gegen den 61-Jährigen Thomas Middelhoff außer Vollzug gesetzt. Quelle: dpa

Der frühere Topmanager Thomas Middelhoff kommt nach gut fünf Monaten Untersuchungshaft möglicherweise auf freien Fuß. Das Landgericht Essen setzte den Haftbefehl gegen den 61-Jährigen außer Vollzug, wie das Gericht am Montag mitteilte. Vor einer Haftentlassung müsse Middelhoff aber Auflagen erfüllen. Welche dies sind, teilte das Gericht zunächst nicht mit. Einzelheiten dazu gäbe es frühestens am Dienstag per schriftlicher Mitteilung, so ein Gerichtssprecher.

In der Haft erkrankt

Middelhoffs Anwälte Sven Thomas und Udo Wackernagel wollten die Erklärung des Gerichts zunächst nicht kommentieren. Sie fordern schon länger die Freilassung des 61-Jährigen, der nach ihrer Überzeugung durch die Haftbedingungen erkrankt ist. Wegen Suizid-Verdachts war der ehemalige Arcandor-Chef in der U-Haft im 15-Minuten-Takt kontrolliert worden - aus „Sorgfaltspflicht und Obhutspflicht“, wie das Justizministerium erklärt.

Die Verteidigung kritisiert das Vorgehen. "Der über Wochen praktizierte und unter keinem denkbaren Gesichtspunkt gerechtfertigte Schlafentzug in der JVA Essen und die sodann eingetretene gravierende und nur unzulänglich behandelte Autoimmunerkrankung liegen in der Verantwortung der Justiz", erklärten die Anwälte im April.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatten sich die Richter deshalb bei einem Haftprüfungstermin mit dem Gesundtheitszustand Middelhoffs sowie der Fortdauer der Haft beschäftigt, zunächst aber keine Entscheidung gefällt. Zuvor gestellte Anträge auf Freilassung waren abgelehnt worden. Selbst das Angebot einer Kaution von 900.000 Euro konnte die Richter nicht überzeugen, dass Middelhoff sich nicht der Justiz entziehen würde.

Middelhoff, der im März Privatinsolvenz angemeldet hat, ist unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt und sitzt seit Monaten wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Das Gericht sah es im November vergangenen Jahres als erwiesen an, dass Middelhoff unter anderem Privatflüge mit Charterjets und Hubschraubern über Arcandor abgerechnet hatte. Seinem ehemaligen Arbeitgeber soll so ein Schaden von rund einer halben Million Euro enstanden sein. Middelhoff war sofort nach dem Urteil im Gerichtssaal verhaftet worden. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

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