Expansion Tönnies macht Pharma-Geschäfte

Der Fleischhersteller Tönnies schlachtet jährlich 16 Millionen Schweine. Nun sollen deren Produkte nicht nur auf Tellern landen, sondern auch im Krankenhaus. 2014 will der Fleischriese eine Fabrik zur Herstellung des Blutgerinnungsmittels Heparin eröffnen.

Das Modell für den Neubau der Heparin Produktionsstätte der Tönnies Gruppe. Das Unternehmen möchte ab 2014 den Grundstoff für den Pharma-Wirkstoff Heparin herstellen. Für 21 Millionen Euro soll dafür eine Fabrik gebaut werden. Quelle: dpa

Er ist Europas größter Fleischvermarkter. Nun will der Fleischriese Tönnies auch in der Pharma-Branche mitmischen. Künftig wird das Unternehmen mit dem Stammsitz im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück den Grundstoff für den Blutgerinnungshemmer Heparin herstellen.

Streit in Familienunternehmen
Clemens Tönnies (links), Robert Tönnies Quelle: Nils Hendrik Müller für WirtschaftsWoche
Fischer DübelZwischen Jörg Fischer (36) und seinem Vater Klaus Fischer (61) krachte es so sehr, dass der Sohnemann im April 2012 hinschmiss und das Unternehmen verließ. Man habe festgestellt, dass die Vorstellung im Hinblick auf Ausrichtung und Führung des Unternehmens "gravierend unterschiedlich" seien, teilte Klaus Fischer mit. Jörg Fischer hatte die Leitung der Geschäfte erst Anfang 2011 übernommen. Jetzt führt Vater Klaus wieder das Unternehmen. Es ist nicht der erste Schlagabtausch im Hause Fischer. 2007 prozessierte Firmenpatriarch Artur Fischer erfolgreich gegen Tochter Margot Fischer-Weber. Ihr wurde gerichtlich untersagt, Vater und Bruder auf ihrer Website als „Haie, Wölfe, Schweine“ oder „Idioten" zu bezeichnen. Dem Urteil ging ein jahrelanger Rechtsstreit um das Erbe der Dübel-Dynastie voraus. Quelle: Presse
Eine Frau zeigt Minischnapsflaschen des Spirituosen-Herstellers Berentzen Quelle: dpa/dpaweb
Jette Joop und Vater Wolfgang Joop Quelle: dpa
Porsche und PiechZwei Cousins wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Gemeinsam ist ihnen der Großvater Ferdinand Porsche, Erfinder des VW-Käfers. Ferdinand Piech (links) lenkt als Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen die Geschicke des Piech-Zweigs der Familie. Er gilt als stiller, aber harter Manager - ein nüchterner Zahlenmensch. Daneben Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche. Er gilt als Familienmensch, schöngeistig, weich. Der Kampf der Familien gipfelt 2009 als Porsche versucht, VW zu übernehmen. Quelle: dpa
ElectronicPartner EPZwei Jahre lang stritten die Gesellschafter des Elektronikfachhändlers aus Düsseldorf. Grund: Unternehmensnestor Harmut Haubrich hatte die Firmenleitung an seinen Neffen Oliver Haubrich (rechts im Bild - neben ihm Unternehmens-Sprecher Jörg Ehmer) abgetreten. Der hatte sie jedoch nach kurzer Zeit einem familienfremden Manager übertragen. Hartmut Haubrich hielt mit der Kritik an seinem Neffen nicht hinterm Berg. "Erbfolge ist keine Tüchtigkeitsfolge", sagte er auf einer Tagung. Ende 2012 einigte sich die Familie. Oliver Haubrich und seine Schwester Marion Wenske schieden aus der Dachgesellschaft der EP-Unternehmensgruppe aus. Quelle: dpa
Hans und Paul Riegel Quelle: PR

Die Produktion werde Mitte 2014 starten, sagte Unternehmenschef Clemens Tönnies am Mittwoch. Der Umsatz soll später bei 60 bis 70 Millionen Euro liegen. Dafür wird an der Autobahn 2 zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde für 21 Millionen Euro eine Fabrik mit 20 Mitarbeitern gebaut.
16 Millionen Schweine schlachtet die Tönnies-Gruppe jährlich. Aus dem Darmschleim der Tiere wird Heparin hergestellt. Die Substanz wird Patienten in Kliniken standardmäßig gegen Embolien und Thrombosen sowie bei Operationen gespritzt.

Bereits im Mai hatte Tönnies die Mehrheit an dem Berliner Heparin-Spezialisten Pharma Action GmbH erworben. In weniger als zwei Jahren könnten täglich bis zu 60 Tonnen Rohstoff (Roh-Mucosa) in der neuen Fabrik verarbeitet werden. Daraus entstehen 150 Liter Grundstoff, die in Berlin weiterverarbeitet werden. „Wir wären dann der erste Heparin-Hersteller, der eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit vom Bauern bis zum Endprodukt garantieren kann“, sagte Tönnies. In der EU werde das zum 31. Januar 2013 Pflicht.

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