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FahrradmarktWarum Leasing so wichtig für den Fahrradmarkt ist

Der Fahrradmarkt trotzt der Konsumflaute in Deutschland und verkauft sogar immer teurere Produkte. Um dieses Kunststück zu bewerkstelligen, setzen die Händler auf Leasing.Sebastian Schug 08.04.2024 - 07:28 Uhr

Geschäftsmann überprüft sein E-Bike.

Foto: imago images

Der E-Bike-Boom ist auf dem Fahrradmarkt nicht zu übersehen, doch die hochpreisigen Räder auch in Zeiten der Konsumflaute an den Mann und die Frau zu bringen, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Branche hat sich von der Autoindustrie inspirieren lassen – der Clou: Fahrrad-Leasing.

Leasing sei ein Katalysator, der dafür sorge, dass sich auch Kundengruppen ein teures E-Bike leisten können, die eine solche Investition bisher nicht getätigt hätten, sagt Robert Peschke im WirtschaftsWoche-Podcast Chefgespräch. Peschke ist der Chef des größten deutschen Fahrradhändlers Little John Bikes.

Das bestätigen auch die Zahlen des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen, wonach das Segment „Fahrräder und Elektroroller“ im Jahr 2023 bereits einen Anteil von drei Prozent am Leasingneugeschäft ausgemacht hat. „Das Leasing von Fahrrädern wächst seit Jahren kontinuierlich“, heißt es.

E-Bike-Boom

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Wie stark der Markt gewachsen ist, zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach betrug das Volumen 2023 2,56 Milliarden Euro,
ein Plus von 23,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von solchen Wachstumszahlen können andere Wirtschaftszweige nur träumen.

Im Schlepptau der E-Bikes

Wie wichtig dieses Wachstum für den Fahrradmarkt insgesamt ist, zeigen die aktuellen Marktdaten des Zweiradverbands ZIV für das Jahr 2023. Demnach ist die Anzahl der verkauften Fahrräder im Vergleich zum Vorjahr zwar zurückgegangen, dank eines höheren E-Bike-Anteils konnte der Gesamtumsatz aber auf ähnlichem Niveau gehalten werden. Erstmals machten E-Bikes mehr als die Hälfte der Verkäufe aus.

Laut Uwe Wöll vom Händlerverband VSF liegt der Durchschnittspreis für E-Bikes bei rund 4.500 Euro, für normale Räder bei 1.600 Euro. Geht man davon aus, dass ein Qualitätsgeschäft 55 bis 60 Prozent E-Bikes verkauft, kann man sich den Umsatzanteil in etwa vorstellen.

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Doch nicht alle Kunden leisten sich ein solch hochpreisiges Produkt auf einmal, hieß es beim ZIV. Etwa jedes vierte verkaufte Fahrrad sei im Rahmen von Leasingangeboten in Zusammenarbeit mit Arbeitgebern verkauft worden. Der Vorteil: Solche Angebote ermöglichen eine sogenannte Bruttolohnumwandlung. Das heißt, die Leasingkosten werden noch vor der Steuer vom Lohn abgezogen, wodurch sich der Nominalwert verringert – ein deutlicher Vorteil gegenüber dem Privatkauf.

Wöll schätzt den Anteil der Leasingkäufe sogar auf über 50 Prozent, die ausschließlich auf Angebote in Kooperation mit Arbeitgebern entfallen. Der Experte bezieht sich hierbei auf Angaben des VSF und des Partner-Verbunds Bike&Co, welche gemeinsam mehr als ein Drittel der hauptberuflichen Fahrradhändler in Deutschland vertreten. Leasing sei für die Branche überlebenswichtig, so Wöll, der sich sicher ist, dass es dazu bei VSF und Bike&Co „keine zwei Meinungen“ gibt.

Abhängigkeit trotz Auswahl

Nach Angaben des VSF gibt es in Deutschland neben dem Platzhirsch „JobRad“ rund 20 Fahrrad-Leasing-Anbieter. 15 davon empfiehlt der Verband seinen Mitgliedern. Doch diese Auswahl, so Wöll, sei zumindest aus Händlersicht trügerisch. Theoretisch könnten sich Fahrradgeschäfte zwar aussuchen, mit welchem Leasing-Anbieter sie zusammenarbeiten, in der Praxis gebe es diese Wahlmöglichkeit aber nicht.

Der Grund: Will ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern ein Fahrradleasing anbieten, sucht er sich einen Partner auf dem Leasingmarkt und schließt einen Vertrag. Dieser regelt die Auswahl, die Preisgrenzen, die Leasingraten, den Service und auch, wie viel sich der Arbeitgeber zusätzlich zur Bruttoentgeltumwandlung an den Kosten beteiligen will. Die Händler spielen dabei keine Rolle. „Wir sind als Händler und als Händlerverband praktisch der Letzte in der Kette“, so Wöll.

Ein Fahrradgeschäft könne sich zwar weigern, einem Kunden ein Fahrrad zu verkaufen, wenn damit die Zusammenarbeit mit einem Leasingpartner verbunden sei, so Wöll, aber das würde bedeuten, auf den gesamten Umsatz aller Mitarbeiter des jeweiligen Arbeitgebers zu verzichten. In der Praxis wird ein solcher Verzicht wohl selten eintreten.

Insgesamt sind die Aussichten im Fahrradmarkt aus Sicht des Handelsverbandes weiterhin positiv. Großhändler Peschke sieht aber auch Risiken. Mit Blick auf die nach dem Corona-Boom zu vollen Lager sagte er: „Wir werden in diesem Jahr eine Rolle rückwärts erleben“. Einzelne Produkte seien bereits knapp.

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