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Fairtrade Kaffee, Blumen und eine Insel

Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten steigt stetig. Auch weil große Discountketten wie Aldi oder Lidl ihr Angebot ausweiten. Einen Überblick über die Leistungsfähigkeit und Vielfalt der Fairtrade-Branche gibt ab morgen die Messe „Fair handeln“ in Stuttgart.

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Bananen mit dem Fairtrade-Siegel. Quelle: dpa/dpaweb

Seit fast  20 Jahren werden in Deutschland Lebensmittel und Nonfood-Waren mit dem Fairtrade-Label verkauft. Geschätzter Umsatz seitdem: rund  2,1 Milliarden Euro. 2010 kauften die deutschen Verbraucher Fairtrade-zertifizierte Produkte im Wert von rund 340 Millionen Euro, dies entspricht einer Steigerung um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im ersten Halbjahr 2011 stieg der Umsatz hierzulande zwar nicht mehr ganz so dynamisch, aber immerhin noch um 17 Prozent auf 187 Millionen Euro. „Wenn neue Produkte das Fairtrade-Siegel nutzen, macht sich das erst mit einiger Verzögerung bemerkbar“, begründet Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath die Entwicklung. Bis zum Jahresende sollen die Erlöse mit dem Label 400 Millionen Euro überschreiten.

Im kommenden Jahr,  passend zum 20-jährigen Jubiläum des Fairtrade-Siegels, soll dann erstmals die 500 Millionen-Marke geknackt werden.

Gründe für den Erfolg sind die größere Produktvielfalt, mehr Fairtrade-Hersteller, ein größeres Engagement im Handel und in der Gastronomie sowie die verstärkte Nachfrage der Verbraucher. Kaffee ist nach wie vor das stärkste Fairtrade-Produkt, gefolgt von Blumen, Fruchtsaft und Bananen.

Logo gilt als vertrauenswürdig

Auch die Bekanntheit des Fairtrade-Siegels beim Verbraucher trägt zur Erfolgsgeschichte bei. Laut einer Studie des Instituts Globescan kennen 69 Prozent hierzulande das grün-blaue Logo auf schwarzem Grund. 93 Prozent der Käufer halten es für vertrauenswürdig. Im Vergleich zu Großbritannien jedoch noch ein schwacher Wert. Dort liegt die Bekanntheit bei 80 Prozent und im Handel mit fairen Produkten werden Milliarden umgesetzt.

Dass immer mehr fair gehandelte Waren überhaupt den Weg zum Verbraucher finden, liegt auch an den großen Lebensmittelketten. In den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Handelsunternehmen das Siegel auf neue Eigenmarken gepappt. Prominente Neuprodukte waren etwa die Dauerlistung einer 1 kg-Packung Espressobohnen bei Aldi Süd sowie die Einführung einer Bio-Nuss-Nougat-Creme beim Drogeriemarktbetreiber Rossmann.

Andere Discounter wie Norma testen die Nutzung des Fairtrade-Labels mit zeitlich begrenzt verfügbarer Aktionsware. Bei Lidl umfasst das Sortiment unter der Eigenmarke „Fairglobe“ inzwischen sogar 15 Produkte. „Der Vormarsch der Händler setzt Markenartikler vermehrt unter Zugzwang“, glaubt Overath.

In der Kategorie Kaffee konnte das Siegel seine Bedeutung mit einem Umsatzplus von 32 Prozent im Lebensmittelhandel  und im Außer-Haus-Geschäft ausbauen.

Auch bei Eiscreme sorgte die sukzessive Umstellung der Marke Ben & Jerry’s für einen Zuwachs von 100 Prozent. Rückgänge verzeichnete Fairtrade dafür in den Warengruppen Wein, Fruchtsaft und Textilien.

Bewusstsein steigt

Fair gehandelter Honig von GEPA. Quelle: dpa/dpaweb

Mittlerweile zum vierten Mal auf dem Gelände der Messe Stuttgart bietet die  „Fair handeln“, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) veranstaltet wird, Fachleuten und Verbrauchern eine Plattform für Fair Trade sowie global verantwortungsvolles Handeln mit Blick auf Entwicklungs- und Schwellenländer in den Bereichen Wirtschaft, Finanzwesen, Nachhaltiger Tourismus, Konsum, Corporate Social Responsibility (CSR) und der Entwicklungszusammenarbeit.

Mit insgesamt 136 Ausstellern aus 13 Ländern verzeichnet die Messe in diesem Jahr ein starkes Plus an ausstellenden Firmen, Organisationen und Verbänden von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und auch in punkto Ausstellungsfläche macht sie mit 30 Prozent mehr einen großen Sprung nach vorne, teilen die Veranstalter mit.

Auch im Bereich Außer-Haus-Markt steigt das Bewusstsein für fair gehandelte Produkte. Ob Café, Bäckerei, Kantine oder im Hotelgewerbe – immer mehr gastronomische Betriebe in Deutschland nehmen Fairtrade-Produkte in ihrem Sortiment auf. Mehr als 18 000 sind es bereits, die Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel ausschenken oder weitere fair gehandelte Produkte auf dem Menü anbieten.

Im vergangenen Jahr stieg der Absatz um 27 Prozent auf 4000 Tonnen. Auch in der Gastronomie ist Kaffee mit 2600 verkauften Tonnen im Jahr 2011 das wichtigste Fairtrade-Produkt. Umgerechnet entspricht dies einer Menge von rund 371 Millionen Tassen, die von dem Heißgetränk getrunken worden.

Langeoog ist "Fairtrade-Insel"

Mittlerweile rangeln sich sogar Dörfer, Städte, Landkreise und sogar Inseln um ein Fairtrade-Siegel. So wird am Mittwoch die Insel Langeoog als erste deutsche Fairtrade-Insel ausgezeichnet. Verliehen wird die Bezeichnung „Fairtrade-Insel“ von der weltweit tätigen Initiative „Fairtrade Towns“, die sich für einen fairen Handel – weltweit – einsetzt.

Für die Bewerbung hatte sich eine Arbeitsgruppe Fairtrade-Insel Langeoog mit 16 Insulanern stark gemacht. Um die Auszeichnung erhalten zu können, müssen die Bewerber laut Angaben der Initiative eine Reihe von Kriterien erfüllen.

Unter anderem ist  in den Kommunen im Verhältnis zur Einwohnerzahl eine ausreichend große Anzahl an Geschäften, Hotels, Restaurants und Cafés nachzuweisen, die jeweils mehrere Fairtrade-Angebote verarbeiten oder verkaufen. Dazu zählen vor allem Produkte der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (GEPA), von El Puente – Partnerschaftlicher Welthandel und der Fairhandelsgenossenschaft DWP.

In Arbeit
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Die Kommunen selbst verpflichten sich, selbst nur noch Fairtrade-Kaffee sowie mindestens ein weiteres Fairtrade-Produkt einzukaufen. Mit der Übergabe der Urkunde wird die Inselgemeinde Langeoog Mittwoch ein Teil einer weltweiten Bewegung, der Kampagne Fairtrade Towns. Es gibt mittlerweile über 1000 Fairtrade-Städte und -Kommunen auf der ganzen Welt, die sich für fairen Handel stark machen, davon schon 76 in Deutschland.

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