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Familie Reimann Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre

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Die Unternehmerfamilie hält sich meist raus

Die Familie vertraute Harf nicht nur, weil sie keine Wahl hatte. Er überzeugte die Reimanns durch seine klaren Vorstellungen. Er war Doktorand und Jahrgangsbester an der Universität zu Köln und absolvierte Anfang der Siebzigerjahre als einer der wenigen Deutschen die elitäre Harvard Business School. „Der ist fast unheimlich schlau“, sagt Harvard-Mitstudent Jim Stern, Gründer der New Yorker Investmentgesellschaft Cypress Group. Er erinnert sich besonders daran, wie Harf die Datenmenge einer Excel-Tabelle quasi vor seinem geistigen Auge bewegt.

Mindestens ebenso überzeugte die Reimanns die rheinisch umgängliche Art. „Er ist anders als viele erfolgreiche Manager Mensch geblieben“, sagt Stern. Das Lob ist Harf eher unangenehm. „Ja, wir sind erfolgreiche Geschäftsleute, aber das ist kein Grund, eitel und gefühlskalt zu sein.“

Harf löste auch Familienprobleme

Die Arbeitsteilung sieht mittlerweile so aus: Firmenretter Harf spricht sich bei grundlegenden Dingen mit der Familie und einem kleinen Beirat ab. Ansonsten hält die Sippe sich raus, lebt gewohnt bescheiden und verzichtet weitgehend auf Dividenden, um dem Unternehmen teure Kredite zu ersparen. Viermal im Jahr trifft sich Harf mit der Familie für ein paar Tage in einem Hotel. „Da reden die ohne Tagesordnung zusammen oder auch im Zwiegespräch und besprechen beim gemeinsamen Essen alles, was ansteht an Plänen und Sorgen“, berichtet ein Insider. „Die sehen Peter als eine Art großen Bruder.“

So löste Harf auch Familienprobleme, etwa als nach und nach fünf der neun Erben von Albert Reimann aussteigen wollten. Harf zahlte einige auf Pump aus, brachte die Reinigungsmittelsparte erst an die Börse und fusionierte sie dann mit der britischen Reckitt & Colman zu Reckitt Benckiser. Dabei überließ er seinem heutigen Partner Becht den Chefposten und arbeitete selbst daran, aus Coty einen Luxusriesen zu schmieden. So ergänzte Harf das Kosmetikgeschäft um Lederwarenklassiker wie Bally und Belstaff.

Top 10: Dividendenkönige

Das ging bis 2010, als sich Harf in seiner Rolle als „Alleinunterhalter“ unwohl fühlte. Zum einen wollte sich der damals 63-Jährige zeitig um seine Nachfolge kümmern. Wichtiger jedoch: Harf wollte durch mehr Zukäufe in neue Felder vorstoßen und brauchte dafür unternehmerische Schwergewichte als formal gleichberechtigte Partner in der JAB-Führung.

Ausgewogene Mischung

Als Ausgleich zu seiner eigenen rationaleren Art holte er den gebürtigen Niederländer Bart Becht. Der 58-Jährige hat mit seiner schroffen bis arroganten Art Reckitt Benckiser zu immer neuen Ertragsrekorden geführt und kassierte dafür bis zu gut 100 Millionen Euro pro Jahr an Gehalt und Aktienoptionen. „Er ist der ultimative Firmenchef, hat ein Elefantengedächtnis für alle Fakten und kann wie kein Zweiter Entscheidungen fällen“, lobt Harf.

Als Gegengewicht gilt der introvertiertere Olivier Goudet, laut Harf „der Deal-Maker schlechthin“. Der 50-jährige gebürtige Franzose hatte ihm als Finanzvorstand von Mars imponiert: „Er hat Fantasie, wie Unternehmen und Geschäftsfelder zusammenpassen, und weiß spontan die beste Finanzierung.“

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