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Familie Reimann Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre

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Management ist Eigentümer, nicht Angestellter

Zusammen entwarf das Trio für JAB eine komplett neue Arbeitsweise. Bei ihren Beteiligungen installierten sie ein Management, das sich nicht als Angestellte, sondern als Eigentümer fühlt – und dies dadurch unterstreicht, dass die Top-Leute fast ihr ganzes Vermögen in Firmenanteile investieren. „Der Lohn kommt dann nicht aus Boni, die das Management am Ende noch beeinflussen kann, sondern aus dem Wertzuwachs“, erklärt Harf. „Um das vorzuleben, haben auch Bart, Olivier und ich relativ niedrige Gehälter, und unser Vermögen steckt fast komplett in JAB.“

Gleichzeitig legen sie ihre Rolle als Aufsichtsräte sehr weit aus und halten relativ engen Kontakt zu den Chefs ihrer Beteiligungen. „Wir sehen uns als Sparringspartner für alles, was über das Tagesgeschäft hinausgeht“, so Harf.

Das Geheimnis der Unternehmerfamilien
Die reichsten deutsche Unternehmerfamilien in Deutschland konnten ihr Vermögen in den vergangenen zehn Jahren weiter steigern: Seit 2001 wuchs ihr Vermögen um fünf Prozent auf 320 Milliarden Euro im Jahr 2012. Das belegt eine Studie des Center for Family Business (CFB) der Universität St. Gallen. Nicht nur die Quandt-Erbin Susanne Klatten (Foto) war mit ihren Beteiligungen erfolgreich. Quelle: AP
Die größten Wertsteigerungen können die Familien Jacobs, Herz, Reimann, Kühne (im Bild: Klaus-Michael Kühne) und Hopp vorweisen, die ihr Vermögen jeweils um mehr als drei Milliarden Euro steigern konnten. Quelle: dpa
Die Unternehmen der Familienmitglieder müssen laut Studie nicht immer rechtlich mit einander verbunden sein - auch mit den familiären Bunden alleine lässt sich ein gutes Geschäft machen. Besonders deutlich zeigt sich das in der Kooperation der beiden Beteiligungen der Quandt-Erbin Susanne Klatten, BMW und SGL Carbon, die beim Bau der Elektroautos i3 und i8 kooperieren. BMW-Großaktionärin Klatten hält über ihre Beteiligungsgesellschaft Skion knapp 27 Prozent der SGL-Anteile, BMW zusätzlich knapp 16 Prozent. Quelle: Reuters
Die erfolgreichsten Familiendynastien sind nach Ansicht der Forscher im Mittel 80 Jahre alt. Eine weitere Gemeinsamkeit der Erfolgreichen: etwa zwei Drittel ihres Vermögens investieren sie nach wie vor in das Ursprungsunternehmen. In weit mehr als der Hälfte aller Familien ist nicht ein Einzelunternehmer, sondern sind fünf oder mehr Familienmitglieder unternehmerisch tätig. In ihrem Besitz befinden sich im Schnitt 75 Unternehmen. Bei der Quandt-Familie (im Bild: Sefan Quandt, seine Mutte Johanna Quandt und seine Schwester Susanne Klatten) sind es sogar 22 Mitglieder, die Beteiligungen an 316 Unternehmen halten. Quelle: AP
Doch auch die größten Dynastien können ins Wanken geraten: Nur 65 der Unternehmerfamilien, die 2001 in der Liste der 100 reichsten geführt wurden, sind auch 2012 in der Rangliste vertreten. In 13 Familien sind die Gründe dafür finanzielle Probleme - wie beispielsweise in den Familien Kirch oder Merckle (Foto), die neben ihrem Patriarchen auch weite Teile ihres Vermögens verloren. Acht Familien verlagerten ihren Wohnsitz, fünf verwässerten durch Erbschaft ihr Vermögen, vier Unternehmer starben ohne Erben. Quelle: AP
Im Unterschied zu Private-Equity-Unternehmen investieren die Unternehmerfamilien aber oft langfristiger oder sogar unbegrenzt. Das kann sich auch auszahlen: Aus einer 100-Prozent-Beteiligung an Benckiser (bekannte Marken: Calgon, Calgonit), die rund zwei Milliarden Euro wert war, hat die Familie Reimann nach Fusion mit Reckitt im Jahr 1999 und dem folgenden Börsengang ein Unternehmen mit einem Wert von 4,8 Milliarden, an dem die Unternehmerfamilie immer noch zehn Prozent der Anteile hält. Quelle: PR

Zeit für wohltätige Arbeit

Ähnlich eng ist der Kontakt der drei untereinander. Zwar sind alle drei selten in einem Raum, denn Goudet lebt nahe der US-Hauptstadt Washington, Becht in London, Harf pendelt zwischen Mailand und New York. Aber sie telefonieren, mehrfach täglich und ausgiebig. „Wenn Olivier anruft, muss ich meist das Essen warm stellen“, sagt Harfs Frau, die Schriftstellerin Tina Grube („Männer sind wie Schokolade“).

Dank der Arbeitsteilung mit seinen Partnern findet Harf nun auch mehr Zeit für seine wohltätige Arbeit. Nachdem seine erste Frau 1991 an Leukämie starb, startete er die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und machte sie zu einer der effizientesten Hilfsorganisationen.

In Arbeit
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Nach den gleichen unternehmerischen Prinzipien erneuert er nun die karitative Arbeit der Reimanns. „Wir nennen es nicht Wohltätigkeit, sondern Social Business, weil wir wie ein Unternehmen mit unseren Mitteln größtmöglichen Erfolg haben wollen“, sagt Christoph Glaser, Chef der Benckiser Stiftung Zukunft. Sie will etwa über das Mentoren-Programm „Balu und Du“ benachteiligten Kindern und Jugendlichen Berufsabschlüsse ermöglichen.

Dabei verknüpft die Organisation Reimann-Gelder mit Mitteln der öffentlichen Hand und anderen Wohltätern. Gleichzeitig berät Glasers Team andere Stiftungen, wie sie besser arbeiten. Erstes Aushängeschild ist die „Manuel Neuer Kids Foundation“ des Nationaltorhüters, weil er, vermutet Glaser, „auch mit seiner Stiftung in der Champions League spielen will.“

„Denn so wichtig Effizienz im Geschäftsleben ist“, sagt Harf, „im sozialen Bereich ist sie am Ende noch viel wichtiger.“

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