Familienunternehmen: Füller-Hersteller Lamy wird japanisch
Lamy wird japanisch: Der Standort Deutschland soll erhalten bleiben
Foto: dpaDie Mitsubishi Pencil Company aus Japan übernimmt den Heidelberger Schreibgerätehersteller Lamy. In einem aufwendigen Prozess habe die Eigentümerfamilie nach einem Käufer gesucht, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Prozess werde nun mit dem Verkauf aller Anteile am Unternehmen erfolgreich beendet. Zum Verkaufspreis machte eine Lamy-Sprecherin auf Anfrage keine Angaben.
Lamy habe nach einem starken Partner für die Weiterentwicklung des Wachstumsfeldes im digitalen Schreiben und den Ausbau des internationalen Vertriebs gesucht, hieß es weiter.
Das im Jahr 1930 gegründete Familienunternehmen gehört zu den führenden Designmarken im Schreibgerätebereich. Es beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 340 Menschen und ist in über 80 Ländern mit Verkaufsstellen vertreten. Lamy wurde zuletzt in dritter Generation geführt.
Vera Lamy, bisherige Mitgesellschafterin der C. Josef Lamy GmbH, erklärte laut Mitteilung: „Wir haben viel Wert daraufgelegt, ein Unternehmen zu finden, das die Stärke und das Herz mitbringt, zusammen mit den Lamy-Mitarbeitenden und gemeinsam mit all unseren Partnern ein ganz neues Lamy-Kapitel aufzuschlagen.“ Der Kern der Marke solle erhalten bleiben und fortentwickelt werden, ergänzte ihr Bruder und Mitgesellschafter Markus Lamy: „Dabei wird das ‚Made in Germany‘ weiter eine entscheidende Rolle spielen“. Die Mitsubishi Pencil Company solle den Erhalt von Zentrale und Fertigung am Standort Heidelberg sichern, kommentierte er.
Sinkende Umsatzzahlen, teure Innovationsstrategie bei Lamy
Die große Herausforderung wird es wohl, den Umsatz wieder anzukurbeln. Seit Jahren sinken die Erlöse des traditionsreichen Füller-Herstellers. Im Jahr 2019, vor der Corona-Krise und den damit einhergehenden Lieferengpässen, setzte Lamy 110 Millionen Euro um. Laut einer Mitteilung von Mitsubishi Pencil liegt der prognostizierte Jahresumsatz für 2023 bei etwa 77 Millionen Euro und der Gewinn bei 3,7 Millionen Euro.
Eigentlich sollten ein Innovations-Hub und eine Digitalstrategie die Traditionsfirma retten. Doch letztendlich verbrannte Lamy mit seinen Maßnahmen Geld: 2021 gründete Lamy die Tochterfirma Neo66 aus. Aus dem Berliner Kreativstudio mit Start-up-Mentalität sollten digitale Schreibwerkzeuge entstehen. Im Mai 2023 stellte Neo66 sein erstes Produkt vor: das Zeitmessgerät Kono. Über eine Crowdfunding-Kampagne sammelte das Team 43.000 Euro und erste Kunden ein. Ein halbes Jahr später wurde das Projekt „aufgrund massiv gestiegener Kosten“ wieder eingestellt. Und auch der Innovations-Hub Neo66 verschwand.
Nun soll es Mitsubishi Pencil richten. CEO Shigehiko Suhara sagte: „Wir haben größten Respekt vor der Geschichte und der Kraft der Marke Lamy.“ Man sei sicher, dass „Vision und Unternehmenskultur von Lamy und Mitsubishi Pencil großartig miteinander harmonieren“ werden. Durch die Übernahme ergebe sich „eine starke gemeinsame Plattform für zukünftiges Wachstum und für die Steigerung des Unternehmenswerts“, ergänzte Suhara. Da das japanische Unternehmen im niedrigpreisigen Segment unterwegs sei, sollen die höherpreisigen Stifte von Lamy zum Umsatzwachstum beitragen und den Eintritt im europäischen Markt ebnen.
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