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Feiertage in U-Haft Dr. Middelhoffs Weihnachten im Knast

Wie ist es, Weihnachten in der U-Haft zu verbringen? Diese Erfahrung hat der ehemalige Bertelsmann- und Karstadt-Chef Thomas Middelhoff bald den meisten Bundesbürgern voraus. Ein Blick durchs Knast-Schlüsselloch.

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Thomas Middelhoff verbringt die Feiertage in Untersuchungshaft Quelle: AP

Es sind noch Zellen frei in der Justizvollzugsanstalt Essen mitten im lebendigen Essener Stadtteil Rüttenscheid. 514 Häftlinge könnte die gut hundertjährige Haftanstalt aufnehmen, 420 sitzen derzeit aber nur ein - unter anderem, weil gut 30 Häftlinge durch die in Nordrhein-Westfalen alljährliche Weihnachtsamnestie vorzeitig auf freien Fuß kamen, erklärt der amtierende Anstaltsleiter Alfred Doliwa im Gespräch mit unserer Redaktion.

Doliwas und Deutschlands prominentester Häftling Dr. Thomas Middelhoff hingegen sitzt irgendwo im Gebäudetrakt A hinter Schloss und Riegel und erlebt, was sich der frühere Bertelsmann- und Karstadt-Chef sicher nie hätte träumen lassen: Weihnachten im Knast.

Das sind drei besinnliche Tage der anderen Art. Egal, ob Heiligabend, erster Weihnachtsfeiertag oder zweiter Weihnachtsfeiertag - geweckt werden Middelhoff und alle anderen Häftlinge wie immer um 5.40 via Lautsprecheranlage. Das Frühstück nimmt er um 6.10 an der Zellentür in Empfang, das Mittagessen um 12, das Abendbrot um 17 Uhr. Gegessen wird in der Zelle, natürlich alleine - im Bewusstsein, dass der eigene Platz am Familientisch in der heimischen Villa leer ist.

Es klingt spartanisch, was die Knastküche Middelhoff auf dem Tablett arrangiert. Zum Frühstück an Heiligabend sind Fleischwurst, Brot, Magarine und Tee das Komplettprogramm, mittags gibt es Chinapfanne mit Reis, Salat und Obst, abends Hering in Tomate und nochmals laut Speiseplan: "Brot, Margarine, Tee".

Der Middelhoff-Prozess von A bis Z

Möglich allerdings, dass ihm seine Angehörigen in einem Paket Delikatessen haben zukommen lassen oder die Anwälte ihm etwas mitgebracht haben. Ein Nikolaus als Schokoladen-Hohlfigur, ein Kuchen oder ein Glas Konfitüre dürfte aber kaum bis in die Zelle gelangen. Es könnten ja Drogen darin versteckt sein. Jedes eingehende Paket wird durchsucht und Verdächtiges aussortiert. Unverdächtig ist nur die Ware aus dem Anstalts-Shop, in dem Middelhoff bereits einkaufen konnte.

Keine Höhepunkte an den Weihnachtstagen

Der katholische Gottesdienst für die Häftlinge aus dem A-Trakt ist an Heiligabend um 14 Uhr. Dass Middelhoff und Leidensgenosse Helge Achenbach in der Kirchenbank nebeneinander knien, ist ausgeschlossen: Der Düsseldorfer Kunsthändler, dessen Prozess wegen Betrugsverdacht bereits läuft, sitzt auch in Essen in U-Haft, aber im B-Trakt. Für ihn ist katholischer Gottesdienst am ersten Weihnachtstag morgens um acht.

Der Middelhoff-Prozess von A bis Z

Das wars dann aber auch mit Sonderprogramm. Es gibt sonst keinerlei Highlights an den dunklen Weihnachtstagen im Knast. Besuch? Nein, die JVA ist an Feiertagen und an Wochenenden geschlossen. Denn Besuchstage sind wegen der notwendigen Kontrollen personalintensiv. Und Vorrang hat, dass die Bediensteten bei ihren Familien sein können. "Jeder der Kollegen hat rund 100 Überstunden", verweist Doliwa auf die knappe Personaldecke.

"Gründliche Zellenkontrolle" vor Weihnachten

Die weihnachtlichen Feiern haben schon in den Adventswochen stattgefunden. Am 5. Dezember konnte Middelhoff an der Weihnachts- und Nikolausfeier "für Gefangene ohne Arbeit" teilnehmen, die man sich als Zusammensein im Kirchenraum ohne Ansprachen und Vorführungen vorstellen muss. Kuchen und Gebäck konnte sich die Anstalt nicht leisten. "Wir hatten Haushaltssperre", erklärt Doliwa. Aber die Geistlichen hätten Gespendetes aus nahen Kirchengemeinden mitgebracht.

Am 15. Dezember war laut Plan der katholische Bußgottesdienst. Gebeichtet würde aber nur "nach Anmeldung". Am 22. war der wöchentliche Wäschetausch. Middelhoff trägt aber nicht die Unterwäsche, Kleidung und benutzt auch nicht die Bettwäsche aus dem großen Fundus der JVA. Untersuchungshäftlingen steht es frei, private Textilien zu benutzen, und Middelhoff macht das.

Am 22. Dezember wurde dann sein Haftraum durchsucht - so wie der aller anderen Gefangenen. Die "gründliche Zellenkontrolle" aller 150 Hafträume, wie Doliwa die Prozedur nennt, soll versteckten Alkohol aufspüren und verhindern, dass sich Häftlinge an den Feiertagen betrinken. "Es gelingt manchen Gefangenen sogar, heimlich in den Zellen oder in den Hausverwaltungsräumen mit leeren Kanistern, Brot und Obst selbst Alkohol herzustellen", weiß Doliwa. Diese Schätze gilt es aufzuspüren.

Ständige Kontrolle

Middelhoff muss auch während der Weihnachtstage eine besondere Hafterschwernis ertragen. Da ihn das Essener Landgericht mit dem Hinweis auf Suizidgefahr an die JVA überstellt hat, müssen die Vollzugsbeamten ihn in Abständen von höchstens 15 Minuten kontrollieren - auch nachts. Sie müssen jedesmal das Licht einschalten oder sogar die Zelle betreten, um sicher zu gehen, dass er wohlauf ist. Die Maßnahme dient zu Middelhoffs Schutz, nimmt ihm aber zugleich Schlaf und Privatsphäre.

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Seit dem 14. November sitzt Middelhoff inzwischen in Untersuchungshaft. Drei Jahre Haft wegen Untreue hatten die Essener Richter gegen Middelhoff verhängt und ihn wegen Fluchtgefahr umgehend in die nur 100 Meter Luftlinie entfernte JVA geschickt.

Am 18. Dezember lehnte das Oberlandesgericht Hamm seinen Antrag auf Freilassung aus der Untersuchungshaft ab und bestätigte damit, dass aus Sicht der Justiz nach wie vor Fluchtgefahr beim aktuell prominentesten Häftling Deutschlands besteht. Nur wenn sich etwas ändert an den Faktoren, die Grund für die U-Haft-Verhängung sind, wird Middelhoff frei kommen, bevor das OLG seine Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil verhandelt.

Dass Middelhoff Silvester auf freiem Fuß verbringt, ist so gut wie ausgeschlossen.

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