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Ferrero und andere Hersteller53 Warnmeldungen vor Salmonellen seit 2021

Salmonellen, Werkschließung, Ermittlungen: Der Süßwarenhersteller Ferrero steht massiv unter Druck. Aber auch zahlreiche andere Unternehmen mussten zuletzt mit Salmonellen belastete Produkte aus dem Verkehr ziehen.Henryk Hielscher 13.04.2022 - 10:30 Uhr

Böse Überraschung Ferrero ruft viele Produkte der Marke Kinder zurück

Foto: imago images

Nach dem Bekanntwerden mehrerer Salmonellenfälle gerät der Süßwarenproduzent Ferrero immer stärker unter Druck. Aber auch zahlreiche andere Hersteller haben in den vergangenen Monaten mit Salmonellen belastete Produkte in den Verkehr gebracht, berichtet die WirtschaftsWoche. Das zeigen Daten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). 

Insgesamt veröffentlichte die Behörde im vergangenen Jahr 36 entsprechende Warnmeldungen. Seit Januar 2022 kamen 17 hinzu, darunter zuletzt Rückrufe für Schoko-Bons und andere Produkte der Ferrero-Marke „Kinder“. Salmonellen wurden aber auch in Produkten wie Säuglingsnahrung, Pistaziencreme, Erdmandeln sowie Hähnchenbrustfilets, Haferriegeln und Fertigwraps gefunden. 2021 wurden die krankheitserregenden Bakterien nach BVL-Angaben vor allem in Kräutern und Gewürzen sowie in Fleisch, Wild und Geflügel nachgewiesen. Anders als im Fall von Ferrero erfolgten die Rückrufe meist sehr rasch.

In der vergangenen Woche hatte das italienische Unternehmen auf Behördenanweisung seine Fabrik im belgischen Arlon schließen müssen, nachdem zuvor Hunderte Salmonellen-Fälle in ganz Europa mit dort produzierten Süßigkeiten in Verbindung gebracht worden waren. Alle „Kinder“-Schokoladenprodukte, die in Arlon hergestellt und von dort ausgeliefert wurden, wurden zurückgerufen. Laut Ferrero wurden die Salmonellen bereits am 15. Dezember 2021 in dem Werk entdeckt.

2008 warnt die italienische Polizei, dass Händler tonnenweise vergammelten Mozzarella aufbereitet und ihn unter anderem nach Deutschland verkauft haben. In der Ware finden die Ermittler Eisenstücke, Würmer und Mäuseexkremente. Insgesamt 11.000 Tonnen Käse kommen damals in den europaweiten Handel, darunter auch Scheibletten und Gorgonzola.

Foto: imago images

Der Skandal um das Ehec-Bakterium versetzt Deutschland in Aufregung: Bis das Robert-Koch-Institut Ende Juli 2011 den Ehec-Ausbruch für beendet erklärt, erkranken etwa 4000 Menschen an der Infektion, 53 von ihnen sterben. Als Ursache werden nach zahlreichen Fehleinschätzungen, worunter vor allem heimische Landwirte zu leiden hatten, verseuchte Bockshornklee-Sprossen ermittelt. Sie gelangten aus Ägypten nach Deutschland.

Foto: imago images

Ein Futtermittelhersteller in Norddeutschland verarbeitet 3000 Tonnen mit Dioxin verseuchte Fette und vertreibt sie 2011 an zahlreiche Futtermittelhersteller. In Deutschland kommt verseuchtes Futter in die Mastanlagen von Schweine- und Hühnerzüchtern. Die Gifte stammen unter anderem aus Frittierfett und Industriefetten, die zur Biodieselproduktion dienen. Hühner werden massenweise geschlachtet.

Foto: imago images

Kontrolleure fanden 2012 wiederholt Mäusekot und Reste von früheren Produktionen in Maschinen der Bäckerei „Müller-Brot“. Die Behörden verhängten einen Produktionsstopp, kurze Zeit später meldete die Bäckereikette Insolvenz an.

Foto: dpa

Eine französische Fleischverarbeitungsfirma und ein niederländischer Händler gaben 2013 mehr als 500 Tonnen Pferdefleisch als Rindfleisch aus und brachten es in Deutschland und anderen Ländern in Lasagne, Gulasch und anderen Fertigprodukten auf den Markt. Im April 2019 wurden die Täter von einem Pariser Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt.

Foto: dpa

Hunderttausende Eier aus den Niederlanden sind mit dem Pflanzenschutzmittel Fipronil belastet, das Schäden an Leber, Schilddrüse oder Niere verursachen kann. Ein belgisches Unternehmen wird verdächtigt, das Insektizid einem Anti-Läusemittel beigemischt zu haben, das in der Geflügelzucht eingesetzt wird. Belastete Eier gelangen 2017 in mindestens zwölf deutschen Bundesländern in den Handel, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Zahlreiche Handelsketten nehmen vorsorglich Eier aus dem Sortiment.

Foto: imago images

Zwischen 2005 und 2006 wird in Deutschland immer wieder verdorbenes Fleisch in Kühlräumen, Verarbeitungsbetrieben und im Handel entdeckt. Schnell bekommt der Skandal einen passenden Namen: Gammelfleischskandal

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1996 wird eine neue Form der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit nachgewiesen, mehrere Menschen sterben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Krankheit durch BSE-verseuchtes Fleisch auf Menschen übertragen wurde, das aus Großbritannien stammt. Zehntausende Rinder müssen notgeschlachtet werden.

Foto: WirtschaftsWoche

2008 wurde China von einem Skandal um verseuchtes Milchpulver erschüttert. Mindestens sechs Kinder starben, Hunderttausende Babys wurden krank, weil 22 Lebensmittelfirmen wochenlang völlig unbehelligt Milchpulver und andere Produkte in Umlauf bringen, die mit Melamin gestreckt sind. Aus der Chemikalie wird normalerweise Kunstharz gemacht. Wochenlang herrscht Panik unter chinesischen Eltern. Das Vertrauen in heimische Milchkonzerne sinkt auf Null. Noch heute meiden viele Verbraucher in China heimische Milchprodukte.

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Es war einer der größten Lebensmittelskandale Europas: Über 20.000 Menschen wurden 1981 vergiftet. Kriminelle Unternehmer hatten Olivenöl mit vergälltem, für die Industrie bestimmten Rapsöl gepanscht und als angebliches Lebensmittel billig auf spanischen Straßenmärkten verkauft. 

Foto: imago images

Viele Kinder mussten ins Krankenhaus

Nach Angaben von EU-Behörden hängen die Probleme möglicherweise mit der Verarbeitung von Buttermilch im betroffenen Werk zusammen. Bei eigenen Kontrollen des Fabrikbetreibers in Arlon sei das Bakterium Salmonella Typhimurium in einem Buttermilch-Tank entdeckt worden, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit. Das Unternehmen habe Hygienemaßnahmen umgesetzt und Probenahme und Tests der Produkte und des Verarbeitungsumfelds verstärkt. Nach negativen Salmonellen-Tests habe es die Schokoladenprodukte dann in ganz Europa und weltweit vertrieben. Inzwischen ermittelt laut Ferrero auch die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Luxemburg in dem Fall. 

Das ECDC und die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA schrieben in einer gemeinsamen Bewertung des Ausbruchs, dass bis Freitag vergangener Woche 119 bestätigte und 31 Verdachtsfälle in insgesamt zehn europäischen Ländern registriert worden seien, darunter auch in Deutschland. Die erste positive Probe sei am 21. Dezember in Großbritannien genommen worden, wo Mitte Februar dann eine Häufung von Infektionsfällen gemeldet worden sei.

Bei den meisten Infizierten handelt es sich um Kinder im Alter von unter zehn Jahren, viele davon mussten ins Krankenhaus. Man werde die Situation weiter genau beobachten, schrieben ECDC und EFSA. Weitere Untersuchungen seien im Werk nötig, um die grundlegende Ursache, den Zeitpunkt und mögliche Faktoren hinter der Kontamination zu identifizieren.

Lesen Sie auch: Noch nie gab es so viel Betrug mit Lebensmitteln, vor allem über das Internet. Ein Milliardengeschäft für die Mafia – und eine Bankrotterklärung der Behörden.

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