WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Finale im Familienstreit Christian Haub will die Tengelmann-Anteile seines verschollenen Bruders kaufen

Tengelmann: Im Milliardenimperium flogen für mehrere Jahre die Fetzen. Quelle: imago images

Vor drei Jahren verschwand Tengelmann-Miteigentümer Karl-Erivan Haub – und im Milliardenimperium flogen fortan die Fetzen. Nun bahnt sich eine Lösung an: Die Familie des Vermissten will ihre Anteile verkaufen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Christian Haub fand klare Worte: Von einer „gewaltigen Schließungswelle“ und einer „heftigen Preisschlacht“ im Textilhandel warnte der Chef der Tengelmann-Gruppe im März im Interview mit der WirtschaftsWoche. Er sprach über die Folgen des Lockdowns und die Aussichten der Handelsgruppe, zu der die Baumarktkette Obi und der Textildiscounter Kik gehören. Nur zu einem Thema hielt sich Haub bedeckt: Über den Stand des Erbstreits, der die Milliardärsfamilie seit dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan vor drei Jahren in Atem hält, wollte er sich nicht äußern. Schließlich hatte sich die Lage in dem verfahrenen Konflikt zu diesem Zeitpunkt gerade etwas beruhigt. 

Haub und seine Schwägerin Katrin Haub hatten sich nach zähem Ringen endlich auf einen neuen Beirat für die Tengelmann-Gruppe geeinigt. „Das war ein guter Start, und so soll es jetzt weiter gehen“, sagte Haub im Interview. Es bringe niemandem etwas, „Öl ins Feuer zu gießen“. Deshalb „haben wir vereinbart, über Familienthemen nicht mehr öffentlich zu sprechen, um dem Prozess eine Chance auf Erfolg zu geben“, so Haub. „Ich hoffe, dass wir dieses Jahr eine Lösung unter Dach und Fach bekommen.“

Dieser Lösung scheinen die Parteien jetzt einen deutlichen Schritt näher gekommen zu sein: Der Familienstamm des verschollenen Karl-Erivan Haub, zu dem Katrin Haub und ihre Kinder Viktoria und Erivan Haub gehören, will seine Anteile am Tengelmann-Imperium an Christian Haub verkaufen. Die Parteien hätten sich bereits auf ein Memorandum of Understanding verständigt, teilten die beteiligten Anwälte in einem gemeinsamen Pressestatement mit. „Es war ein langer Weg, den die Familien zurücklegen mussten, seit der langjährige CEO Karl-Erivan Haub verschollen ist“, heißt es darin. „Wir haben sehr harte Verhandlungen geführt, die aber letztlich auf Fairness und einem gesteigerten gegenseitigen Verständnis fußten. Wir streben an, den vereinbarten Anteilskauf noch im Mai zu beurkunden und zu vollziehen.“

Kommt es tatsächlich zum Abschluss, würde ein unternehmerisches wie familiäres Drama enden, das am 7. April 2018 begann. Damals war Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, in den Schweizer Alpen am Klein Matterhorn bei Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt.

Wird Karl-Erivan Haub im Mai für tot erklärt?

In der Unternehmensgruppe Tengelmann hatte daraufhin sein jüngerer Bruder Christian die alleinige Geschäftsführung übernommen. Er, sein Bruder Georg und die Familienunternehmen hatten bereits im Oktober 2020 beantragt, den Verschollenen für tot erklären zu lassen. Der Antrag von Katrin Haub zunächst scharf kritisiert worden. Doch Ehefrau und Kinder änderten Anfang 2021 überraschend ihre Meinung und schlossen sich dem Antrag an.



Inzwischen hat das Amtsgericht Köln das Aufgebot im sogenannten Todeserklärungsverfahren von Karl-Erivan Haub erlassen. Damit könnte der Unternehmer bereits im Mai für tot erklärt werden. Der Schritt des Gerichts erfolgte auf Antrag von Ehefrau und Kindern des verschwundenen Milliardärs, seines Bruders Christian und zweier Familienunternehmen, teilte eine Justizsprecherin kürzlich mit. Der geplante Verkauf der Anteile an Christian Haub im Mai dürfte damit in engem Zusammenhang stehen. 

Schließlich muss sich die Familie darauf einstellen, sowohl in den USA wie in Deutschland Erbschaftsteuer in dreistelliger Millionenhöhe zu zahlen, sobald Karl-Erivan Haub offiziell für tot erklärt wird. 

Mehr zum Thema: Tengelmann-Chef Christian Haub kritisiert die Coronapolitik der Bundesregierung, erwartet eine Rabattschlacht im Modehandel und will die Gruppe, zu der Kik und Obi gehören, weiter umbauen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%