Flughafen Frankfurt Alternative zu Amazon

Der Frankfurter Flughafen will zum Vorreiter in Sachen Onlineshopping werden. Eine neue App soll virtuelle Läden und Einkaufserlebnis verbinden.

Duty Free Quelle: REUTERS

Die Krise des Einzelhandels kannte Stefan Schulte lange nur aus den Medien. Denn im Gegensatz zu Kaufhäuser und Länden über rückläufige Umsätze klagen, freute sich der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport seit Jahren über ständig steigenden Gewinn aus seinen Geschäften und Gaststätten am Gate – bis im vorigen Geschäftsjahr der Umsatz erstmals leicht gefallen ist.

Das will Schulte nicht nochmal erleben. „Wir wollen unsere Stärken noch ausbauen und neue Digitalservices entlang des Reiseprozesses anbieten“, so der Manager. Etwas weniger technokratisch ausgedrückt: Bis Mitte des kommenden Jahres soll der Frankfurter Flughafen Vorreiter bei der Verbindung von Online-Shops und physischen Läden werden. Über eine neue App und einen erweiterten Onlineauftritt können dann alle Passagiere ihre Einkäufe künftig im Internet aussuchen und anschließend im Flughafenladen abholen – oder aber anprobieren und sich die Waren anschließend nach Hause schicken lassen.

In das Projekt steckt Fraport nicht ganz zehn Millionen Euro. Doch das sieht Schulte als lohnendes Investment „Wir versprechen uns davon einen spürbar höheren Umsatz“, so der Manager.

Ein Amazon für Anspruchsvolle

Denn auch wenn es bereits reichlich Onlineläden gibt. Fraports Verbindung von virtuell Aussuchen und Anfassen vor der Abreise soll den Flughafen zu einer Art Amazon für Anspruchsvolle machen. Denn im Gegensatz zu anderen Online-Giganten wie auch die deutsche Otto-Group setzen die Airportläden neben Parfüm und Alkohol vor allem auf hochwertige Angebote und Textilien. Damit tun sich Onlineriesen noch etwas schwer, weil die Kunden Schals oder Sakkos vor dem Einkauf gerne sehen möchten oder sie wie chinesische Kunden nur mühsam bei europäischen Händlern bestellen können.

Bester Flughafen Deutschlands

Den Vorboten sehen die Kunden seit Anfang dieser Woche in Frankfurt im Z genannten Obergeschoss des Terminals 1, wo die Langstreckenflüge der Lufthansa und ihrer Partner in der Star Alliance abfliegen. Dort hinter dem zurzeit auf Oktoberfest getrimmten Dutyfree-Laden steht I-AID. Der große Touchscreen weist den Kunden auf Deutsch, Englisch und Mandarin den Weg zum Gate - und natürlich zu allen Möglichkeiten bis zum Start in den Restaurants und Läden noch Geld auszugeben. Mit dem Gerät will Fraport zunächst die Bedürfnisse und Wünsche der abfliegenden Kundschaft genauer testen bevor der Airport die virtuellen Berater aus hellem Metall dann ab dem zweiten Quartal 2016 in allen Terminals aufbaut.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%