Folge der Inflation Einzelhändler befürchten mehr Ladendiebstähle wegen steigender Preise

Eine Frau steckt in einem Fotogeschäft in Stuttgart eine Kamera unter ihre Jacke Quelle: dpa

Die Preise im Einzelhandel sind sprunghaft gestiegen. Das dürfte sich auch auf die Diebstahlsquoten auswirken. Handelsunternehmen erwarten einen Anstieg der „unredlichen Bedarfsdeckung“, zeigt eine neue Studie.

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Egal ob Kosmetik, Spirituosen oder Smartphones: Im deutschen Einzelhandel wurde auch 2021 gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war. Insgesamt summierten sich die so genannten Inventurdifferenzen laut einer Hochrechnung des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI auf rund 4,1 Milliarden Euro. 870 Millionen Euro davon entfielen allerdings auf organisatorische Mängel wie falsche Preisauszeichnungen, so dass insgesamt Waren im Wert von rund 3,2 Milliarden Euro gestohlen wurden. 

Eine gewaltige Summe – und doch war es etwas weniger als in den Vorjahren. Im ersten Corona-Jahr 2020 beliefen sich die Verluste des Handels durch Diebstähle noch auf 3,4 Milliarden Euro. Im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 waren es sogar 3,75 Milliarden Euro. Der Rückgang ist angesichts der coronabedingten Ladenschließungen und der gesunkenen Kundenfrequenzen in den Einkaufsstraßen wenig überraschend. Doch der Abwärtstrend dürfte wohl nicht anhalten.

„Vor allem in der starken Preisentwicklung werden zunehmende Diebstahlsgefahren gesehen“, heißt es in der EHI-Studie. „Die höheren Preise und Werte machen Diebstahl interessanter.“ Durch die sinkende Kaufkraft und Konsumquote wachse die unredliche Bedarfsdeckung, meinen demnach Händler, die sich an der Studie beteiligt haben. Laut EHI haben Vertreter von 77 Unternehmen für die Studie Fragen beantwortet. Sie stehen für einen Gesamtumsatz von rund 95,4 Milliarden Euro.

Bandendiebe mit Nachholbedarf

Einzelne Unternehmen erwarten aufgrund der aktuellen Lage auch eine Steigerung der Personaldelikte, worin sich schon einige Unternehmen im ersten Quartal 2022 bestätigt sehen. Hinzu kommt der Wegfall der Corona-Beschränkungen, etwa eine Begrenzung der Kundenanzahl in den Läden. Auch dies dürfte „potenziellen Ladendieben wieder einfachere Diebstahlmöglichkeiten“ bieten, heißt es in der EHI-Untersuchung. „Auch Bandendiebe – quasi mit Nachholbedarf“ – könnten wieder deutlich aktiver werden. Zumal es vielerorts zu Personalausfällen durch Krankheit und/oder Quarantäne kommt und somit „Interventionskräfte“ in den Läden fehlten.  

2021 entfiel der Großteil der Diebstähle der Studie zufolge auf die Kunden. Sie ließen demnach Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro mitgehen, Diebstahl durch Mitarbeitende führte zu Schäden von 810 Millionen Euro, Diebstahl durch Servicekräfte undLiefernde schlug mit 320 Millionen Euro ins Kontor. Um ihre Waren zu schützen, gaben die Handelsunternehmen der Studie zufolge im vergangenen Jahr rund 1,3 Milliarden Euro aus – für Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen wie Artikelsicherung, Kameraüberwachung oder Detektiveinsätze.

Bei den Studienergebnissen handelt es sich allerdings um Hochrechnungen, offiziell äußern sich Handelsunternehmen meist nur ungern zum Thema Ladendiebstahl. So macht der Discounter Lidl „grundsätzlich keine Angaben zur Häufigkeit von Diebstählen“ in den Filialen. Auch Aldi Süd will zur „Anzahl von Diebstählen und gestohlenen Artikeln in unseren Filialen keine Angaben machen“. Die SB-Warenhauskette Kaufland verweist darauf, dass Ladendiebstahlsfeststellungen „weit weniger als ein Promille unserer Kundenkontakte“ ausmachen. Und auch die Drogeriekette Rossmann gibt an, man verzeichne „aktuell keinen Anstieg von Ladendiebstählen in unseren Filialen“. 

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Der Handelsverband HDE sieht die These, dass die steigenden Preise im Handel automatisch zu höheren Diebstahlsquoten führen, skeptisch. Es gebe „keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Preisniveau und Ladendiebstählen“, sagt ein Sprecher des Verbands. 

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