Formfehler Thomas Middelhoff wütend über Prozess-Verzögerung

Im Untreue-Verfahren gegen den früheren Arcandor-Chef geht es wieder von vorne los. Wegen einer Panne musste der Prozess neu beginnen. Für eine solche Zeitvergeudung hat Middelhoff kein Verständnis.

Niedergang der Ikonen
LoeweDer schwer angeschlagene TV-Gerätehersteller hat Antrag auf Insolvenz in Eigenregie gestellt. Im Juli hatte Loewe Gläubigerschutz beantragt - der Konzern kann dabei versuchen, sich unter gerichtlichem Schutz zu sanieren und wird weiter von seinem Management geführt. Nun folgt die Planinsolvenz. Loewe-Chef Matthias Harsch zeigt sich zuversichtlich bis Ende Oktober einen finanzkräftigen Investor aufzutun. Man habe sechs Angebote. Sollte sich darunter kein passender Partner finden "ist es natürlich aus", sagte Harsch. Loewe steckt tief in den roten Zahlen, zuletzt hatte das Minus die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Im ersten Halbjahr 2013 brach der Umsatz um 40 Prozent auf nur noch 76,5 Millionen ein. Von den 1000 Mitarbeitern sind noch knapp 700 übrig. Quelle: dpa
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NeckermannDer Versandhändler meldet am 18. Juli 2012 Insolvenz an. Der amerikanische Investor Suncapital will nicht noch mehr Geld ins Geschäft pumpen. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter hatten sich zwar auf ein Konzept geeinigt, wie der Abbau von 1.400 der 2.500 Stellen von statten gehen soll, doch Suncapital hielt die Kompromiss für nicht tragfähig und teilte mit: " Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in der bestehenden Form nicht fortgeführt werden."Neckermann wurde 1950 von Josef Neckermann ins Leben gerufen. Der Versandhändler zählte neben Otto und Quelle zu den größten deutschen Versandhäusern. Der 1961 eingeführte Slogan "Neckermann macht's möglich" wurde zum geflügelten Wort. Neckermann stieg zudem ins Reisegeschäft ein, verkaufte Fertighäuser und Versicherungen und betrieb auch eine Kaufhauskette. In den 1970er Jahren geriet das Stammhaus in die Krise und wurde 1977 mehrheitlich von der Karstadt AG übernommen, die später mit dem Versandhändler Quelle fusionierte und schließlich im Touristik- und Handelskonzerns Arcandor aufging. Arcandor ging 2009 in die Insolvenz. Quelle: dpa
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Agfa - Fotofilme Quelle: dpa/dpaweb

Panne im Prozess gegen Thomas Middelhoff: Wegen eines Formfehlers hat das Untreueverfahren gegen den früheren Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor noch einmal von vorne beginnen müssen. Die Richter in Essen hatten es am ersten Prozesstag versäumt, einen Kammerbeschluss zu einer möglichen Befangenheit einer Schöffin herbeizuführen, wie der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt am Montag mitteilte.

Zwar holte die Kammer dies am zweiten Verhandlungstag nach und hielt die Schöffin für nicht befangen. Doch mussten sowohl die mehr als einstündige Verlesung der Anklage als auch eine umfangreiche persönliche Erklärung Middelhoffs wiederholt werden.

Die Prozesse rund um Thomas Middelhoff

Die Schöffin hatte in den 90er Jahren als Vorstandssekretärin bei Karstadt gearbeitet. Mit Middelhoff, der damals noch nicht bei dem Handelskonzern tätig war, hatte sie nie zu tun. Sie arbeitete allerdings für einen Manager, der als Zeuge im Verfahren geladen werden könnte. Dennoch sah keiner der Prozessbeteiligten die Gefahr einer Befangenheit.

Middelhoff selbst zeigte sich verärgert über die durch den Formfehler verursachte Verzögerung des Prozesses. Eigentlich sollte er am zweiten Verhandlungstag Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft beantworten. Außerdem wollte die Verteidigung eine Erklärung abgeben. Stattdessen wurde der Tag über weite Strecken zu einer blassen Kopie des Prozessauftakts. Oberstaatsanwalt Helmut Fuhrmann ratterte noch einmal die Vorwürfe gegen den Manager herunter. Auch Middelhoff trug seine 84-seitige Erklärung noch einmal im Eiltempo vor.

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Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Middelhoff vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern zu Unrecht mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen und Hubschraubern, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise nicht dienstlich veranlasst waren. Middelhoff hatte die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag entschieden zurückgewiesen.

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