Fünf Jahre nach dem Ausverkauf Wer von der Schlecker-Pleite am stärksten profitiert hat

Im Juni 2012 begann der Ausverkauf bei der insolventen Drogeriekette Schlecker. Eine neue Marktanalyse zeigt nun, wer die Umverteilung des Schlecker-Geschäfts für sich nutzen konnten - und wer nicht.

Schlecker: Welche Drogeriemärkte in den letzten fünf Jahren zugewannen. Quelle: dpa Picture-Alliance

Die grellroten Schilder verheißen 30 Prozent Rabatt. Während Kunden tütenweise Waschmittel, Duschgel und Nagellack aus den Läden schleppen und sich die Regale schnell leeren, tippen die Verkäuferinnen die reduzierten Preise mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung in ihre Kassen.

Genau fünf Jahre ist es her, dass sich solche Szenen in den Märkten der Drogeriekette Schlecker abspielten. Kurz zuvor hatten die Gläubiger die Abwicklung des insolventen Unternehmens beschlossen. Der Ausverkauf des zeitweise größten Drogeriekonzerns Europas begann.

Nur ein paar Wochen dauerte der finale Schlussverkauf. Dann war Schlecker Geschichte – und im deutschen Drogeriemarkt begann eine gewaltige Umverteilung, deren Folgen bis heute spürbar sind. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen hat für die WirtschaftsWoche analysiert, wie sich die Schleckerpleite langfristig auf die Drogeriebranche ausgewirkt hat. Ein Resultat: Fünf Jahre nach der Schlecker-Havarie steht die Branche beim Umsatz besser da als je zuvor. Zwar hat sich die Anzahl der Geschäfte drastisch reduziert. Doch schon 2013 lagen die Branchenerlöse wieder auf dem Vor-Pleitenniveau. Doch wer konnte davon am stärksten profitieren und wie hat sich der Markt inzwischen sortiert?

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„Der Schlecker-Umsatz floss zum Großteil in Richtung der klassischen Drogeriemärkte. Supermärkte und Discounter profitierten deutlich weniger stark“, sagt Nielsen-Handelsexperte Fred Hogen. Das verwundert zunächst, waren es doch vor allem die großen Lebensmittelketten, die sich vom Schleckerende einiges versprochen hatten.

Mit Verve stürzten sich die Chefs von Edeka, Rewe, Lidl und Kaufland ins Geschäft mit Spüli und Schampoo, bauten ihre Deo- und Duschgel-Angebote aus und kreierten neue Eigenmarken, um die Schlecker-Kunden zu sich zu lotsen.

Doch das gelang nur zum Teil. „Zum einen dauerte es einige Zeit, bis die Lebensmittelhändler ihr Drogerieangebot ausgebaut hatten“, sagt Hogen. „Zum anderen schätzen die deutschen Konsumenten spezialisierte Anbieter – gerade im Drogeriebereich."

Stationen der Schlecker-Insolvenz

Die Folge: Vor allem für die beiden großen nationalen Player dm und Rossmann begann eine drogistische Sonderkonjunktur. Während der gesamte deutsche Einzelhandel seit 2008 auf ein überschaubares Umsatzplus von neun Prozent kommt, konnten dm-Chef Erich Harsch und Rossmann-Anführer Dirk Roßmann die Umsätze ihrer Unternehmen in Deutschland mehr als verdoppeln. Sie forcierten ihre Expansion im Inland und eröffneten reihenweise neue Standorte.

"Inzwischen ist der Schlecker-Effekt vorbei und damit auch die Zeiten zweistelliger Umsatzzuwächse im Drogeriebereich“, sagt Hogen. Trotzdem würden die Drogeriemärkte weiter deutlich schneller wachsen als der Lebensmitteleinzelhandel insgesamt.

Allerdings dürften sich die Wachstumsraten in den kommenden Jahren wohl annähern. Denn für Rossmann wie dm wird es immer schwieriger werden, neue Läden zu eröffnen, ohne bestehenden Filialen Umsatz abzuknöpfen. Es gibt für die beiden Händler schlicht keine weißen Flecken mehr in Deutschland. Allerdings sei dm weiter vor allem im Süden stark, während „Rossmann seinen Umsatzschwerpunkt im Norden Deutschlands findet“, sagt Hogen.

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