Fusion mit Kaufhof? Wie es bei Karstadt weitergeht

Nach dem Ausstieg von Nicolas Berggruen ist die Unsicherheit unter den Karstadt-Mitarbeitern groß. Die Erwartungen an René Benko sind hoch. Zudem gibt es neue Spekulationen über eine Fusion mit Konkurrent Kaufhof.

Wie geht es mit Karstadt weiter? Quelle: dpa

Nach dem Eigentümerwechsel bei Karstadt hat Aufsichtsratschef Stephan Fanderl ein zügiges Vorgehen bei der Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette angekündigt: „Es gibt viel zu tun, wir werden die nächsten wichtigen Schritte einleiten“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Durch den neuen Eigentümer herrscht nun endlich Klarheit.“ Bereits am kommenden Donnerstag will der Aufsichtsrat über eine Sanierungsstrategie beraten. Ein bis zwei Jahre veranschlage René Benko für den Umbau.

Bisweilen gehen die Spekulationen über die Zukunft des angeschlagenen Handelsriesen weiter. Die Gerüchte über eine Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof bekommen neue Nahrung. Für spätestens 2016, wenn Karstadt saniert ist, peilt Neu-Eigentümer Benko angeblich den Zusammenschluss zu einer großen Kette an. Der vermeintliche „Geheimplan“ Warenhaus AG soll laut "Handelsblatt" der große Schlussakt im Spiel des Investors sein.

Karstadts Krisen-Chronik


Gerüchte über einen Zusammenschluss der beiden Warenhaus-Riesen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Sie scheiterten am Kaufpreis oder an der Frage, welche Standorte erhalten bleiben sollten. Zuletzt stießen die Pläne vor allem bei Kaufhof auf wenig Gegenliebe. Im Vergleich zu Karstadt geht es der Warenhauskette der Metro-Gruppe nämlich deutlich besser. „Ein Zusammenschluss mit Karstadt würde Kaufhof in der Entwicklung drei Jahre kosten. Wir kommen sehr gut alleine zurecht“, sagte Kaufhof-Chef Lovro Mandac der WirtschaftsWoche noch im Winter. Interessant für eine Übernahme seien nur einzelne Standorte.

„Aber wir brauchen keine zweite Verwaltung, Logistik, IT und, und, und. Ich sehe da keine Möglichkeit, es sei denn, die Läden würden uns geschenkt“, so Mandac. Aber zu verschenken hat Benko wohl kaum etwas. Auch wenn der Österreicher die Warenhauskette für nur einen Euro gekauft hat, wird er Millionen in die Sanierung stecken müssen.

Angst vor Schließungen

In der Karstadt-Belegschaft wachsen derweil die Sorgen um die Überlebenschancen vieler Standorte. 20 der 83 Karstadt-Filialen gelten als defizitär. Sie stehen auf einer roten Listen. Wenn keine Chance besteht, die Häuser in die Gewinnzone zu bringen, sollen sie geschlossen werden. Attraktive Standorte sollen demnach in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern verwandelt werden.

Die Gewerkschaft Verdi hat vom neuen Karstadt-Eigentümer ein umfassendes Konzept für die Zukunft gefordert. „Es muss tragfähig, es muss nachhaltig sein. Es braucht eine Strategie. Dazu gehört: Wie müssen die Sortimente aussehen, wie sollen die Häuser an den einzelnen Standorten ausgerichtet sein, damit die Arbeitsplätze sicher sind“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag im Bayerischen Rundfunk.

Jetzt gehe es darum, „existenzsichernde Einkommen zu erhalten und den Menschen zur Verfügung zu stellen, existenzsichernde Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge“, so Nutzenberger weiter. Darüber werde man mit dem Eigentümer und dem Management nun reden.

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Die Karstadt-Beschäftigten sind nach ihren Worten vom bisherigen Besitzer Nicolas Berggruen „bitter enttäuscht“. Sie hätten erwartet, dass Berggruen „mit einer hohen Motivation und vor allen Dingen mit Geld bei Karstadt einsteigt, dass Investitionen vorgenommen werden.“ Das sei aber nicht in dieser Form geschehen.

Berggruen hatte in der „Bild“-Zeitung Fehler im Management von Karstadt eingeräumt, gleichzeitig aber Vorwürfe zurückgewiesen, sich am Unternehmen bereichert zu haben. Nach Einschätzung von Karstadt-Aufsichtsrat Arno Peukes hat Berggruen aber kräftig an dem maroden Warenhauskonzern verdient. "Berggruen hat mit Karstadt bisher 40 bis 50 Millionen Euro verdient“, sagte er gegenüber der WirtschaftsWoche

Mit Material von dpa

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