Galeria Karstadt Kaufhof Der Bund hat vor Galeria-Eigner Benko kapituliert

Passanten gehen an einem Karstadt-Kaufhaus in Magdeburg vorbei. Quelle: dpa

Der Bund will den dauerkriselnden Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof erneut mit Millionenhilfen stützen. Gerettet ist der Konzern damit noch lange nicht. Ein Kommentar.

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Galeria-Chef Miguel Müllenbach strotzte vor Optimismus: „Unser Cashbestand liegt über Plan“, jubelte der Warenhausmanager noch Ende September im Interview mit der WirtschaftsWoche. Es bestehe also keinerlei Anlass anzunehmen, sein Unternehmen hätte irgendwelche Schwierigkeiten mit der Rückzahlung eines staatlichen Coronahilfskredits über 460 Millionen Euro.

Nur vier Monate liegt Müllenbachs Ansage zurück, wirkt mittlerweile aber wie ein schlechter Scherz. Statt den Schuldenberg beim Steuerzahler abzutragen, wird Galeria ihn jetzt noch vergrößern: Man bräuchte bis zu 220 Millionen Euro zusätzlich und erwarte eine „wohlwollende Entscheidung“, tat Galerias Finanzchef im Dezember mit bemerkenswerter Chuzpe kund. Seither wird verhandelt. Am Dienstag schließlich hat der Bund kapituliert: Bei Galeria traf ein verbindliches Angebot des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes über eine stille Einlage in Höhe von 250 Millionen Euro ein.

Sicher, die Coronalage hat sich zugespitzt, Auflagen wie die 2G-Pflicht treffen den Einzelhandel ins Mark. Aber die Winter-Welle war absehbar und hätte vorbereitet werden müssen, etwa mit einer Aufholjagd im E-Commerce. Noch wichtiger: Bevor der Staat einspringt, steht Eigentümer René Benko in der Pflicht. Seine Immobilienfirma Signa ist nach eigner Darstellung bisher glänzend durch die Coronakrise gekommen. Glaubt Benko also noch an die Zukunft der Warenhäuser? Dann sollte er seine große Wette auch selbst bezahlen. 



Stattdessen verlangt der Bund von Benko nur einen mehr oder minder symbolischen Beitrag. Lediglich 15 Prozent des benötigten Kapitals soll die von Benko gegründete Signa-Gruppe beisteuern. Für den Österreicher ist das eine Rettung zum Schnäppchenpreis. Wobei "Rettung" ein recht dehnbarer Begriff ist. Dass die staatlichen Millionen mehr bewirken, als den Konzern weiter über Wasser zu halten, glaubt wohl niemand in der Branche. Für einen echten Kurswechsel bräuchte es Milliarden. Zu tief liegen die Probleme bei Galeria, zu veraltet ist das Geschäftsmodell. 

Unwahrscheinlich ist denn auch, dass Galeria die WSF-Mittel aus eigener Kraft je vollständig zurückzahlen kann. Bezeichnenderweise ist ein Teil der zusätzlichen Staatshilfen bereits für den Schuldendienst verplant: 30 Millionen Euro der neuen Hilfsgelder sollen dazu verwendet werden, mit der Tilgung der früheren Außenstände beim WSF zu beginnen. Das klingt mehr nach Schneeballsystem als nach durchdachten Hilfsmaßahmen.  

Lesen Sie auch, warum der Staat Galeria keinen Cent Staatshilfe mehr geben sollte.

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