Galeria Karstadt Kaufhof „Wir führen keinen Kasernenhof“

Kunden betreten die Filiale von Galeria an der Hauptwache in Frankfurt. Quelle: dpa

Das Galeria-Management bereitet die Mitarbeiter der Warenhauskette auf Einschnitte vor: Bei 90 der 131 Filialen gebe es Herausforderungen, sie dauerhaft profitabel zu betreiben. Auch die Führungskultur soll sich ändern.

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Galeria-Chef Miguel Müllenbach bereitet die rund 17.000 Mitarbeiter des Unternehmens auf Einschnitte im Zuge der Schutzschirm-Insolvenz vor. Bisher habe die Prämisse gegolten, dass die Corona-Belastungen nur temporärer Natur seien, sagte Müllenbach nach Informationen der WirtschaftsWoche in einem unternehmensinternen Podcast. Nun sei man zur Erkenntnis gelangt, „dass wir nicht wieder den Zustand von 2019 erreichen“ würden. 

Das zeige auch das diesjährige Weihnachtsgeschäft. Zwar gab es Zuwächse bei der Kundenfrequenz. Allerdings würden die Werte bei Galeria aber auch im gesamten Innenstadthandel noch immer rund 20 Prozent unter denen von 2019 liegen. „Darauf müssen wir reagieren“ und die Strategie „an die neuen Realitäten anpassen“, so Müllenbach. Das künftige Filialportfolio müsse „dauerhaft den veränderten Marktbedingungen“ standhalten. 

Dazu schaue sich ein Team um den Insolvenzexperten und Galeria-Restrukturierungschef Arndt Geiwitz die Filialperformance an. Zwischenergebnis laut Müllenbach: „Wir haben bei 90 Filialen Herausforderungen, um sie dauerhaft profitabel zu betreiben.“ Dabei spielten unterschiedliche Themen wie Sortiment, Umsatz, Miet- und Kostenbelastung eine Rolle. Auch der Gesamtbetriebsrat hatte kürzlich davor gewarnt, dass bis zu 90 der 131 Galeria-Filialen von Schließung bedroht seien. Ende Januar solle es zu einer „deutlich klareren Aussage“ kommen, welche Filialen betroffen sind, kündigte Müllenbach an. Er wies zugleich Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi zurück, es ginge dem Management nur um Einsparungen.

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell könne „nicht allein über Kostenoptimierung“ gelingen, so Müllenbach. Es gehe vielmehr um die Umsetzung des neuen Galeria-2.0-Konzepts. Im Kern unterscheidet es drei Warenhaustypen: Filialen in Metropolen, regionale Magnete und lokale Foren, die die Kunden mit unterschiedlichen Angeboten erreichen sollen. Die bereits neu ausgerichteten Filialen würden deutlich besser laufen, als noch nicht umgestellten Häuser, sagte Galeria-Finanzchef Guido Mager in dem Podcast. Sie hätten sich bewährt. Zusätzlich mache man sich Gedanken über lokalere Sortimente, mehr Service und Erlebnis in den Filialen, sowie die Qualifizierung und Schulung von Mitarbeitern, sagte Müllenbach. 

Entscheidung der Gläubiger im März

„Wir brauchen mehr Tempo bei der Modernisierung der Filialen“ sowie eine stärkere lokale Ausrichtung, betonte Olivier van den Bossche, der den Vertrieb führt. „Wir sind nicht schnell genug und auch nicht konsequent genug“ gewesen, so van den Bossche. Zudem müsse eine Führungskultur auf Augenhöhe etabliert werden. „Wir führen keinen Kasernenhof“, betonte der Vertriebschef. Das Schutzschirmverfahren gebe dem Unternehmen die Möglichkeit, mehr Finanzmittel in weniger Filialen zu investieren. 

Laut Unternehmenschef Müllenbach sollen die Gläubiger der Warenhauskette im März 2023 über den Sanierungsplan abstimmen. Bis dahin wolle das Management die Beteiligten überzeugen, dass Galeria eine Zukunft hat. Galerias Eigentümer, die österreichische Signa-Gruppe, habe signalisiert, dass er „auch nach vorne hin bereit ist, Geld in dieses Unternehmen reinzugeben, sofern wir eine Einigung mit den Gläubigern im März erreichen“, sagte Müllenbach. 

Unterdessen hat der Onlinehändler buero.de sein angebliches Angebot zur Übernahme von knapp 50 Filialen des angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof zurückgenommen. „Wir haben unser Angebot für die 47 Filialen in der Tat zurückgezogen“, sagte buero.de-Chef Markus Schön der „Deutschen Presse-Agentur“. Die Gerüchte über viel weitergehende Schließungen und die in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen für uns deutlich gewordene Konfliktlage führen zu veränderten Rahmenbedingungen, die für uns nicht akzeptabel sind“, teilte er mit. Das hätten die Gremien nach mehrstündigen Sitzungen entschieden.

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Tatsächlich war Schöns Vorstoß von Anfang an umstritten. „Der Investor verfügt über keine Erfahrung im stationären Handel. Es gibt auch noch keine Geschäftszahlen zu buero.de. Mir ist schleierhaft, wie das funktionieren soll“, hatte Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein im November gegenüber der WirtschaftsWoche gesagt. Schön selbst hatte sich bei Fragen zur Finanzierung seiner Pläne bedeckt gehalten.  

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