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Gegen die „Waffen-Epidemie“ Jeans-Ikone Levi’s legt sich mit Waffenlobby und Trump an

Levi’s legt sich mit Donald Trump und der Waffenlobby an Quelle: AP

Die Spannungen zwischen US-Unternehmen und der Politik wachsen. Während Nike Donald Trump durch eine Werbekampagne mit Colin Kaepernick verärgert, bezieht Levi’s bei einem anderen kontroversen Thema Stellung.

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In den USA wächst die Zahl der Unternehmen, die ihre politische Zurückhaltung aufgeben und sich mit eindeutigen Botschaften in das politische Geschehen im Land einmischen. Nahezu zeitgleich mit dem Sportartikelriesen Nike, dessen Werbekampagne mit dem ehemaligen Football-Star Colin Kaepernick weltweit für Aufsehen und reichlich Ärger beim US-Präsidenten Donald Trump sorgt, hat auch der Jeanshersteller Levi’s klar Position in einer der zahlreichen Kontroversen bezogen, die die Vereinigten Staaten in eine Spaltung treiben.

Der Vorstandschef des Konzerns aus San Francisco, Chip Bergh, kündigte eine Reihe von Initiativen an, mit denen das Traditionsunternehmen gegen Waffenbesitz und damit gegen die mächtige Waffenlobby NRA eintreten wird.

Dazu gehört, dass Levi’s sich der größten Waffenkontroll-Lobby „Everytown for Gun Safety“ anschließen wird, hinter der unter anderem der frühere New Yorker Bürgermeister und Medienunternehmer Michael Bloomberg steht. Ziel sei es, eine Koalition von Unternehmern und Managern zu schmieden, die der Auffassung seien, die Wirtschaft stehe in der Mitverantwortung und habe eine moralische Verpflichtung dazu, etwas gegen die „Waffen-Epidemie“ in den USA zu tun.

Levi’s-Chef Bergh kündigte zudem an, das Unternehmen werde eine Million Dollar in einen Fonds investieren, der jugendliche Anti-Waffen-Aktivisten und jene Gruppen unterstützen soll, die für ein Ende der mit Waffen verübten Gewalttaten in den USA eintreten. Levi’s-Mitarbeiter können zudem ab sofort jeden Monat fünf Stunden ihrer Arbeitszeit darauf verwenden, sich für gesellschaftliche Belange einzusetzen.

Bergh begründete die Initiative der Jeansmarke, die 1853 von einem deutschen Einwanderer gegründet worden war und längst eine weltweit bekannte Ikone der US-Wirtschaft ist, unter anderem mit den Sorgen seiner Kunden und der eigenen Mitarbeiter. Diese hätten sich bereits vor zwei Jahren besorgt über Kunden gezeigt, die mit Waffen die Läden der Marke besuchten. Tatsächlich habe sich bereits ein Kunde mit der eigenen Waffe selbst verletzt – beim Anprobieren einer Jeans.

Levi’s hatte daraufhin in einem offenen Brief Waffenbesitzern quasi Hausverbot erteilt – weder in den Läden noch einem anderen Levi’s-Gebäude seien künftig noch Waffen erwünscht. Die damalige Entscheidung hatte in den Reihen der Waffenlobby NRA für Aufregung und Wut gesorgt.

Levi’s-Chef Bergh unterstrich aber nun, dass dem Unternehmen bewusst sei, dass seine Position für Kontroversen sorgen werde. Doch man stehe dazu, verstärke seine Bemühungen und stelle sich hinter jene Menschen, die sich für die Waffenkontrolle einsetzen: „Obwohl nicht jeder mit dieser Entscheidung einverstanden war, sind wir standhaft geblieben, weil wir uns nicht davon abschrecken lassen, für eine gute Sache einzutreten.“

Boykott-Aufrufe gegen Levi’s

Ähnlich wie im Falle des Sportkonzerns Nike reagierten zahlreiche Kunden mit teils hasserfüllten Kurzbotschaften in den sogenannten sozialen Medien. Die NRA befeuerte die Kritiker und sagte, Levi’s habe öffentlich Position bezogen gegen die US-Verfassung, die das Tragen von Waffen erlaube.

Ähnlich wie bei Nike gibt es auch bereits Boykott-Aufrufe gegen die Produkte der Jeansmarke. Bei Twitter riefen einzelne dazu auf, Levi’s ähnliche „Schmerzen“ zuzufügen wie im Falle von Nike.

Einzelne Kunden hatten Turnschuhe und Shirts des weltgrößten Sportkonzerns verbrannt und kurze Videos davon bei Twitter und auf anderen Plattformen verbreitet. Auch US-Präsident Trump, der zuvor mit zahlreichen Kurznachrichten und teils üblen Beleidigungen der protestierenden Football-Spieler das Thema immer wieder hochgekocht hatte, hatte sich zu der Levi’s-Kampagne zu Wort gemeldet. Nike, so Trump, habe mit der Kaepernick-Kampagne eine „schreckliche Nachricht“ gesendet.

Die Nike-Spitze rund um Vorstandschef Mark Parker dürften die Aufregung um ihren Schritt ebenso einkalkuliert haben wie auch Levi’s-Manager Bergh. Damit wächst die Zahl jener US-Unternehmen, die sich offen gegen den Kurs des US-Präsidenten stellen. Trump gilt als Fürsprecher der lockeren Waffengesetze in den USA und trat selbst schon bei Veranstaltungen der Waffenlobby NRA auf.

Am weitesten ging bislang das Outdoor-Unternehmen Patagonia, dessen legendärer Gründer Yvon Chouinard sogar Klage gegen Trump eingereicht hat. Trump hatte im Frühjahr die umstrittene Entscheidung getroffen, den Schutz eines bedeutenden Naturschutzgebietes im Bundesstaat Utah teilweise aufzuheben.

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