Geisterbahn und Glühwein Weihnachtsmärkte mit Kirmesflair

Vor allem kleinere Volksfeste ziehen weniger Besucher an. Wenn die Kirmes- und Jahrmarktsaison zu Ende geht, ziehen daher immer mehr Schausteller auf die Weihnachtsmärkte.

In Spendierlaune - Weihnachtsmärkte ziehen immer mehr Besucher an Quelle: Dominik Asbach für WirtschaftsWoche

Die schweren Lederbügel senken sich langsam über den Köpfen der Kinder, die sich voller Erwartung auf den kommenden Nervenkitzel in die Sitze pressen. Laute Hip-Hop-Musik dröhnt aus den Boxen, in grellen Farben blinken und blitzen die Lichter an den Stahlkonstruktionen. Es riecht nach gebrannten Mandeln, Popcorn und Bratwürsten. Dann beginnt der 23 Meter lange Stahlstab, um dessen Ende herum die 16 Besucher sitzen, hin- und herzuschwingen. Er schwingt höher und höher, das Gekreische wird immer lauter, bis er sich schließlich einmal in die Vertikale stellt und die Adrenalinsüchtigen über Kopf durch die Luft wirbelt und dabei noch einmal um sich selbst dreht.

Besitzer Ronny Langenberg sitzt unten in seinem Häuschen auf der Haaner Kirmes in der Nähe von Düsseldorf, kontrolliert die Fahrt des „Salto Mortale“ und spornt seine Fahrgäste laut über das Mikrofon an: „So, wie schaut’s aus, könnt ihr noch, und wollt ihr noch“, bevor er sie ein weiteres Mal über Kopf durch die Luft schleudern lässt. Vor Kurzem hat der 29-Jährige den „Salto Mortale“ allerdings für einige Monate im Lager eingemottet und verkauft jetzt Crèpes auf den Weihnachtsmärkten in Bochum und Mülheim.

Das sind die schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands
Um echte Weihnachtsmarktstimmung zu genießen, sollte man nach einer aktuellen Studie nach Süddeutschland fahren. Die festlichsten und weihnachtlichsten Märkte gibt es nach der Studie nämlich in Städten wie Wiesbaden , Mainz, Heidelberg und Karlsruhe (Foto). Das hat eine von Studenten der FH Südwestfalen in Hagen durchgeführte Befragung unter mehr als 5000 Weihnachtsmarkt-Besuchern ergeben. Dabei durften mehrere Weihnachtsmärkte genannt werden, insgesamt kamen 13.000 Bewertungen zusammen. Quelle: Handelsblatt Online
Auch in der bayrischen Hauptstadt München wird es ab dies Wochenende weihnachtlich. Dann eröffnet der traditionelle Christkindlmarkt auf dem Marienplatz. Zahlreiche Marktstände bieten Spielzeug und Kunsthandwerk, Kerzen und Keramik, Glühwein und Lebkuchen an. Wer den Lichterketten folgt, wird auch seinen Weg zu dem wohl größtem Kripperlmarkt Deutschlands. Dort können Besucher von der Laterne bis zum Stall alles ersteigern, was zu einer Krippe gehört. „Am bekanntesten sind zwar die Märkte in München, Nürnberg, Stuttgart, Hamburg und Köln, doch zu den Spitzenreitern in Sachen Weihnachtlichkeit und Gemütlichkeit gehören sie nicht“, sagt Studienleiter Professor Gunther Bamler. So schneidet auch der Münchener Markt nur mittelmäßig ab. Viele Besucher empfinden ihn als zu hektisch. Quelle: dapd
Einen guten Ruf hat auch der Weihnachtsmarkt in Leipzi. Seine Geschichte reicht bis in das Jahr 1767 zurück. Mit seinen rund 250 Ständen auf dem Leipziger Marktplatz ist er einer der größten und schönsten Weihnachtsmärkte in Deutschland. Laut Bamler werden Veranstaltungen auf Plätzen mit geschlossener Bebauung als gemütlicher empfunden. „Wenn dann noch ein festlich beleuchteter Dom oder ein Rathaus dabei ist, ist es perfekt.“ Auch der Aufbau der Buden sei wichtig. „Wenn die Budengasse zu breit ist, kommt keine Stimmung auf.“ Zu eng könne es hingegen - abgesehen von Sicherheitsaspekten - nicht sein. Quelle: dpa/dpaweb
Dortmund bietet seit Jahren traditionell einen rund 45 Meter hohen Weihnachtsbaum. Der gigantische Nadelbaum besteht aus 1700 Rotfichten. Ganze 48.000 LED-Lämpchen den nadelnden Koloss mit überdimensionalem Christbaumschmuck. Gerade für die Innenstädte sind Weihnachtsmärkte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Zwischen 20 und 30 Euro gibt der durchschnittliche Besucher auf dem Weihnachtsmarkt aus“, sagt Bamler. Doch es gebe auch Ausreißer: In Dortmund werden durchschnittlich nur knapp elf Euro ausgegeben. Dafür könnten die umliegenden Geschäfte aber noch mit fast 100 Euro Umsatz pro Weihnachtsmarkt-Besucher rechnen. Quelle: dpa
Berlins größter Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt zählt rund 250 Stände in der Woche und über 400 an den Wochenenden. Für Unterhaltung sorgen die verschiedenen Bühnenprogramme auf dem Marktplatz und dem Reformationsplatz an der Nikolai Kirche. Auf dem dazugehörigen Mittelaltermarkt sind zudem die Narren los, samt Feuerrädern oder Dudelsäcken. Wer in Berlin die Weihnachtsstimmung genießen will, kann dies aber auch an vielen anderen Orten der Stadt tun. Laut der Studie bilden die Berliner Märkte den Spitzenreiter in Sachen Erlebnis und den Weihnachtsmarkt mit dem besten Angebot. Allerdings gebe es hier auch das unfreundlichste Personal, sagt Bamler – typisch Berlin eben, möchte man sagen. Quelle: dpa
Am freundlichsten bedient fühlten sich die Besucher in Gelsenkirchen, Zwickau und Konstanz. Der Markt in Gelsenkirchen belegte bei der Untersuchung allerdings auch jeweils den ersten Platz als kommerziellster und langweiligster Markt. Quelle: Handelsblatt Online
Der Dresdner Striezelmarkt ist einer der ältesten Deutschlands. In diesem Jahr lädt er auf dem Dresdner Altmarkt das 578. Mal zum Bummeln ein. Dort präsentieren Schausteller unter anderem Töpferhandwerk - die erzgebirgische Volkskunst - und das Bäckerhandwerk mit dem traditionellen Dresdner Christstollen. Quelle: dpa

Wie für Langenberg werden die glitzernden bunten Buden für viele Schausteller immer wichtiger. Fast die Hälfte gibt an, dass die Bedeutung der Weihnachtsmärkte für sie stark gestiegen ist. Das zeigt eine aktuelle Studie der Kölner ift Freizeit- und Tourismusberatung im Auftrag des Deutschen Schaustellerbundes (DSB).

Die zehn Städte mit den meisten Weihnachtsmarktbesuchern

Doppelt aktiv

Danach sind inzwischen 90 Prozent der knapp 5.000 Schaustellerunternehmen in Deutschland im Dezember zusätzlich mit Ständen auf den rund 1.450 Weihnachtsmärkten vertreten, neben kleinen Karussells vor allem mit Gastronomiebetrieben. Sie verkaufen Glühwein oder Bratwürste an die Besucher, die sich zwischen Engelsfiguren aus dem Erzgebirge und handgezogenen Bienenwachskerzen in Weihnachtsstimmung bringen möchten.

Grund dafür ist die Schwäche im traditionellen Geschäft: Nur noch 150 Millionen Menschen vergnügten sich in diesem Jahr auf den rund 10.000 Volksfesten zwischen Kiel und Konstanz, schätzt der DSB. Im Jahr 2000 waren es noch 170 Millionen. Setzte die Branche damals allein auf den Volksfestplätzen 3,5 Milliarden Euro um, waren es zuletzt nur noch 2,45 Milliarden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%