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Gericht stimmt zu Loewe kann sich unter Schutzschirm sanieren

Die Justiz gibt grünes Licht: Geschützt vor Gläubigerforderungen kann das Loewe-Management die Rettung der Traditionsmarke versuchen. Vorstandschef Matthias Harsch ist zuversichtlich - man sei die Altlasten nun erst einmal los.

Die Evolution der Loewe-Produkte
Erster Loewe-FernseherDer erste Loewe-Fernseher kam 1931, acht Jahre nach der Gründung des Unternehmens durch Siegmund und David L. Loewe auf den Markt. Quelle: Loewe AG
Der TV-Hersteller gehört zu den „letzten Mohikanern“ der europäischen Elektronikkonzerne. Das deutsche Traditionsunternehmen lässt im Gegensatz zur Konkurrenz nicht in China fertigen, sondern ausschließlich in Kronach in Oberfranken. Siegmund Loewe (links) und der Physiker Manfred von Ardenne (rechts) arbeiteten eng an bei der Entwicklung neuer Geräte zusammen (1928). Quelle: Loewe AG
Ortsempfänger „OE333“Noch bevor Loewe ins Fernsehgeschäft einstieg, wurde seit 1926 der Loewe Ortsempfänger „OE333“ produziert. Er lief mit einer Dreifachröhre, die der Physiker Ardenne mitentwickelte. Quelle: Loewe AG
„Optaphon“1950 kam dann das „Optaphon“, das erste Kassetten-Tonbandgerät, auf dem Markt. Zwischenzeitlich waren während der Zeit des Nationalsozialismus die Gründungsbrüder aus dem Unternehmen ausgeschieden und in die USA geflohen. Quelle: Loewe AG
„Iris“Im Jahr 1951 stellte Loewe den Fernseher „Iris“ vor. Quelle: Loewe AG
„Optaport“Eine Besonderheit stellte im Jahr 1963 der „Optaport“ dar. Es war der erste tragbare Fernseher überhaupt. Die Bildschirmdiagonale betrug 25 cm und dank eines eingebauten UKW-Moduls konnte man auch Radio hören. Quelle: Loewe AG
„Art 1“Mit dem „Art 1“ führte Loewe im Jahr 1985 eine ganz neue Generation von Fernsehern ein, die unter anderem auf besonders große Lautsprecher setzten und ein völlig neues Designkonzept verfolgten. Quelle: Loewe AG

Ohne Ballast will sich der schwer angeschlagene TV-Hersteller Loewe vor dem Aus retten. „Das Schutzschirmverfahren hat den Vorteil, das Unternehmen bilanztechnisch von Altlasten zu befreien“, sagte Vorstandschef Matthias Harsch am Mittwoch im oberfränkischen Kronach. „Diese Möglichkeit ist auch Sinn des Verfahrens. So können wir für einen Investor, der den Blick auf die Zukunft lenkt, interessant werden“ Dazu gehören beispielsweise Pensionsrückstellungen von 40 Millionen Euro und langfristige Verbindlichkeiten. Das Amtsgericht Coburg hat das Schutzschirmverfahren für das Unternehmen gebilligt. Das Verfahren sei in die Wege geleitet, vorläufige Sachwalter seien benannt worden, sagte ein Justizsprecher.
Das Kronacher Unternehmen hatte am Dienstag Gläubigerschutz beantragt. Loewe kann dabei versuchen, sich unter gerichtlichem Schutz zu sanieren - und wird weiter von seinem Management geführt. Loewe steckt tief in den roten Zahlen, zuletzt hatte das Minus die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Die Rettung will das Unternehmen nun mit einem Investor versuchen.

Mehr "smartes" Fernsehen

„Das Sanierungskonzept ist schon weit vorangeschritten, die Eckpfeiler sind schon definiert worden“, sagte Harsch. „Wir nutzen die Zeit nun, um die Zusammenarbeit mit einem strategischen Partner und Investor auf die Zielgerade zu bringen.“ Das Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Premiumgeräten spezialisiert hat, will sich nun breiter aufstellen, wie der Vorstandschef betonte: „Ich glaube an die Marke Loewe und an das Potenzial der Marke. Bei der Restrukturierung haben wir die richtigen Themen angepackt.“

Unter anderem sollen Synergien mit einem strategischen Partner bei Einkauf, Produktion, Entwicklung und Vertrieb ermöglichen, verstärkt Geräte auch im Einstiegsbereich der Premiummarke anzubieten. Zu deutsch: Loewe will deutlich günstigere Geräte ins Programm nehmen. In der Mitteilung heißt es außerdem, man wollte sich stärker im "Smart Entertainment" positionieren - also der Verknüpfung von Internetdiensten, Apps, Musikdateien und TV über das heimische Fernsehgerät. "Dabei soll die Marke in Verbindung mit einer neuen Preisstrategie zügig repositioniert werden."

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