WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gerry-Weber-Insolvenz Verhandlungen mit einer „guten Handvoll Interessenten“

Exklusiv
Ein Monteur hängt ein Schild mit dem Schriftzug «Gerry Weber» an einer geschlossenen Filiale der Modemarke ab. Quelle: dpa

Der insolvente Modehändler Gerry Weber ist auf Investorensuche. Man nähere sich der „entscheidenden Phase“, sagt Unternehmenschef Christian Gerloff.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Gerry Weber-Chef Johannes Ehling zeigt sich optimistisch, das Damenmodeunternehmen im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung retten zu können. „Wir haben eine Marke anzubieten, deren Bekanntheitsgrad bei 89 Prozent liegt“, sagte Ehling der WirtschaftsWoche. Zudem habe Gerry Weber eine Zielgruppe, die wachse und um die es relativ wenig Wettbewerb gebe. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, den gesunden Kern herauszuschälen“, so Ehling.

Zur Zeit ist das Unternehmen auf Investorensuche. „Wir verhandeln mit einer guten Handvoll Interessenten und nähern uns der entscheidenden Phase“, sagt Christian Gerloff, der die Sanierung des Unternehmens als Generalbevollmächtigter unterstützt. „Ende Juni sollen die Verträge idealerweise unterschrieben sein, spätestens Mitte Juli.“ Zu den Bietern zählt auch die Familie von Unternehmensgründer Gerhard Weber.

Sein Sohn, Ex-Unternehmenschef Ralf Weber, hatte zuletzt öffentlich Aufsichtsrat und Vorständen eine Mitschuld am Absturz des Modeunternehmens gegeben. „Aus Unternehmenssicht lief das alles sehr ungünstig“, erklärte Ehling dazu. Letztendlich müssten aber die Gläubiger beurteilen, welches Investorenkonzept wirtschaftlich tragfähig ist. „Ob der öffentliche Schlagabtausch dabei geholfen hat, wage ich zu bezweifeln“, so Ehling.

Nach der Schließung von knapp 150 Filialen bis zum Jahresende soll künftig nur noch die Hälfte des Umsatzes aus eigenen Läden stammen. „Bei den Mietkosten bringt uns das eine Einsparung im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“, sagt Gerloff. Bei den Personalkosten liege die Einsparung bei „einer kleinen, zweistellige Millionen-Euro-Summe“. Im Fall eines Verkaufs dürften die Aktionäre von Gerry Weber indes leer ausgehen. Sie bekämen nur Geld, wenn zuvor die Forderungen aller Gläubiger vollständig befriedigt worden sind. „Dass wir bei Gerry Weber die Gläubiger zu hundert Prozent befriedigen können, sehe ich nicht“, sagte Gerloff. Bewegungen des Aktienkurses bezeichnete er als „wilde Spekulationen ohne jede Substanz“.

Im deutschen Modehandel zeichnen sich weitere Unternehmenskrisen und Pleitefälle ab. „Es gibt schlicht viel zu viel Ware im Markt“, sagt Ehling. Zudem würden teure Mietverträge, der wachsende Onlinehandel und die abnehmende Kundenfrequenz in den Innenstädten den stationären Modehandel belasten. Gerry Weber hatte im Januar Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. „Gerry Weber wird sicher nicht der letzte Insolvenzfall sein“, sagte Christian Gerloff, der die Sanierung des Unternehmens als Generalbevollmächtigter unterstützt. Die gesamte Branche stehe „vor einem riesigen Umbruch und mitten in einer Branchenkrise“, so Gerloff.

Sie lesen eine Exklusivmeldung der WirtschaftsWoche. Das vollständige Interview finden Sie hier. Digitalpass-Nutzer lesen kostenlos.

Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die aktuelle Ausgabe bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%