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Gerüchte um Zerschlagung Douglas soll eins bleiben

An den Gerüchten um eine Zerschlagung von Douglas ist nichts dran. Das versicherte Konzernchef Kreke auf der Hauptversammlung. Buchhändler Thalia soll neu aufgestellt werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Douglas Holding AG, Henning Kreke, erzürnte mit seiner Informationspolitik die Kleinaktionäre der Duftkonzerns. Quelle: dpa

Mit seiner Äußerung schob Henning Kreke den Gerüchten der vergangenen Tage einen Riegel vor. Sie waren aufgekommen, nachdem die Familie Kreke als Aktionär der Gruppe angekündigt hatte, es gebe Überlegungen, Douglas von der Börse zu nehmen. Dabei stand vor allem die Thalia auf dem Prüfstand.

Thalia-Miteigentümer bietet Anteile feil

Die zum Konzern gehörende angeschlagene Buchhandelskette soll nun neu aufgestellt werden. Das werde ein zäher Weg, den der Thalia-Miteigentümer Jürgen Könnecke nicht mitgehen wolle, sagte Kreke. Seinen 25-Prozent-Anteil habe er Douglas zum Kauf angeboten. Ob Douglas annimmt, steht noch nicht fest.

Wie Thalia da steht

Kritik an "Familienklüngel"

Indessen drohte die Fondsgesellschaft Union Investment dem Douglas-Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Die Kleinanleger kritisieren die Besetzung von Aufsichtsrats- und Vorstandschef. „Wie soll der Aufsichtsratschef den Vorstandschef wirksam kontrollieren, wenn es sich um Vater und Sohn handelt, die die Aktionärsinteressen der Familie Kreke widerspiegeln“, fragte Portfoliomanager Ingo Speich vor rund 1000 Douglas-Aktionären.

Die Douglas-Welt in Zahlen
Die Douglas-Bilanz 2011 Quelle: Pressebild
Parfümerie Douglas Quelle: Pressebild
Buchhändler Thalia Quelle: Pressebild
Juwelier Christ Quelle: Pressebild
Modehaus Appelrath-Cüpper Quelle: Pressebild
Confiserie Hussel Quelle: Pressebild
Über 100 Jahre Geschichte bei Douglas Quelle: dpa

„Wir sehen einen massiven Interessenkonflikt zwischen Aufsichtsrat, Management und den Aktionären“, sagte Speich. Ein solcher „Familienklüngel“ stehe im Gegensatz zu den Grundsätzen guter Unternehmensführung, wetterte Speich. Douglas-Chef Henning Kreke entgegnete, die Familie sei sich von Anfang an „des Interessenkonflikts zwischen unserer Rolle als „Familie Kreke' und als „Organe der Gesellschaft' sehr wohl bewusst“ gewesen. Sie habe deshalb Schritte eingeleitet, um einen solchen Konflikt zu vermeiden. So habe er sich an Vorstandsbeschlüssen, die im Zusammenhang mit Überlegungen der Familie standen, nicht beteiligt.

Alles ungelegte Eier

Hintergrund der Kritik der Kleinaktionäre sind Überlegungen der Familie Kreke, ihren Anteil an Douglas aufzustocken und den Konzern letztlich mit der Hilfe von Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen.

Die wichtigsten Douglas-Aktionäre

Die Planspiele waren durch eine Indiskretion bekannt geworden. Benner-Heinacher von der DSW sagte, bislang sei noch kein Konzept der Familie Kreke für einen Rückzug von der Börse bekannt. „Es klingt eigentlich alles ein wenig nach ungelegten Eiern“, betonte sie, hinter den Überlegungen gebe es „sehr viele Fragezeichen“. „Über die desaströse Informationspolitik der letzten Wochen sind wir bestürzt“, kritisierte Speich. Eine weitere Unbekannte in den Planspielen der Familie Kreke ist das Verhalten des Großaktionärs Erwin Müller.

Müller schweigt sich aus

Der Drogerieunternehmer schweigt sich bislang beharrlich über seine Pläne aus. Erwin Müller besitzt zehn Prozent der Douglas-Aktien und hat sich Optionen über weitere 15 Prozent an Douglas gesichert. Übt er sie aus, kontrolliert er mehr als 25 Prozent der Stimmrechte und hätte damit eine Sperrminorität. Damit könnte er die Pläne der Krekes durchkreuzen.

Der 79-jährige Firmen-Patriarch war überraschend zur Aktionärsversammlung gekommen und hatte zwischen den Kleinaktionären Platz genommen. Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte ihn auf: „Herr Müller, kommen Sie hier hoch, erklären sie, was sie eigentlich vorhaben!“ Die Kleinaktionäre wollten nicht der Spielball von zwei Aktionärsgruppen sein, sagte sie. Doch Müller blieb wortkarg: „Es gibt nichts zu sagen".

Die Debatte um eine Übernahme von Douglas kommt für die Aktionäre zur Unzeit. Die Buchhandelstochter Thalia befinde sich in einer Existenzkrise, die den Gesamtkonzern bedrohe, sagte Speich.

Konzernchef Henning Kreke hatte zuvor erklärt, die Aktionäre müssten sich im laufenden Geschäftsjahr wegen der Kosten der Thalia-Sanierung darauf einstellen, dass der Konzern beim Ergebnis Federn lassen müsse. Dies werde auch Auswirkungen auf die Dividende haben - „bis hin zur Aussetzung“.

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