Gewinn geschrumpft Bertelsmann stellt Umsatzziele in Frage

Die Probleme der RTL Group schlagen sich auf Bertelsmann nieder. Der Überschuss brach um knapp 40 Prozent ein. Auch für das Gesamtjahr erwartet Bertelsmann nun einen leichten Rückgang.

Bertelsmann verdient weniger Quelle: dpa

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat bei der Vorlage der Halbjahreszahlen die Umsatzziele von Europas größtem Medienkonzern in Frage gestellt. Hatte Rabe im Frühjahr noch einen Erlös in Höhe von 17,3 Milliarden Euro für 2015 und einen Umsatz in Höhe von 20 Milliarden Euro für das Jahr 2017 in Aussicht gestellt, relativierte der Vorstandschef diese Zahlen am Freitagvormittag nun ziemlich deutlich.

Rabe begründete dies einerseits damit, dass einzelne Geschäftsbereiche des Gütersloher Konzerns Unternehmen verkauft haben. So trennte sich Gruner + Jahr vom US-Drucker Brown Printing und dem Fachverlag Entertainment Media. Allein Brown Printing stand für einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Der Drucker hat aber nach einer internen Mitteilung „keine strategische Relevanz“ mehr für das angeschlagene Verlagshaus, das vor wenigen Tagen ankündigte, allein in Deutschland ein Sechstel seiner 2400 Arbeitsplätze abbauen zu wollen.

Geschichte von Bertelsmann

Andererseits verwies Rabe auf die Entwicklung in den einzelnen Märkten, die angesichts etwa der Krise in der Ukraine schlechter dastünden als noch im Frühjahr erwartet. Damit habe die „Anzahl der Risiken“ deutlich zugenommen.

Den wegfallenden Umsatz durch Zukäufe auszugleichen beziehungsweise zu steigern hat Rabe derzeit nicht vor – dazu seien die Bewertungen möglicher Kaufziele derzeit viel zu hoch, Rabe sprach von „Preisinflation“ und „Anomalien an den Kapitalmärkten“. Für ihn habe „Disziplin bei Investitionen“ und die „Werterhöhung bereits abgeschlossener Investitionen“ derzeit absoluten Vorrang vor „Umsatzwachstum um jeden Preis“.

Jüngsten Spekulationen, Bertelsmann wolle sich nun Gruner + Jahr vom Hals schaffen und das Verlagshaus verkaufen, widersprach Rabe deutlich: „diese Spekulationen haben absolut keine Grundlage“, sagte der Bertelsmann-Chef, die Gütersloher hätten keine Absichten, Gruner + Jahr zu verkaufen.

Gleiches gelte für den TV-Produktionsbereich Fremantle Media und dessen deutsche Tochter Ufa. Das Geschäft liege zwar im ersten Halbjahr unter dem Vorjahreswert, weil vor allem die Castingshows im TV längst nicht mehr so erfolgreich sind. Aber Bertelsmann halte auf jeden Fall an dem Geschäft fest – vor allem auch, weil der Konzern durch die Entwicklung auf dem TV-Markt, wo mit Netflix im kommenden Monat ein weiterer Konkurrent zu Bertelsmanns RTL auf den deutschen Markt kommen wird, weitere Absatzmöglichkeiten für seine Produktionen erwartet.

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Bertelsmann hatte im ersten Halbjahr den Umsatz weiter gesteigert, aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger verdient. Das Konzernergebnis liegt nach den ersten sechs Monaten bei 254 Millionen Euro, der Umsatz stieg um knapp sieben Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2013 hatten die Gütersloher noch einen Gewinn von 419 Millionen Euro bei einem Umsatz von 7,4 Milliarden Euro verbucht.

Als Grund für das schlechtere Ergebnis nannte Rabe Sondereffekte von rund 183 Millionen Euro, die sich 2013 positiv ausgewirkt hatten. Dieses Jahr belastet eine Wertberichtigung der RTL Group in Ungarn über 88 Millionen Euro das Ergebnis. Grund dafür ist vor allem eine von der ungarischen Regierung eingeführte Werbesteuer, gegen die Bertelsmann derzeit rechtliche Schritte prüft.

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