GfK-Konsumprognose Jobwunder hält Verbraucher in Kauflaune

Die Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland dürften 2013 laut GfK-Prognose um ein Prozent steigen. Im vergangenen Jahr hatte der private Konsum nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts um 0,8 Prozent zugelegt.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
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Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Die zentrale Rolle für die gute Konsumlaune spiele dabei laut GfK der Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahresdurchschnitt 2012 rund 2,9 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das ist der niedrigste Stand seit 1991. Das Ausmaß des deutschen Jobwunders offenbare sich bei einem Vergleich mit den europäischen Nachbarn. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau des Jahres 2007 sank nur in Deutschland die Zahl  der Arbeitslosen. Während in Deutschland ein Drittel weniger Arbeitslose zu verzeichnen sind, stieg deren Zahl im europäischen Durchschnitt um fast 50 Prozent. In Spanien, Irland legte sie um mehr als 200 Prozent zu und Griechenland hat mit einem Anstieg von knapp 170 Prozent zu kämpfen.

Auch die Lohnentwicklung stehe laut GfK unter positiven Vorzeichen, bei einer weiterhin moderaten Inflationsrate. „Die Euro- und Staatsschuldenkrise ist zwar nicht gelöst, aber die Finanzmärkte konnten beruhigt werden. Hier ist weiter entschiedenes Handeln gefragt, damit sich die Unsicherheiten nicht wieder verstärken“, sagt GfK-Chef Matthias Hartmann. Der Trend zu werthaltigen Anschaffungen sei ungebrochen. Einerseits begünstigt durch niedrige Spar- und Darlehnszinsen, anderseits aber auch gefördert durch die Sorgen der Verbraucher um die Zukunft des Euros. Für das Jahr 2013 prognostiziert die GfK auf dieser Basis eine Steigerung des privaten Konsums um real 1,0 Prozent. Damit liefern die Verbraucher in Deutschland erneut einen stabilen Beitrag zur Binnenkonjunktur.

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Beflügelt durch die positive Lage am Arbeitsmarkt gehen die Deutschen davon aus, dass ihre Einkommen in nächster Zeit steigen werden. Die gefühlte Jobsicherheit gibt den Verbrauchern auch ausreichend Planungssicherheit für größere Anschaffungen. Gleichzeitig sind Spar- und Darlehenszinsen auf historisch niedrigem Niveau. Hiervon profitiert vor allem der Immobilienbereich, der den Verbrauchern als sicherer Hort für ihre Ersparnisse gilt. Laut einer Schätzung des ifo-Instituts stieg die Zahl der Wohnungsbaufertigstellungen im letzten Jahr um rund 17 Prozent an.

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Während Immobilien boomen, ist die Entwicklung im deutschen Handel durchwachsen. Laut GfK-Berechnungen legte der Umsatz im Lebensmittelhandel und den Drogeriemärkten im Jahr 2012 nominal um 2,2 Prozent auf rund 160 Milliarden Euro zu. Gewinner waren die Lebensmittelvollsortimenter, die ihren Umsatz um 4,7 Prozent steigerten. Die Discounter wiesen mit einem Plus von 2,4 Prozent eine stabile Entwicklung auf. Das Gesamtwachstum wurde durch höhere Preise erzielt, die verkaufte Menge

Damit bleibt der Konsum eine wichtige Stütze der Binnenkonjunktur. Angesichts niedriger Zinsen und Befürchtungen um die Zukunft des Euro liegen bei den Verbrauchern werthaltige Anschaffungen im Trend. Für den Handel sind moderate Zuwächse zu erwarten. Die deutschen Verbraucher gehen mit positiver Stimmung ins Jahr 2013.  Alle Indikatoren des GfK-Konsumklimas weisen zum Jahresanfang nach oben. Obgleich die wirtschaftliche Entwicklung im Winter 2012 deutlich gebremst wurde, scheint aus Sicht der Verbraucher ein Wendepunkt erreicht.

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