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Großteil der Arbeitsplätze wären gerettet Baumarktkette Hellweg vor Zuschlag für Max Bahr

Die Dortmunder Baumarkt-Kette Hellweg hat die besten Chancen auf die Übernahme des insolventen Konkurrenten Max Bahr. Damit könnten 4000 der rund 7000 Arbeitsplätze bei Max Bahr gerettet werden.

Das sind die besten Baumärkte Deutschlands
Das Deutsche Institut für Service-Qualität hat neun große Baumarktketten anhand von 108 verdeckten Testbesuchen auf Herz und Nieren geprüft: Wie sind die Wartezeiten, wie kompetent und freundlich sind die Angestellten, wie umfangreich ist das Sortiment? Praktiker belegte vor seiner Insolvenz Platz neun. Besonders die Kompetenz der Mitarbeiter sei zu bemängeln gewesen, urteilten die Testkäufer. Die Beratung sei zu oberflächlich und die Mitarbeiter wenig motiviert. Insgesamt machten die Mitarbeiter bei jedem fünften Testbesuch falsche Angaben oder wiesen nicht auf Gefahren hin - etwa bei der Verlegung eines Starkstromanschlusses. Quelle: dpa
Am schlechtesten schnitten die Mitarbeiter der Firma Hornbach ab. Dafür überzeugte Hornbach mit einem sehr großen Angebot. "Kunden können aus vielen Produktgruppen, Herstellermarken, Größen und Farben wählen. Und es gab in großem Maße Aktionsangebote", kommentiert Serviceexpertin Bianca Möller, Geschäftsführerin des Marktforschungsinstituts. Insgesamt reichte es somit für Platz acht. Quelle: AP
Die Qualität von Service und Beratung wurde anhand von jeweils zwölf verdeckten Besuchen in verschiedenen Filialen der neun Unternehmen analysiert. Im Fokus der Analyse standen die Kompetenz und Freundlichkeit der Mitarbeiter, die Gestaltung und die Sauberkeit der Räumlichkeiten, das Angebot sowie die Warte- und Öffnungszeiten. Mitarbeiter der Firma Hagebau haben sich bei der Beratung der Kunden nicht mit Ruhm bekleckert. Die Beratung war oft oberflächlich und der Umgang mit Beschwerden ließ zu wünschen übrig. Bei Hagebaumarkt reichte es für Platz sieben. Quelle: Screenshot
Die meisten Heimwerkermärkte, wie auch die Globus Baumärkte, überzeugten durch saubere Räumlichkeiten, ausreichende Parkmöglichkeiten und viele Zusatzservices wie Werkzeugverleih. So zählten die Globus-Filialen zu den übersichtlichsten und boten die meisten Zusatzservices an, dafür ließen auch hier die Mitarbeiter zu wünschen übrig. Sie reagierten auf Beschwerden am unprofessionellsten und zeigten Schwächen beim Fachwissen. Dafür gibt es Platz sechs von neun. Quelle: AP
Bauhaus überzeugte mit sehr umfangreichen Zusatzdienstleistungen wie Holzzuschnitt oder Werkzeugverleih. Wegen der sehr langen Wartezeiten an Kasse und Info reichte es allerdings nur für Platz fünf. "Wer fachmännischen Rat bei einem Baumarktmitarbeiter sucht, muss sich gedulden: durchschnittlich rund viereinhalb Minuten, in Einzelfällen sogar bis zu einer Viertelstunde - das ist deutlich zu lang", kritisiert Serviceexpertin Bianca Möller. Quelle: Screenshot
Die Toom Baumärkte schafften es auf Platz vier im Ranking. Was das Fachwissen und die Beratung der Mitarbeiter angeht, schaffte es Toom sogar unter die Top drei. Besonders positiv fiel den Testern auf, dass die Angestellten den Kunden oft günstige Produktalternativen gezeigt haben. Quelle: Screenshot
Die Bronzemedaille geht an den Baumarkt mit dem Bieber. Obi überzeugte mit einem umfangreichen Angebot und kompetenten Mitarbeitern. Quelle: obs

Die Gläubiger des Hamburger Unternehmens sprachen sich am Donnerstag dafür aus, mit dem Konsortium um Hellweg und den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle über die Übernahme von 73 Baumärkten zu verhandeln, wie vier Insider Reuters sagten. Damit könnten 4000 der rund 7000 Arbeitsplätze bei Max Bahr gerettet werden. Bis Ende Oktober sollen die Verträge unterschriftsreif sein.
"Dann schlägt die Stunde der Wahrheit", sagte einer der Insider. Denn hinter der Finanzierung der Offerte stehe noch ein Fragezeichen. Hellweg verhandelt den Kreisen zufolge mit einer Gruppe von Kreditgebern um die Commerzbank über einen Kredit über 60 bis 65 Millionen Euro. Als Kaufpreis seien mehr als 100 Millionen Euro im Gespräch.
Die Insolvenzverwalter und Hellweg waren zunächst nicht für Stellungnahmen zu erreichen, Praktiker wollte sich nicht äußern.
Hellweg betreibt in Deutschland 85 Baumärkte. Für weitere 50 Max-Bahr-Märkte, die bis vor wenigen Monaten noch unter der Marke Praktiker firmiert hatten, ist die Hoffnung auf Rettung dagegen schon zerstoben. Dort arbeiten bis zu 3000 Menschen. In diesen Märkten dürfte nun - ähnliche wie bei Praktiker - der Ausverkauf starten. Einige von ihnen könnten aber noch einzeln an Konkurrenten verkauft werden, hieß es im Umfeld der Insolvenzverwalter Christopher Seagon und Jens-Sören Schröder. Hellweg und der Konkurrent Globus aus dem Saarland hatten sich ursprünglich für bis zu 130 Märkte aus dem Praktiker -Konzern interessiert. Hellweg habe sein Gebot aber abspecken müssen, hieß es in Verhandlungskreisen.

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Der andere Bieter, die Supermarktkette Globus aus dem Saarland, hatte ihre Kaufofferte für Max Bahr zurückgezogen. Sie hatte sich nicht mit dem Vermieter von mehr als 60 Märkten, der britischen Royal Bank of Scotland (RBS), einigen können. Globus hatte der RBS vorgeworfen, höhere Mieten zu verlangen als in der Branche üblich. Hellweg habe sich dagegen mit leichten Mietsenkungen zufriedengegeben, sagte ein Insider.
Globus war laut Verhandlungskreisen ohnehin im Hintertreffen gewesen, weil die Supermarkt-Kette im Familienbesitz so wenig für Max Bahr geboten hatte, dass eine Schließung der Märkte nach dem Ausverkauf für die Gläubiger lukrativer gewesen wäre. Max Bahr - die Kette hatte anders als Praktiker nie auf die verhängnisvolle Billigstrategie gesetzt - war als florierendes Unternehmen 2007 von der früheren Metro-Tochter gekauft worden.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Gläubiger der ebenfalls insolventen Muttergesellschaft Praktiker AG völlig leer ausgehen werden. Praktiker-Insolvenzverwalter Udo Gröner habe Anfang des Monats Masseunzulänglichkeit angezeigt, teilte der Vertreter der Anleihegläubiger, Ingo Scholz, am Donnerstag mit. Die sogenannte "Insolvenz in der Insolvenz" bedeutet, dass das restliche Geld allenfalls noch reicht, um die Verfahrenskosten zu decken, aber nicht, um die Forderungen der Gläubiger wenigstens zum Teil zu erfüllen. Davon betroffen sind vor allem die Zeichner einer 250 Millionen Euro schweren Anleihe, die von Scholz vertreten worden waren. An sie war die Tochter Max Bahr verpfändet.

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