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Gutachten Arcandor-Pleite war nicht unvermeidbar

Arcandor stand bei seiner Insolvenz im Jahr 2009 offenbar nicht zwingend vor dem Exitus. Das legt ein Gutachten nahe.

Das 2009 eröffnete Insolvenzverfahren gegen Arcandor war offenbar nicht zwingend notwendig. Quelle: AP

Der Handelskonzern Arcandor war bei seiner Insolvenz im Jahr 2009 offenbar in besserer Verfassung als lange Zeit angenommen. Bisher unveröffentlichte Passagen aus einem Gutachten, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert, lassen offenbar Zweifel an der Darstellung aufkommen, dass Arcandor nach mehrern Wechseln im Management unausweichlich vor dem Exitus stand.

Das Gutachten der der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) wurde unmittelbar vor der Insolvenz im Auftrag der Bundesregierung erstellt. Der Bürgschaftsausschuss, der über einen von Middelhoff-Nachfolger Karl-Gerhard Eick eingereiten Antrag auf Staatshilfe entscheiden musste, wollte sich eingenaueres Bild vom Zustand Arcandors verschaffen. Auf Basis des PWC-Gutachtens lehnte die Regierung das Gesuch nach 650 Millionen Euro ab.

Karstadts Krisen-Chronik

Das Papier enthält nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ auch viele erstaunlich positive Bewertungen über den Zustand und die Chancen von Arcandor. Demnach verfüge der Konzern über „ein nach wie vor intaktes Eigenkapital, was auch planerisch bis 2013/2014 gelten soll“, also für vier bis fünf Jahre.

Ein kreditgebendes Konsortium bewertete das der öffentlichen Meinung nach kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmen mit einer Ein-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von 20 Prozent. Die Verlängerung ihres Arcandor-Engagements sei daher für die Banken „auch weiterhin kreditmateriell vertretbar“, so PWC. Es lägen „nach wie vor zufriedenstellende Sicherheitenpositionen vor“, so die Wirtschaftsprüfer.

Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPNG hatte die Arcandor-Bücher durchleuchtet. Die Experten attestierten dem Handelskonzern ein „tragfähiges Finanzierungskonzept, um den Konzern für weitere fünf Jahre fortzuführen“. Bei der Umsatzrendite von Arcandor sei „ein klar positiver Trend“ erkennbar.

Zudem berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Umfeld des neuen Eigentümers René Benko, dass bei der Sitzung des Karstadt-Aufsichtsrat am kommenden Donnerstag über die Schließung von „15 bis 20 Häusern“ verhandelt werden soll.

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