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Händler aus China Aldi muss sich vor Alibaba fürchten

Die großen chinesischen Händler wachsen in einem atemberaubenden Tempo. Und sie sind schon auf dem Sprung nach Europa.

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Bereits im Jahr 2025 werden die beiden größten chinesischen Onlinehändler, Alibaba und JD.com, mehr Umsatz machen als die zehn größten deutschen Händler zusammen. Quelle: AP

Düsseldorf Die Meldung hatte für großes Aufsehen gesorgt: Der Discountprimus Aldi plant angeblich den Start eines Filialnetzes in China. Zuvor schon hatten deutsche Discounter in zahlreichen Ländern wie USA, Großbritannien oder Australien die Märkte aufgemischt und die etablierten Händler in Nöte gebracht.

Doch diese deutsche Dominanz dürfte nicht mehr von langer Dauer sein. Bereits im Jahr 2025 werden die beiden größten chinesischen Onlinehändler, Alibaba und JD.com, mehr Umsatz machen als die zehn größten deutschen Händler zusammen.

Das zeigt eine Studie der Strategieberatung Oliver Wyman, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. „Die Kräfteverhältnisse im internationalen Handel werden sich in den kommenden Jahren deutlich verschieben“, prognostiziert Rainer Münch, Handelsexperte von Oliver Wyman.

Noch vor wenigen Jahren schien das undenkbar. So kamen die beiden größten chinesischen Händler Alibaba und JD.com 2012 gemeinsam auf einen Umsatz von gerade mal sieben Milliarden Euro. Im gleichen Jahr erzielten die zehn größten deutschen Händler (Schwarz-Gruppe, Aldi Süd und Nord, Edeka, Rewe, Metro, Ceconomy, Lekkerland, Otto und dm) mit 303 Milliarden mehr als das Vierzigfache an Umsatz.

Im vergangenen Jahr hatten die beiden Chinesen ihren Umsatz schon auf 68 Milliarden Euro verzehnfacht, im Jahr 2025 dürften sie der Studie zufolge bei 553 Milliarden Euro liegen. Die zehn größten deutschen Konkurrenten sollen im Jahr 2025 nach den Prognosen 546 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Und das ist noch konservativ gerechnet.

So haben die Experten bei Alibaba und JD.com im Schnitt ein jährliches Wachstum von 30 Prozent zugrunde gelegt. Tatsächlich lag ihr Wachstum bisher eher in der Nähe von 50 Prozent. Damit könnten sie auch schon früher vorbeiziehen.

„China entwickelt sich zum Silicon Valley der Handelsszene. Die Giganten leisten sich dort einen Innovationswettlauf“, begründet Münch den dramatischen Wandel. Die chinesischen Händler hätten viel früher erkannt, welches Potenzial der Smartphone-Boom für den Handel bietet. „Ihr Erfolgsmodell basiert auf Kreativität, Flexibilität und Geschwindigkeit.“

Beispiel JD.com: Der Händler verknüpft sein E-Commerce-Geschäft mit dem sozialen Netzwerk WeChat seines Großaktionärs Tencent. So wird er selbstverständlicher Bestandteil des Alltags seiner Kunden. Zugleich nutzt er die Daten aus der mobilen App, um den Kunden gezielte Angebote in seinen stationären Geschäften zu machen.

Beispiel Alibaba: In den Hema-Supermärkten des Marktführers checken die Kunden mit ihrem Handy ein. Sie hinterlassen so auch im Geschäft die gleiche Datenspur wie beim Onlinekauf. Dafür müssen sie nicht mehr schleppen: Sie bekommen ihre Einkäufe per E-Scooter innerhalb von einer halben Stunde nach Hause geliefert.

Von solchen Innovationen können deutsche Händler nur träumen. Hier wird gerade mal ein Prozent der Lebensmittel übers Netz verkauft, viele Unternehmen, beispielsweise Aldi, haben nicht mal einen Onlineshop. Während deutsche Händler erst über den Einsatz von künstlicher Intelligenz nachdenken, steuern JD.com und Alibaba damit schon ihre unbemannten Supermärkte.

Das könnte sich rächen, begnügen sich doch die chinesischen Konkurrenten nicht mehr mit ihrem Heimatmarkt, sondern sind auf dem Sprung nach Europa. „In den nächsten sieben bis acht Jahren werden die chinesischen Handelsunternehmen auch Übernahmen in Europa tätigen“, so Münch. „Das Kapital dafür hätten sie allemal.“ In der Branche wird bereits spekuliert, dass der deutsche Onlinehändler Zalando ein Übernahmekandidat sein könnte.

Die Basis für eine Expansion in Europa wird gerade gelegt. JD.com hat ein Büro in Paris eröffnet und angekündigt, eine Milliarde Euro in den Aufbau eines Logistiknetzes in Frankreich zu investieren. Konkurrent Alibaba wird in Bulgarien ein zentrales Versandlager errichten, von wo er den gesamten europäischen Markt bedienen kann. Mindestens 13 Milliarden Euro will Alibaba in den kommenden fünf Jahren in die globale Expansion stecken.

Auch die Übernahme einer Supermarktkette in Deutschland ist nicht mehr ausgeschlossen. Kombiniert dann beispielsweise Alibaba die deutsche Einkaufskompetenz mit seinem Digital-Know-how dürfte der Handelsgigant selbst Aldi das Fürchten lehren.

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