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Hamburger Hafen Hafenbetreiber HHLA sucht den Ausweg aus der Krise

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Titzrath muss sich noch profilieren

Mittlerweile hat die Politik eine Lösung gefunden: Der Schlick soll vor der Küste in Schleswig-Holstein abgeladen werden. Und auch über die Elbvertiefung will das Bundesverwaltungsgericht ab Dezember endlich beraten. Damit stehen die Chancen gut, dass Titzrath noch in ihrem ersten Amtsjahr mit einer Entscheidung rechnen kann. Daran hängt das Schicksal des Hafens: Kommt die Elbvertiefung nicht, werden noch mehr Schiffe ihren Kurs ändern.

Die HHLA braucht also eine Perspektive außerhalb von Hamburg, wenn sie wachsen möchte. Das haben auch die Stadtvertreter im Aufsichtsrat verstanden. Seit Wochen verkündet der Vorstand deshalb, dass die HHLA im Ausland nach einem neuen Geschäftsfeld suche, zusätzlich zum Containerumschlag und dem Bahnverkehr. Wie das genau aussehen soll, ist bisher jedoch offen. Lateinamerika sei interessant, auch Afrika, sagte Noch-Vorstandschef Peters kürzlich. Dort könne man sich vorstellen, ein Terminal für Flüssiggüter, etwa Öl, zu betreiben. Es gäbe „interessante Gespräche“, sagte Peters. Doch das Versprechen kommt zu spät. Peters allein kann nicht entscheiden, auf welches Geschäft die HHLA baut. Es ist an Angela Titzrath, die Versäumnisse ihres Vorgängers aufzuarbeiten.

Die größten Reedereien der Welt
Platz 10Mit einer einer Transportkapazität von knapp 600.000 TEU und einem Marktanteil von 2,8 Prozent hat es die taiwanesische Yang Ming Marine Transport Corp. in die Top 10 der weltweit größten Reedereien geschafft. Yang Ming ist mit 172 Niederlassungen in 73 Ländern vertreten und gehört damit zu den größten Transportunternehmen weltweit. Quelle: Alphaliner, Stand: Juni 2016 Quelle: dpa
Platz 10Die Orient Overseas Container Line, kurz OOCL, kann mehr als 570.000 Standardcontainer transportieren, ergibt eine Auswertung des Branchendienstes Alphaliner von Februar 2016. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Hongkong auf dem zehnten Platz der größten Reedereien der Welt. Quelle: Alphaliner, Stand: Februar 2016 Quelle: dpa
Platz 8Mit einem Transportvolumen von rund 625.000 geht die Reederei Hanjin Shipping auf dem achten Platz vor Anker. Das Unternehmen sitzt in Seoul und gehört mit weiteren Unternehmen wie der Fluggesellschaft Korean Air zur Hanjin Group. Die Schiffe von Hanjin fahren hauptsächlich zwischen Ostasien, Europa und der Westküste der USA. Mittlerweile ist Hanjin Shipping pleite. Quelle: AP
Platz 8Auf Rang Acht landet die Deutsche Reederei Hamburg Süd mit einer Kapazität von knapp 650.000 Standardcontainern. Das Unternehmen wurde 1871 von elf Hamburger Handelshäusern gegründet. Heute ist es im Besitz der Oetker-Gruppe. Quelle: dpa
Platz 5Auf Position fünf des Rankings: Die Reederei Hapag-Lloyd mit Sitz in Hamburg besitzt am 22. Februar 2016 dem Branchendienst Alphaliner zufolge eine Kapazität von 920.559 Standardcontainern. Das sind fast sechs Prozent Weltmarktanteil. Die tief gefallenen Ölpreise sorgten auch bei der größten Reederei Deutschlands für Probleme: Eine Gewinnwarnung des Weltmarktführers Møller-Maersk hatte im vergangenen Jahr den Börsengang erschwert. Die Hamburger mussten ihre Aktien billiger anbieten, um Investoren zu finden. Darunter litten auch die Großaktionäre - Tui, die Stadt Hamburg, und der Großspediteur Klaus Michael-Kühne. Quelle: AP
Platz 4Mit 927.428 Containern Kapazität schafft es Evergreen Line aus China auf Position vier. Damit hat Evergreen Hapag-Lloyd eingeholt. Die Schiffe der Flotte tragen übrigens alle auch den Zusatz „Ever“ im Namen. Quelle: REUTERS
Platz 4Durch die Fusion der China Ocean Shipping Company (COSCO) mit der China Shipping Container Lines (CSCL) ist Anfang des Jahres der Anbieter mit der weltweit größten hauseigenen Flotte im Reich der Mitte entstanden. Mit einem Transportvolumen von 1.573.498 und einem Marktanteil von 7,6% hat sich der neue chinesische Container-Riese auf Platz vier katapultiert. Quelle: dpa

Anders als der in der Politik als mitunter wenig diplomatisch verschriene Peters ist Titzrath kaum in der Politik Hamburgs verbandelt. Das könnte noch von Vorteil sein. Zwar besetzt der Hamburger Senat vier der zwölf Posten im Aufsichtsrat, und auch viele Gewerkschafter haben über die SPD beste Kontakte ins Rathaus. Doch dort mischen außer dem Bürgermeister selbst drei verschiedene Gremien an der Hafenpolitik mit. „Es sind so viele unterschiedliche Personen und Gremien im Senat für die Aufsicht über den Hafen zuständig, dass die linke Hand schon lange nicht mehr weiß, was die rechte tut“, kritisiert FDP-Politiker Michael Kruse. In der Vergangenheit sorgte das mehr als oft genug für Chaos. Dass Angela Titzrath nicht in die Hamburger Politikszene verwickelt ist, sei deshalb ein Vorteil, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Sie sei unbelastet.

Außerdem gilt die ehemalige Post-Managerin als gewerkschaftsfreundlich. Den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat war das wichtig. Sie wissen, dass ihnen in den kommenden Jahren noch lange Verhandlungen bevorstehen. Analysten kritisieren schon lange die verhältnismäßig hohen Personalkosten der HHLA. Außerdem hat sich über die Jahre eine kaum zu durchschauende Struktur von verschiedenen Betriebsräten an den drei Terminals gebildet.

Das sind die wichtigsten Flaggen der Schiffe auf den Weltmeeren
Die Deutsche FlaggeNur noch 350 Schiffe sind derzeit unter der deutschen Flagge registriert, davon 150 Behördenschiffe und Fähren, denen ein Ausflaggen faktisch verwehrt ist. Einen Großteil der restlichen Handelsschiffe stellt die Containerreederei Hapag-Lloyd, die immer noch 40 ihrer 188 Dampfer unter deutschem Hoheitszeichen betreibt. Im Sicherheitsranking der europäischen Hafenstaatskontrollen (Paris Memorandum of Understanding) belegt die Flagge Platz 15 hinter China und Griechenland. Quelle: dapd
Die Schwarze Liste Quelle: dpa
Die Ausbildung an BordFür die Ausbildung an Bord gibt es zwar Bundeszuschüsse von jährlich 30 Millionen Euro, die Beantragung ist aber aufwendig und bürokratisch. Das gilt auch für die Registrierung. Zuständig sind neben den Amtsgerichten das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrologie, die See-Berufsgenossenschaft und zahlreiche weitere Behörden. Quelle: dpa
Flagge zeigenBillig-Flaggen liegen im Trend: Nur noch 350 der 3.100 deutschen Handelsschiffe fahren deshalb unter Schwarz-Rot-Gold zur See. Quelle: dpa
Die Flagge von Panama Quelle: AP
Die Flagge von Zypern Quelle: AP
Die Flagge von MaltaAuch Malta profitiert von der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die Billigflagge kann aber mitunter recht teuer werden. Treten Probleme mit Behörden auf, können sie nur über eine eingeschaltete Rechtsanwaltskanzlei gelöst werden. Quelle: AP

Erfahrung in solchem Geflecht hat sie: Als Personalvorstand der Post verhandelte sie mit der Gewerkschaft Verdi den wohl üppigsten Tarifabschluss seit Jahren. Fast sechs Prozent mehr Lohn sagte sie den Mitarbeitern zu. Post-Chef Frank Appel soll das zu viel gewesen sein. Titzrath verließ das Unternehmen, „aus persönlichen Gründen“, wie es damals hieß. Ihr großes Vorhaben, die heute fast 500.000 Post-Angestellten zentraler zu steuern, blieb unvollendet. Ihre Vorstandskollegen waren schon aufgebracht, dass die Personalchefin ihren Einfluss auch in den von ihnen verantworteten Geschäftsbereichen geltend machen wollte.

Machtkampf voraus

Auch in ihrem neuen Amt als Hafenchefin warten auf Titzrath Vorstandskollegen, die noch überzeugt werden wollen. Bisher hatten sie freie Hand in ihren jeweiligen Bereichen. „Auf die anderen Vorstände hat er wenig Einfluss“, sagt ein Betriebsrat über den Vorstandsvorsitzenden Peters. Sie habe die drei Kollegen bereits kennengelernt, erzählt Titzrath auf der Hauptversammlung. „Ein gutes Team, das gut zusammenwirken wird.“ Doch als Titzrath ihre Rede beendet, gehören die Vorstände zu den wenigen im Saal, die nicht klatschen. Einige von ihnen wären selbst gerne an die Spitze gewechselt, heißt es in der Hamburger Politik. Nun müssen sie sich weiter mit der zweiten Reihe begnügen, während die HHLA vor einem der wichtigsten Umbrüche ihrer Geschichte steht.

Titzrath muss nun entscheiden, welche Perspektive sie für das Hafenunternehmen sieht. Doch das kann dauern: Zwar soll es eine Übergabe zwischen ihr und Vorgänger Peters geben. Doch offiziell tritt die neue Chefin erst nächstes Jahr an. Vorausgehen, wie Titzrath es formulierte, kann die HHLA erst ab Januar. Bis dahin heißt es: warten.

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