Handel Online-Boom wird auch in Zukunft anhalten

Der Handel sieht den Erfolg des Internethandels als große Herausforderung: Demnächst dürften auch Möbel, Baumarktartikel und Lebensmittel immer häufiger im Internet gekauft werden.

Diese Unternehmen sind in Gefahr
Bedrohte C&A-Filiale Quelle: REUTERS
Logo und Schriftzug von Quick Schuh Quelle: PR
Reno-Filiale Quelle: Gemeinfrei
Bedrohte Runners Point Filiale Quelle: AP
Bedrohte P&C Filiale Quelle: dpa
Bedrohte Saturn Filiale Quelle: REUTERS
Bedrohte NKD Filiale Quelle: PR
Bedrohte Karstadt Filiale Quelle: dpa
Logo und Schriftzug von Babywalz Quelle: PR
Takko-Filiale Quelle: Creative commons - Joeb07
Bedrohte Euronics Filiale Quelle: PR
Platz 19: KiK - Bedrohungsgrad: 70Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, brands4friends, Asos Unter den zehn Unternehmen mit dem schlechtesten Image tauchen mit KiK, Netto Marken-Discount, Norma, Penny und Lidl gleich fünf diskontierende Formate auf. Das zieht auch die Gesamtbewertung nach unten. Kik steigt in der Liste der bedrohten Unternehmen auf Platz 19 ein. Quelle: dapd
Platz 18: Wöhrl - Bedrohungsgrad: 71,3Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, Brands4friends, Asos Während Kaufhäuser wie Breuninger oder P&C mit gutem Service und Image punkten, fällt Wöhrl negativ dagegen ab. Das Warenhaus kann sich deshalb auch nicht auf eine besonders loyale Kundschaft stützen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 17: Media Markt - Bedrohungsgrad: 71,6Kernsortiment: Elektronik Wichtigste Online-Angreifer: Notebooksbilliger, Cyberport, Amazon Media Markt ist wie Schwester Saturn erst spät in den Online-Handel eingestiegen. Der Elektronik-Riese kann weder mit überzeugenden Service-Leistungen noch besonders gutem Image punkten. Die Kunden sind daher auch wenig loyal. Media Markt wird es in der harten Branche mit so aggressiven Online-Mitbewerbern wie Notebooksbilliger.de immer schwieriger haben. Quelle: dapd
Platz 16: Hugendubel - Bedrohungsgrad: 71,8Kernsortiment: Bücher Wichtigste Online-Angreifer: Amazon, buch.de Gerade wurde bekannt, dass Hugendubel seine Filiale am Münchener Marienplatz 2016 schließen wird. Amazon hat den den Handel mit Büchern revolutioniert und ist mit rund 3/4 aller Online-Umsätze bei Büchern führend. Das Verbrauchervertrauen spiegelt sich auch im Fit Score (86,8) wider, obwohl Amazon die niedrigsten Imagewerte erzielt. Hugendubel hat es angesichts dieser massiven Konkurrenz schwer, sich zu behaupten - trotz gutem Image und guten Serviceleitungen. Quelle: dpa
Platz 15: Butlers - Bedrohungsgrad: 72,4Kernsortiment: Möbel/Deko Wichtigster Online-Angreifer: Home24, Westwing Butlers kann sich zwar über hohe Imagewerte, sowie zufriedene und loyale Kunden freuen, aber das Deko- und Möbelhaus betreibt Geschäfte in der hoch online-affinen Branche der Multi-Sortimenter. Amazon hat „das längste Regal der Welt“. Und das zeigt auch die überragende Bewertung der Konsumenten, vor allem in der hohen Loyalität (97,0!). Butlers hat das Nachsehen. Quelle: PR
Platz 14: Charles Vögele - Bedrohungsgrad: 72,5Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, brands4friends, Asos Das Modehaus hat das Pech in direkter Konkurrenz zu einem so genannten "Category Killer" wie Zalando zu stehen. Die Unternehmen haben finanzstarke Geldgeber hinter sich, die massiv in Bekanntheit, Marktanteile und Service investieren und den Ertrag hinten anstellen. Für eine Kette wie Vögele wird das zum massiven Problem, Image und Loyalität sind nur mittelprächtig. Der eigene Online-Auftritt könnte deutlich besser sein. Vögele muss sich warm anziehen. Quelle: PR
Platz 13: Babyone - Bedrohungsgrad: 72,7Kernsortiment: Kinderbedarf Wichtigste Online-Angreifer: myToys, windeln.de babymarkt.de Bereits jeder vierte Euro für Spielzeug wird im Internet ausgegeben. Eine Vielzahl an Online-Händlern haben sich beim Konsumenten mit einem breiten Sortiment etabliert. Mit kidoh.de und mytoys.de folgen zwei weitere Pure Onliner in der Verbrauchergunst. Fachmarktketten wie Babyone aus dem Siegerländischen Freudenberg haben es schwer, sich gegen die wachsende Konkurrenz zu behaupten. Sie stehen in der Reihe der Spielwaren- und Babybedarf-Anbieter in punkto Image, Service und Loyalität ganz unten. Quelle: PR
Platz 12: Kaufhof - Bedrohungsgrad: 72,9Kernsortiment: Warenhäuser Wichtige Online-Angreifer: Amazon, Ebay "Der Betriebstyp Kaufhaus hat sich stationär überlebt", glauben die Autoren der Studie von Dr. Wieselhuber & Partner. "Die einst größten Handelsunternehmen Deutschlands, Hertie, Horten, Karstadt oder Kaufhof, klingen heute wie „Dinosaurier“, und einige von ihnen sind bereits ausgestorben." Spezialisten und Monolabel-Stores würden in die Innenstädte drängen und so das Geschäftsmodell „Multisortimenter“ herausfordern. Gleichzeitig bieten Onlinehändler ein Sortiment an, das größer ist als das aller Warenhäuser. In diesem Umfeld wird das Überleben für Kaufhof nicht leicht. Quelle: dpa
Platz 11: ElectronicPartner - Bedrohungsgrad: 73Kernsortiment: Elektronik Wichtigste Online-Angreifer: Notebooksbilliger, Cyberport, Amazon Die Verbundgruppe verzichtet auch 2014 noch völlig auf einen eigenen Online-Shop. Zwar will EP sein Angebot in Zukunft schrittweise in Netz verlagern, noch setzt V erbundgruppe für selbstständige Elektro-Fachgeschäfte aber vor allem auf den den direkten Kundenkontakt. "Wir glauben an den stationären Fachhandel, seine Stärken und vor allem seine unstrittige Daseinsberechtigung. Unsere Aufgaben ist es, den Kunden, die überwiegend stationär kaufen – nach Zahlen, die uns vorliegen sind das nach wie vor zwischen 75 und 80 Prozent – das bestmögliche Angebot zu machen", sagt Friedrich Sobol, Vorstand von ElectronicPartner. Zudem ist EP am Online-Händler Notebooksbilliger.de beteiligt. Quelle: PR

Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet damit, dass sich der Siegeszug des Online-Handels auch in den nächsten Jahren ungebremst fortsetzt. Der Marktanteil des Internet-Handels könne bis 2020 von derzeit rund 9 Prozent auf 20 Prozent wachsen, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Donnerstag in Düsseldorf. Dies werde spürbare Auswirkungen auf die Branchenstrukturen und viele Einkaufsstraßen haben. Bereits heute klagen nach einer aktuellen HDE-Umfrage mehr als die Hälfte der Fachhändler über sinkende Kundenzahlen.

Der Online-Handel sei die größte Herausforderung für den Handel seit der Einführung der Selbstbedienung in den 30er Jahren, sagte Genth. Immer neue Branchen würden von den Online-Anbietern durcheinandergewirbelt. Waren es zunächst hauptsächlich Bücher und Elektronikartikel, die über das Internet verkauft wurden, so werden inzwischen längst auch Schuhe und Bekleidung im großen Maße online bestellt. Und schon bald dürften nach Einschätzung des Verbandes auch Möbel, Baumarktartikel und Lebensmittel ihren eigenen Internetboom erleben.

Allein im laufenden Jahr rechnet der HDE mit einer Zunahme der Online-Umsätze im Handel um 17 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro. Für den Einzelhandel insgesamt erwartet der Verband dagegen nur ein Plus von 1,5 Prozent. Und ein Ende des E-Commerce-Booms ist nicht in Sicht: „Der Trend geht weiter. Er ist unumkehrbar“, sagte Genth.

Immer mehr Händler versuchen deshalb laut HDE mit eigenen Internetangeboten auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Rund ein Viertel der stationären Händler sei inzwischen auch im Internet aktiv. Diese sogenannten Multi-Channel-Händler blickten deutlich optimistischer in die Zukunft als die Konkurrenten ohne Online-Angebot.

Auch die Warenhauskette Karstadt will künftig ihre Online-Präsenz ausbauen. Ihr E-Commerce-Chef, Terry von Bibra, sagte am Donnerstag: „Unsere Online-Umsätze sind noch nicht zufriedenstellend.“ Der Konzern wolle in Zukunft alle Kanäle - egal ob Filiale, Online oder Smartphone - nutzen, um seine Kunden zu erreichen. Dabei sehe sich Karstadt aber nicht in Konkurrenz zu reinen Online-Händlern. Zielgruppe seien die - überwiegend weiblichen - Karstadt-Kernkunden.

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Konkurrent Kaufhof hatte bereits Anfang des Monats angekündigt, sein Online-Geschäft deutlich auszubauen. In den kommenden drei bis fünf Jahren soll der Internet-Umsatz nach dem Willen von Konzernchef Lovro Mandac von derzeit gut 50 auf etwa 300 Millionen Euro steigen. Ab dem Sommer will das zum Metro-Konzern gehörende Warenhausunternehmen in seinen Filialen rund 1100 Tablet-PCs zur mobilen Unterstützung einführen. Produkte, die ausverkauft seien oder nicht zum normalen Bestand der Filiale gehörten, könnten dann online bestellt werden, kündigte Mandac an. Geliefert werde an die Läden oder nach Hause.

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