Handelsstudie Note drei plus für deutsche Innenstädte

Eine Studie zeigt: Viele Besucher von Fußgängerzonen sind mit den stationären Angeboten nur mäßig zufrieden – sie kaufen verstärkt im Netz ein.

Eine Frau läuft an einem leeren Ladenlokal vorbei Quelle: dpa

„Die Paketbombe“ lautete der Titel einer WirtschaftsWoche-Ausgabe im Herbst 2013. Auf dem Cover war ein riesiges Amazon-Paket zu sehen, das eine Innenstadt unter sich begrub. Das eingängige Bild könnte für viele deutsche Städte zur Realität werden.

Das legt eine aktuelle Untersuchung des Kölner Instituts für Handelsforschung  (IFH Köln) nahe, die die Handelsexperten gemeinsam mit dem Handelsverband Deutschland (HDE), der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing sowie weiteren Kooperationspartnern erstellt haben. Dazu wurden insgesamt 33.000 Besucher von deutschen Innenstädten befragt.

Das Ergebnis: Der wachsende Online-Handel verschärft die Wettbewerbssituation vor Ort. Jeder fünfte Innenstadtbesucher gab an, verstärkt online einzukaufen und aus diesem Grund die Innenstadt seltener zum Einkaufen zu besuchen. Kleinstädte und Metropolen seien dabei gleichermaßen von Frequenzverlusten betroffen.

Der Rückgang der Besucherströme könnte sich noch verschärfen. Denn schon heute gelten viele Citys offenbar als wenig attraktiv. Im Schnitt bewerteten die befragten Innenstadtbesucher die Stadtzentren mit der Schulnote drei plus.

Diese Marken dominieren den Einzelhandel
Platz 15: AldiDer Discounterriese belegt unter den beliebtesten Handelsmarken Deutschlands nur den 15. Platz. Die Deutschen könnten zufriedener mit dem Händler sein, zumindest wenn es um Preispolitik und Kundenzufriedenheit geht. Das geht aus einer aktuellen Studie der Consultingfirma OC&C hervor - dem Proposition-Index 2014. Darin kommt Aldi auf einen Indexwert von 77,9. Quelle: dpa
Platz 14: HornbachZuletzt ging es bei der Bauhauskette mehr um die künftige Unternehmensform als den Kernbereich des Geschäfts: die Kundenzufriedenheit. Die Studie straft das ab. Der Index gibt nur einen Wert von 78,0 Punkten an. Quelle: dpa
Bedrohte C&A-Filiale Quelle: REUTERS
Platz 12: P&CNoch etwas besser schneidet der Konkurrent und direkte Nachbar in vielen Innenstädten, Peek & Cloppenburg, ab: 79,0 Punkte im Index. Quelle: dpa
Platz 11: TchiboKaffeegenuss zieht immer beim Verbraucher. 79,1 Punkte im Ranking für die Genussmarke. Quelle: dpa
Platz 10: eBay Die Auktionsplattform kann in Deutschland noch nicht in die Spitze der Handelsmarken vordringen. Mit 79,3 Punkten reicht es gerade einmal für den Sprung in die Top Ten. Quelle: dpa
Platz 9: KauflandGut und billig muss nicht immer spitze sein. 79,4 Punkte für die Einzelhandelskette. Quelle: dpa
Platz 8: Müller Die Drogeriekette kommt auf 79,8 Punkte im Index. Quelle: dpa
Platz 7: Globus Die Warenhauskette ist bei Kunden besonders für die übersichtliche Anordnung der Produkte beliebt. Der Index belohnt das mit einem Wert von 79,9. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 5: Thalia. Bücher sind nach wie vor gefragt bei Kunden, Büchereien mit großer Auswahl besonders beliebt. Thalia verdient sich einen Indexwert von 80,3. Quelle: dpa
Platz 5: Douglas Die Drogeriekette hat über Jahre ein breites Portfolio aufgebaut und damit in den Augen vieler Kunden den Blick fürs Wesentliche verloren. Im Index schlägt sich das mit einem Wert von 80,4 nieder. Der Konzern hat bereits erste Schritte unternommen, sich zu entschlacken und bietet die Juwelier-Tochter Christ zum Verkauf an. Quelle: dpa
Platz 4: Rossmann Der Konkurrent aus Hannover wird im Markt noch etwas besser wahrgenommen - der Indexwert von 80,8 bestätigt das. Quelle: dpa
Platz 3: Breuninger Das Unternehmen ist die Überraschung der Studie. Die auf Textilien spezialisierte Warenhauskette punktete mit ihrer Kundenzufriedenheit und machte im Vergleich zum Vorjahr 29 Plätze in dem Ranking gut. Indexwert: 80,8 Quelle: dpa
Platz 2: AmazonDer Versandhändler hat in dem Ranking wieder zugelegt, kommt auf einen Index-Wert von 85,0. Von dem Negativimage in der Vergangenheit ist offenbar nicht mehr viel zu spüren. Quelle: dpa
Platz 1: dm Die erfolgreichste Marke im deutschen Einzelhandel bezeichnen die Marktforscher als „Paradebeispiel für ein nachhaltiges und kontinuierlich verbessertes Leistungsversprechen“. Der Spitzenwert von 86,5 steht Pate dafür. Quelle: dpa

Sowohl junge als auch ältere Konsumenten seien mit ihren Stadtzentren zwar halbwegs zufrieden. Doch zugleich werden Angebote in den Sortimentsbereichen Fashion, Lebensmittel/Getränke und Multimedia/Elektronik/Foto vermisst. Besonders in kleinen und mittelgroßen Städten sind aus Sicht der Kunden Handelsangebote im Bereich Bekleidung rar – teilweise jeder dritte Innenstadtbesucher bemängelt die Auswahl in diesem Bereich.

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Damit könnte vielen deutschen Städten in den kommenden Jahren eine Verödungsspirale drohen. Denn je weniger attraktiv die Einkaufsmeilen aus Kundensicht sind, desto mehr Kunden ordern im Netz. Die Folge wären Ladenschließungen und damit zusätzliche Angebotslücken, die wiederum Frequenzverluste nach sich ziehen.

Kein Wunder, dass sich der Einzelhandel angesichts solcher Perspektiven längst auf die Beobachtungslisten von Sanierungs- und Insolvenzexperten gerückt ist. „Vor allem in der Möbelbranche und  im Textilhandel gibt es noch erheblichen Restrukturierungsbedarf“, sagt Detlef Specovius, Sanierungsberater bei der Wirtschaftskanzlei Schultze & Braun.

„Die Einzelhändler stehen vor einem strukturellen Problem“, so Specovius. Die Kunden würden immer mehr Waren im Netz kaufen. Trotzdem sei die stationäre Verkaufsfläche in den vergangenen Jahren kaum gesunken. „Ohnehin angeschlagene Filialketten haben sich vielmehr zusätzlichen Umsatz durch Neueröffnungen erkauft“, so Specovius.

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