Hauptversammlung Beate Uhse versucht mit neuem Logo den Imagewandel

Der Erotik-Konzern Beate Uhse ist in die Jahre gekommen. Nun soll ein neues Logo den Imagewandel einleiten und jüngere Frauen zum Erotik-Shopping verführen.

Neuer Schriftzug - neues Image. Beate Uhse will noch mehr junge Frauen für sich begeistern. Quelle: PR

Mit einem neuen Logo will der Flensburger  Erotikkonzerns Beate Uhse seinen Imagewandel vorantreiben. Das Ziel des 1946 gestarteten Unternehmens: Vor allem jüngere Frauen sollen Beate Uhse als Marke für sich entdecken – und künftig online wie offline Sex-Artikel ordern. Die Pläne hat das Unternehmen bei der Hauptversammlung in Flensburg vorgestellt. Die Marktforschung habe gezeigt, dass die Marke bislang mit den Kunden gealtert sei, sagte das neue Vorstandsmitglied Erwin Cok, der für das operative Geschäft zuständig ist.

60 Prozent der Kunden seien bereits heute weiblich und 80 Prozent der Produkte für Frauen. „Das denkt nur niemand, wenn er die Marke heute sieht“, so Cok.

Der Wandel in Europas größtem Erotikkonzern ist überfällig. Wirtschaftlich herrscht bei den Flensburger Sex-Veteranen schon seit Jahren tote Hose. Während die sexuelle Revolution Beate Uhse neue Kundschaft bescherte, erwies sich die digitale Revolution als Existenzbedrohung für das Unternehmen.

So viel Mitarbeiterrabatt gibt es
Beate Uhse Aktuell können Kunden in über 200 Konzerneigenen- und Lizenzpartner-Geschäften shoppen, sich im Webshop und per Katalog über die neuesten Erotiktrends und Produkte informieren. Die Beschäftigten des Erotikunternehmens bekommen 30 Prozent Rabatt. Quelle: AP
AdidasChef Herbert Hainer möchte wohl sicher gehen, dass die Belegschaft so häufig wie möglich selbst in Jacken, Hosen und natürlich Schuhen der eigenen Marke aufläuft. Die Beschäftigten erhalten auf alle Produkte einen Rabatt zwischen 20 und 44 Prozent. Quelle: REUTERS
Weber-Stephen  Der Kugel-Grill-Experte hat für seine Angestellten heiße Überraschungen parat. Weber-Stephen gewährt den Mitarbeitern einen zweistelligen Rabatt auf den Listenpreis aller Produkte des Sortiments. Darüber hinaus werden neue Mitarbeiter zum Firmeneintritt einmalig mit einer Erstausstattung an Weber Produkten versorgt. Der Wert dieses Welcome-Packages liegt im dreistelligen Euro-Bereich. Da kann die Grillsaison beginnen. Quelle: www.weber.com
DaimlerBeim Kauf eines Mercedes-Benz Neufahrzeugs erhalten Firmenangehörige einen Rabatt von 21,5 % auf den Brutto-Listenpreis unter der Voraussetzung, dass sie das Fahrzeug mindestens sechs Monate lang selbst nutzen. Durch den Rabatt entsteht für den Mitarbeiter ein zu versteuernder geldwerter Vorteil. Für einen Jungen Gebrauchten erhalten Mitarbeiter 16,5 % Rabatt auf den externen Verkaufspreis sowie eine zwölfmonatige Gebrauchtfahrzeug-Europagarantie. Auch hier ist eine Selbstnutzung von 6 Monaten Bedingung. Die gleichen Konditionen gelten auch für Fahrzeuge der Marke smart. Quelle: dpa
dm DrogeriemarktJa, auch die Dinge des täglichen Bedarfs wie Rasierklingen, Gesichtscreme oder Windeln für den Nachwuchs gehen ganz schön ins Geld. Umso erfreulicher für die Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsgemeinschaft dm, dass sie einen Mitarbeiterrabatt von 10 Prozent erhalten - und zwar auf das gesamte Sortiment. Zusätzlich können sich ihre Payback Karte nutzen. Quelle: AP
IKEALebenslang Köttbullar umsonst? Nein, der schwedische Möbelkonzern macht seinen Beschäftigten ein ernsthaft schmackhaftes Angebot: 15 Prozent Rabatt auf Einrichtungsgegenstände für den eigenen Bedarf gewährt Ikea seinen Mitarbeitern. Quelle: ZB
Deutsche Post DHLEin Brief für 50 statt für 58 Cent? Nein, derlei Angebote macht Deutsche Post DHL ihren Mitarbeitern nicht. Der Grund: Rabatte auf Briefporto oder Pakete würden einen geldwerten Vorteil darstellen, den die Mitarbeitern versteuern müssten. Der Aufwand wäre hoch, der finanzielle Vorteil für die Mitarbeiter gering. Stattdessen veröffentlicht der Konzern im Intranet und im Extranet von Deutsche Post DHL den Mitarbeitern Einkaufsvorteile von namhaften Partnerunternehmen. Das Angebot umfasst Autos, Konsumgüter, Mode, Multimedia, Angebote von Reiseveranstaltern und führenden Online Shops, lokale Vorteile und Dienstleistungen. "So gibt es beispielsweise Sonderkonditionen für lokale Fitnessstudios oder Familienausflugziele zu günstigeren Preisen", teilt ein Sprecher WirtschaftsWoche Online mit. Für die Mitarbeiterangebote von externen Anbietern gelten spezielle Rahmenbedingungen. Sie stellen keinen geldwerten Vorteil dar, weil Deutsche Post DHL und der Anbieter nicht verbundene Unternehmen sind und der Konzern die Rabatte nicht festlegt, sondern lediglich bekanntmacht. Quelle: dpa
AudiEin schicker neuer Schlitten? Kein Problem. Der Ingolstädter Autobauer gewährt allen Mitarbeitern der Audi AG einen Rabatt von 20 Prozent auf Neu- und Gebrauchtwagen. Der Betrag muss natürlich als geldwerter Vorteil versteuert werden. Auch Werksrentner kommen noch in den Genuss der Vergünstigungen. Quelle: AP/dpa
Deutsche BahnFreie Fahrt für die Mitarbeiter der Deutschen Bahn: 16 private Freifahrten gewährt ihnen die DB pro Jahr. Darüber hinaus bekommen auch Ehe- und Lebenspartner, Kinder und Eltern acht Freifahrten pro Jahr. Anstelle eines Firmenwagens gewährt der Konzern seinen oberen Führungskräften eine BahnCard100 First. Seit April dieses Jahres gelten für die rund 130.000 Bahn-Mitarbeiter in Deutschland zudem neue Regelungen beim Jobticket: Das Unternehmen übernimmt künftig auch die Pendlerkosten des Schienenpersonennahverkehrs, wenn die Beschäftigten mit den Zügen der Bahn-Konkurrenz zur Arbeit fahren. Damit haben nun mehr Beschäftigte Anspruch auf ein Jobticket. Quelle: dapd
BMWAuch Chef Norbert Reithofer meint es gut mit seinen Mannen. Jeder festangestellte Mitarbeiter erhält 21,8 Prozent Rabatt auf alle BMW-Modelle. Bei der Schwester-Marke Mini gibt es immerhin noch 18,8 Prozent Rabatt. Die Vergünstigung müssen die Angestellten als geldwerten Vorteil versteuern. Außerdem müssen die BMW-Mitarbeiter mindestens sechs Monate lang selbst Halter des gekauften Modells sein. Mit diesen Konditionen kann man wohl leben. Quelle: dpa
HariboEine ständige Versuchung ist der Werksverkauf für die Mitarbeiter des Gummibären-Produzenten Haribo. Sie erhalten hier 25 Prozent Rabatt auf alle Süßigkeiten aus dem eigenen Hause. Bei so viel Vergünstigung darf es bei der einen oder anderen Naschkatze sicher auch ein Bärchen mehr sein. Wer hier arbeitet, braucht definitiv einen starken Willen. Quelle: dpa/dpaweb
Lego Spielspaß für die ganze Familie: Mitarbeiter des Klötzchenherstellers müssen sich in der Tat wenig Gedanken um Geburtstags- , Weihnachts- oder Ostergeschenke machen. Die Dänen gewähren ihren Mitarbeitern auf Lego-Produkte bis zum steuerlichen Höchstbetrag von rund 800 Euro pro Jahr einen reduzierten Preis von 50 Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung. Außerdem ist für Angestellte und ihre Familien der Eintritt ins Legoland Deutschland kostenlos. Quelle: REUTERS
Media Markt und SaturnDie Elektronikmärkte gewähren allen Mitarbeitern in den Märkten einen Rabatt in Form eines artikelspezifisch kalkulierten Personalpreises. "Das bedeutet", erklärt eine Sprecherin des Unternehmens: "der Personalpreis ist nicht gleich „regulärer Preis abzüglich x%“ sondern „Einkaufspreis plus y% Handlingspauschale“." Dies gilt für alle verfügbaren Produkte. Falls die innerhalb eines Jahres in Anspruch genommenen Rabatte den steuerlichen Freibetrag übersteigen, ist auf den darüber hinausgehenden Vorteil Lohnsteuer zu entrichten. Quelle: dapd
WMFTöpfe, Besteck, Küchenmesser - bei Markenware eine teure Angelegen. Umso attraktiver ist die Vergünstigung, die WMF allen Mitarbeiter gewährt. Sie bekommen auf die hauseigenen Produkte des Konsumsortiments einen Rabatt von rund 30 Prozent. Davon ausgenommen sind lediglich Elektrogeräte wie beispielsweise Kaffeemaschinen für den Privathaushalt. Quelle: Presse
Lufthansa & Co. In der Regel gibt jede Airline ihren Mitarbeiter Rabatt - normalerweise zwischen 10 und 50 Prozent des Flugpreises. Allerdings mit einigen Haken. So gilt der Rabatt meist auf den vollen Flugpreis, also nicht auf Schnäppchentickets; meist kommen Steuern und Gebühren noch oben drauf und die Mitarbeiter reisen als so genannte PAD, was im Flugsprech Passenger Available for Disembarcation bedeutet. Im Klartext: der Passagier steht bereit abgeladen zu werden, falls der Flug überbucht ist. Deshalb weichen viele Airline-Angestellte lieber auf reguläre Spartickets aus. Quelle: dpa
Anheuser-Busch - Beck's BierDie Angestellten des Getränkeherstellers Anheuser-Busch dürfen jeden Monat eine bestimmte Menge an Getränken kostenlos aus dem werkseigenen Mitarbeiter-Shop mitnehmen. Wie viel genau, ist im Arbeitsvertrag festgelegt und variiert nach Mitarbeitergruppe. Monatlich sind bis zu vier Kästen Bier, Limonade oder Wasser erlaubt. Über die kostenlose Menge hinaus erhalten die Mitarbeiter ebenfalls Rabatt auf die Getränke. Quelle: AP
Zalando Das E-Commerce-Haus gewährt allen Mitarbeitern einen Rabatt von 40 Prozent auf alle Bestellungen auf dem Mode- und Schuhportal - ausgenommen die Partnerprogramme. Kein Wunder, dass vor allem Damen auf einen Job bei dem Online-Portal scharf sind. Der Frauenanteil im Unternehmen liegt bei 60 Prozent. Quelle: dpa
HenkelWaschkörbe voll Persil, Prittstifte und Pril-Spülmittel? Ganz so spendabel gibt sich der Düsseldorfer Henkel-Konzern nicht, aber immerhin: Die Mitarbeiter in Düsseldorf erhalten einen Gutschein in Höhe von neun Euro pro Monat, den sie im sogenannten Internverkauf, einer Art Supermarkt mit Henkel-Produkten, einlösen können. Ansonsten sind die Henkel-Produkte aus den Bereichen Klebstoff, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik – bis auf einige Sonderangebote – im Schnitt kaum billiger als im herkömmlichen Einzelhandel. Quelle: dpa
Aldi Süd und HornbachNicht jeder Arbeitgeber räumt der Belegschaft Preisnachlässe ein. Die Unternehmensgruppe Aldi Süd gewährt Mitarbeitern keine Rabatte. "Bei unserer Preispolitik verfolgen wir eine sehr knappe Kalkulation, die es uns nicht erlaubt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Preisvorteile zu gewähren. Stattdessen stellen wir sicher, dass Kundinnen und Kunden bei Aldi Süd stets zu einem günstigen Preis einkaufen können", lässt eine Sprecherin wissen. Auch bei Hornbach gibt es keine Vergünstigungen: "Hornbach-Mitarbeiter werden gleich behandelt wie die Kunden und genießen keine finanziellen Privilegien", teilt die Konzernpressesprecherin mit. Quelle: dpa/dpaweb

Nicht nur das vormals wichtige Geschäft mit Pornos und Erotikfilmen brach angesichts des weitgehend kostenfreien Treibens im Netz ein. Auch der klassische Verkauf von Sex-Artikeln über Filialen oder Kataloge wanderte großteils in die vermeintliche Anonymität des Internets ab. Zwar betreibt auch Beate Uhse seit Jahren eigene Web-Angebote. Doch der Wettbewerb ist hier ungleich härter. So verzeichnet das Unternehmen seit 2005 sinkende Umsätze, von ehemals 284,8 Millionen Euro haben sich die Erlöse bis 2012 fast halbiert. Wichtiger noch: Seit 2010 schreibt das Unternehmen rote Zahlen und hing am Tropf der Kreditgeber.

Erst in den letzten Quartalen gelang es Vorstandschef Serge van der Hooft, die Lage wieder etwas zu entspannen. Bei der Hauptversammlung erklärte er, es sei eine „zunehmende Stabilisierung in Umsatz und Ergebnis von Quartal zu Quartal“ zu beobachten. Im ersten Quartal 2013 legte der Umsatz des Erotikhändlers um 1,6 Prozent auf fast 36 Millionen Euro zu. Für das Geschäftsjahr 2013 plant das Unternehmen mit einem Umsatz von 142 bis 147 Millionen und einem operativen Ergebnis von zwei bis vier Millionen Euro. Dazu soll auch eine neue E-Commerce-Plattform beitragen und den Markenwandel unterstützen.

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Online-Wettbewerber sehen den neuen Ambitionen des in die Jahre gekommenen Unternehmens indes gelassen entgegen. Im Grunde sei die Neuausrichtung richtig, sagt etwa Lea-Sophie Cramer, Gründerin des Berliner Startups Amorelie. Nur käme Beate Uhse damit „einen Tick zu spät.“ Cramers eigenes Unternehmen startete im Herbst 2012 und verzeichnet seither stürmisches Wachstum. Angst, dass die neue Online-Offensive der Flensburger auf das Geschäft von Amorelie durchschlägt, hat Cramer, nicht.

Im Gegenteil: Die Gründerin, die zuvor das asiatische Geschäft des Rabattportals Groupon leitete, wähnt ihr Startup im Vorteil: So sei das Sortiment hochwertiger, ihre Mannschaft verfüge über mehr Erfahrung im Online-Geschäft, zudem sei das Unternehmen ein reiner Online-Player, muss also keine kostspieligen Filialumbauten oder Schließungen finanzieren. Doch reicht das aus, um dereinst die Erotik-Ikone Beate Uhse vom Thron zu stoßen?

Kampflos, so viel ist sicher, werden die Flensburger nicht weichen. „Die Marke Beate Uhse war in den vergangenen Jahren gealtert“, räumte Cok bei der Hauptversammlung ein. Doch „das Potential ist zweifelsohne ungebrochen“.

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