Hauptversammlung Metro-Chef Koch buhlt um Vertrauen seiner Aktionäre

Dax-Rauswurf, Kursverluste, Dividendenkürzung: Bei der Hauptversammlung des Handelskonzerns Metro muss Vorstandschef Olaf Koch vergrätzte Groß- und Kleinaktionären seine Strategie erklären, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.

Bei der heutigen Hauptversammlung muss Olaf Koch seinen Aktionären erklären, warum die Geschäfte im vergangenen Jahr mau liefen und vor allem eine Perspektive skizzieren, wie es wieder aufwärts geht. Quelle: REUTERS

Mit seinen jüngsten Aktiendeals lag Olaf Koch richtig. Der Vorstandschef des Düsseldorfer Handelskonzerns kaufte Ende März und Anfang Mai jeweils 10.000 Aktien seines Konzerns zu Durchschnittskursen von 22,287 und 24,804 Euro. Aus den investierten rund 471.000 Euro wurden bis zum Handelsschluss gestern Abend zwar immerhin 498.000 Euro. Doch auf den großen Kurssprung warten Koch und mit ihm wohl alle anderen Metro-Anteilseigner, darunter Großaktionär Haniel, bisher vergebens.

Das sind Metros Stärken und Schwächen
Metro-Eingang Quelle: APN
Französischer Konkurrent hat Dividende halbiertDie Ausschüttungsquote von Metro - sie gibt an, wie viel Prozent des Gewinns je Aktie an die Aktionäre verteilt werden - liegt damit bei 51,3 Prozent. Sie ist, das Krisenjahr 2009 ausgenommen, deutlich höher als in der Vergangenheit. Metro wird sich die Kritik gefallen lassen müssen, der Konzern zahle zu viel Dividende. Denn eins steht fest: Das an die Aktionäre ausgeschüttete Geld fehlt für Investitionen. So hat der französische Konkurrent Carrefour die Dividende für 2011 rigoros um mehr als die Hälfte eingedampft. Metro dagegen hält an den üppigen Dividenden fest, denn der Konzern erhofft sich dadurch - auch bei Ertragsschwäche - eine langfristige Bindung der Anleger. Und: Großaktionär Haniel und dessen rund 650 Familiengesellschafter kalkulieren mit stabilen Ausschüttungen - und dürften sie, wenn nötig, mit Nachdruck einfordern. Quelle: Reuters
Menschen mit Tüten mit Metro-Druck Quelle: dpa
Metro-Logo Quelle: dapd
Metro-Hauptversammlung Quelle: dpa
Walmart Quelle: dapd
Fahnen mit Metro-Logo Quelle: dpa
Kunden sind keine Handpuppen: Metro-Konzern ist zu arrogantViel zu lange hat Metro versäumt, Kunden zielgerichtet anzusprechen. Wie viele andere Handelskonzerne auch neigten die Düsseldorfer in den Jahren, in denen es für den Konzern gut lief, zu Arroganz - bisweilen zu Ignoranz. Das ist gefährlich in einer Branche, die in Sachen Sortiment und Preise derart dynamisch ist. Zwar predigte Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes den dringend nötigen Wandel vom einkaufs- hin zum kundenorientierten Konzern - in vielerlei Hinsicht aber blieb es bei Vorsätzen. Quelle: obs
Schwäche 2: Schrumpfender UmsatzEin Manko von Metro ist die Flächenproduktivität. Sie gibt an, wie viel der Konzern pro Quadratmeter im Schnitt umsetzt - und sie nimmt sowohl bei Cash & Carry als auch bei Media-Saturn seit Jahren kontinuierlich ab. Erlöste Metro im Großhandelsgeschäft 2007 noch 6 502 Euro pro Quadratmeter, waren es im vergangenen Jahr 855 Euro weniger. Auch im Elektronikhandel wird die Entwicklung deutlich: Hier verlor Metro innerhalb von fünf Jahren 7,5 Prozent Umsatz pro Quadratmeter. Das ist ein Problem, denn es zeigt, dass Metro auf vergleichbarer Fläche - in lokaler Währung - schrumpft. Die schwierige wirtschaftliche Lage in einigen Ländern Europas, die Kaufzurückhaltung und negative Währungseffekte belasten das Geschäft. Doch das gilt auch für die Konkurrenz. Der Konzern verliert Kunden - und weiß das auch. So muss Cash & Carry, gerade was die Attraktivität des Angebots jenseits von Lebensmitteln angeht, aufholen. Bei Media-Saturn wandern viele Kunden wegen der günstigeren Preise zu anderen Anbietern ins Internet ab. Quelle: dapd
Interne Streitereien Zusätzlich belasteten interne Streitereien die Metro-Aktie ab September 2011. Die damaligen Spitzen von Vorstand und Aufsichtsrat, Eckhard Cordes (links) und Jürgen Kluge (rechts), kämpften wochenlang verbissen um die Macht im Konzern. Großaktionär Haniel mischte sich ein, agierte aber glücklos. Es verging kein Tag ohne Schlagzeilen. Das öffentliche Spektakel hat Metro viel Vertrauen an den Märkten gekostet, denn die Anleger mögen es gar nicht, wenn ihre Unternehmen negativ in der Zeitung stehen. Quelle: dpa
Schwäche 3: Übertriebene Expansion ins AuslandGerne nimmt Metro für sich in Anspruch, international stark im Geschäft zu sein. Tatsächlich ist der Konzern neben Deutschland in weiteren 32 Ländern der Welt vertreten - davon mehr als zu vier Fünfteln in West- und Osteuropa. Zum Vergleich: Marktführer Wal-Mart aus den USA kommt nur auf 27 Länder. Allerdings expandierte Metro über viele Jahre mit Vollgas. Immer wieder verkündete der Konzern neue Markteintritte, seit 2000 elf an der Zahl. Im Rückblick aber zeigt sich: Der Expansionskurs hat Metro in Länder gebracht, die sich als nachhaltig schwach erweisen. Ein Beispiel ist Japan, wo der erste von neun Großhandelsmärkten schon im Dezember 2002 eröffnet wurde. Dort kommt das Geschäft auch zwölf Jahre nach dem Markteintritt nicht in Gang: Laut HGB-Geschäftsbericht fielen in Japan 2011 Verluste von 42,6 Millionen Euro an. Nach dem IFRS-Konzernabschluss lieferte die Region Asien/Afrika ein Ergebnis von minus 25 Millionen Euro. Quelle: dapd
Koch will nach IndonesienAnalysten diskutieren zudem, ob sich Metro mit seinem Cash & Carry-Geschäft aus Großbritannien, Portugal oder Dänemark zurückziehen sollte. Doch solche Überlegungen stoßen im Konzern auf Widerstand. Vor allem die Handelsmanager hängen an der Vielzahl der Länder und wollen keines aufgeben. Im vergangenen Jahr hat Metro schon die Großhandelsmärkte in Marokko verkauft. Zudem stoppte Metro-Chef Olaf Koch erst kürzlich die Pläne, noch in diesem Jahr in Indonesien zu starten. Quelle: dapd

Entsprechend gereizt ist die Stimmung bei der heutigen Hauptversammlung des Konzerns in Düsseldorf. Koch muss seinen Aktionären erklären, warum die Geschäfte im vergangenen Jahr mau liefen und vor allem eine Perspektive skizzieren, wie es wieder aufwärts geht.

Denn der Konzern wurde in den vergangenen Monaten arg gebeutelt. Wegen des Kursverfalls der vergangenen Jahre flog die Stammaktie im Herbst aus der ersten Börsenliga Dax. Die Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit des Konzerns herab und Metro musste eine Gewinnwarnung herausgeben. Denn in fast allen Geschäftsbereichen gibt es Probleme.

Das Metro-Reich

Die Kernsparte, die Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende, wird seit Jahren in Deutschland umgebaut - bislang ohne durchschlagende Erfolge.  Media Markt und Saturn haben eine kostspielige Aufholjagd im Internetgeschäft gestartet, nachdem das Thema zu lange vernachlässigt worden war. Zudem schwelt ein hitziger Streit zwischen dem MediaSaturn-Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals und dem Metro-Management weiter. Unklar ist, welche Perspektiven es für die SB-Warenhaus-Sparte  Real gibt, nachdem das wachstumsstarke Auslandsgeschäft verkauft wurde.

Die Metro-Gruppe

Als einziger Lichtblick im Konzern gilt auf Ertragsseite ausgerechnet die Warenhaustochter Kaufhof, die wegen mangelnder Internationalisierbarkeit allerdings schon seit Jahren zum Verkauf steht. Optionen, das Kaufhof-Geschäft nicht stationär sondern via Online-Shops in andere Länder zu tragen, wurden bislang indes nicht weiterverfolgt.  Auch sonst ist von Aufbruchsstimmung im Konzern derzeit wenig zu spüren.  Zuletzt zog sich Metro mit verschiedenen Vertriebslinien aus Märkten zurück. Am Ende retteten wohl nur Immobilienverkäufe den Konzern vor einem Jahresverlust.

Wo es bei der Metro überall brennt
Real: Der Verkauf der Supermarktkette Real wird seit Jahren diskutiert - und im entscheidenden Moment immer wieder abgeblasen. Jetzt nimmt Metro-Chef Koch einen neuen Anlauf die Tochter loszuschlagen. „Die Kette ist wieder auf dem Markt“, heißt es Ende August 2012 in Frankfurter Finanzkreisen. Läuft alles nach Plan, könnte das internationale Geschäft oder Teile davon bis Ende des Jahres den Besitzer wechseln, heißt es im Unternehmensumfeld. Quelle: dpa
Rechtstreit mit den Media-Markt-GründernSeit November 2011 liegt die Metro mit den Media Markt-Gründern Erich Kellerhals und Leopold Stiefel (rechts) im Clinch. Obwohl beide nur eine Minderheit am Unternehmen halten, sicherten sie sich ein Vetorecht an der Media-Saturn-Holding. Um dieses auszuhebeln, hatte Metro-Chef Koch einen Beirat eingerichtet, in dem mit einfacher Mehrheit entschieden wird. Dagegen klagte Kellerhals. Im August 2012 urteilte das Oberlandesgericht München, dass die Einrichtung des Beirats rechtens war. Mit welcher Mehrheit im Beirat Beschlüsse gefasst werden können, müsse aber ein Schiedsgericht klären. Dieses entschied, dass der Beirat für wichtige operative Fragen wie Zukäufe von Unternehmen oder das Budget zuständig sei. Über die Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern der Media-Saturn-Holding und die Gewinnverwendung müssten Kellerhals und Metro aber weiter gemeinsam entscheiden. Koch kann also nach wie vor nicht durchregieren. Kellerhals will sich - sollte der Streit nicht beigelegt werden - nach einem anderen Gesellschafter umsehen. Fortsetzung folgt. Quelle: dapd
Kaufhof:Nach langem Hin und Her hat Metro die Verhandlungen um einen Verkauf von Kaufhof Mitte Januar auf Eis gelegt. Als Grund gab das Unternehmen die schwierige Situation auf den Finanzmärkten an. Dabei wollte Metro die ungeliebte Warenhauskette schleunigst los werden. Ganz reibungslos gingen die Verhandlungen nicht vonstatten. Der ehemalige Metro-Chef Eckhard Cordes soll Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko persönlich aufgesucht haben, um mit ihm Details des Verkaufs zu besprechen. Signa wollte die Übernahme noch vor Weihnachten über die Bühne bringen. Quelle: dpa
Mit dieser Entscheidung des neuen Metro-Chefs Olaf Koch geht auch der Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen leer aus. Berggruen hatte sein Interesse an Kaufhof mehrmals unterstrichen. Quelle: dpa
Media Markt:Media Markt indes machte zuletzt munter weiter negative Schlagzeilen. Im Zuge der Schmiergeldaffäre ist der Deutschlandchef des Elektronikhändlers, Michael Rook, angeklagt worden. Gewerbliche Bestechung in 70 Fällen lautete der Verdacht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Augsburg. Anbieter von Verträgen für Breitband-Internetanschlüsse sollen Verantwortlichen von Media-Saturn insgesamt 5 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt haben, um im Gegenzug ihre Produkte in den Märkten der Kette verkaufen zu dürfen. Neben Rook wurde auch ein Regionalmanager angeklagt. Während Rook bisher seine Unschuld beteuert, haben weitere Mitangeklagte inzwischen Geständnisse abgelegt. Bei einer Verurteilung drohen ihnen lange Gefängnisstrafen. Quelle: dapd
Führung:An der Spitze des Handelskonzerns gab es zum 1.1.2012 einen Wechsel. Eckhard Cordes machte Platz für den bisherigen Finanzvorstand Olaf Koch. Zuvor hatte es eine wochenlange Hängepartie um die Nachfolge Cordes gegeben. Sie endete mit einer äußerst knappen Mehrheit für Koch im Aufsichtsrat. Quelle: Reuters
Haniel:Der heftige Machtkampf um die Metro-Spitze hat zu einem weiteren Führungsproblem geführt: Im November wirft Aufsichtsratschef Jürgen Kluge bei der Metro-Mutter Haniel das Handtuch. Er hatte Mitte Oktober bereits seinen Vorsitz im Aufsichtsrat von Haniels wichtigster Beteiligung Metro niedergelegt und damit die Konsequenz aus dem öffentlichen Streit um die Vertragsverlängerung von Metro-Chef Eckhard Cordes gezogen. Quelle: dpa
Immerhin: Der Metro-Aufsichtsrat hat in einer Sondersitzung das Familienoberhaupt des Haniel-Clans, Franz Markus Haniel, mit den Stimmen von Anteilseignern und Arbeitnehmer-Vertretern zum Nachfolger von Kluge gewählt. Quelle: dpa
Bilanz:Der finstere Gesichtsausdruck auf einer Pressekonferenz im November 2011 des damaligen CFOs und aktuellen Chefs, Olaf Koch, zeigt es: Metro steuert schweren Zeiten entgegen. Der Handelskonzern hatte Anfang Dezember seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2011 gesenkt. Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung sagte Koch im Januar 2012: „Das vergangene Jahr war durch außerordentliche Entwicklungen stark beeinträchtigt. Insbesondere die Staatsschuldenkrise, eine hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern Europas haben zu einer Kaufzurückhaltung bei den Kunden geführt.“ Quelle: dpa

Koch zog daraufhin die Konsequenzen und setzte die Metro-Anteilseigner auf Dividendendiät: Die morgen fällige Ausschüttung soll erstmals gekürzt werden. Klar ist schon jetzt, dass Koch für seinen Kurs viel Kritik ernten wird. Ein Großteil der Probleme geht zwar auf das Konto seiner Vorgänger Eckhard Cordes und Hans-JoachimKörber. Doch auch Koch muss sich vorwerfen lassen, das Vertrauen des Kapitalmarkts nicht zurück erobert zu haben. "Das Vertrauen der Investoren ist weg", konstatiert ein wichtiger Fondsmanager.

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Die Profi-Anleger wurden von der Dividendenkürzung  und von Gewinnwarnungen ebenso überrascht wie alle anderen Investoren. Selbst Kapitalmarkttage für institutionelle Investoren sollen angekündigt, aber nicht abgehalten worden sein. Derlei handwerkliche Patzer sorgen für zusätzliche Unsicherheit, zumal der Erklärungsbedarf über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Konzerns künftig eher steigen wird. Koch will das Geschäftsjahr umstellen - darunter leidet erst einmal die Transparenz und Vergleichbarkeit der Zahlen. Schon argwöhnen Investoren, dass es sich um "ein Ablenkungsmanöver" handeln könnte. Neues Vertrauen in Koch dürften die Anleger indes erst gewinnen, wenn es zu erfolgreichen Verkäufen von Vertriebslinien kommt.

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