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Hermès Luxuskrieg in Paris

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Erben mussten Aktien verkaufen

Die wichtigsten Luxusgüterhersteller

Sätze wie dieser sprechen dagegen: „In meinem Alter zählt Vernunft mehr als Emotionen.“ Er stammt von Nicolas Puech-Hermès. Der 70-Jährige, der vor der französischen Vermögensteuer in die Schweiz flüchtete, hat sich geweigert, seine Anteile in die Familienholding einzubringen, und hält die Verteufelung Arnaults für übertrieben. Die Familien Guerlain, Krug und Bulgari seien doch ganz zufrieden mit ihrer Verbindung zu LVMH, so Puech-Hermès: „Wir sollten denjenigen Respekt zollen, die uns dadurch auszeichnen, dass sie bei uns investieren.“

Der Dissident zog dennoch 2012 in den Hermès-Aufsichtsrat ein. Das war, bevor die Börsenaufsicht ein Jahr später aufdeckte, dass ein Gutteil der Aktien, die LVMH via Swaps erwarb, aus seinem Besitz stammten. Dennoch durfte Puech-Hermès im Aufsichtsrat bleiben.

Er sei bei Weitem nicht der einzige Abtrünnige, heißt es aus dem Umfeld von Vermögensberatern. Aufgrund der französischen Vermögen- und Erbschaftsteuer seien einige Hermès-Erben gezwungen gewesen, ihre Aktien zu verkaufen.

Komplette Übernahme derzeit ausgeschlossen

„Es gibt noch genügend Familienmitglieder, die nicht der H51 angehören und eines Tages womöglich verkaufen wollen“, sagt Anwalt Laurent-Bellue. „Die Zeit ist auf der Seite von Arnault.“ Vor allem bei den derzeit nahezu historischen Höchstständen des Kurses ist die Verlockung groß: Zahlreiche Analysten raten derzeit, die Papiere abzugeben.

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Für den Moment ist eine komplette Übernahme von Hermès durch LVMH ausgeschlossen. Doch womöglich könnte LVMH Hermès den größeren Schlag dadurch versetzen, dass der Konzern zumindest die durch Aktien-Swaps erworbenen Anteile tatsächlich wie gewünscht wieder abgibt. Diese zwölf Prozent sind an der Börse fast drei Milliarden Euro wert – das Vierfache des 2012 erwirtschafteten Hermès-Gewinns von 740 Millionen Euro, von dem das Unternehmen bis zu 40 Prozent für Dividendenzahlungen bereitstellt. Für einen Rückkauf müsste also die Dividende stark schrumpfen.

Zahlreiche Familienmitglieder sind jedoch auf diese Zahlungen angewiesen und wollen nicht darauf verzichten. Gegenteilige Bestrebungen würden womöglich H51 sprengen. Hermès hätte also nicht die Mittel, die Titel aufzukaufen. Wer aber dann? Der Staatsfonds von Katar, der in Frankreich bereits sehr aktiv ist? Oder irgendein anderer Großinvestor, dessen Absichten Hermès weder abschätzen noch steuern kann? Experten warnen bereits davor, den vermeintlichen Teufel LVMH mit dem Beelzebub austreiben zu wollen.

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