WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Herrschaft des Scanners Amazons Kampf um Effizienz

Seite 2/3

Warum neue Amazon-Standorte allein nicht reichen

Aber auch wenn Amazon bereits das nächste Logistikzentrum in Tschechien angekündigt hat und weitere folgen werden, ewig lässt sich der Ausbau so nicht weiterführen. „Der Prozess ist nicht beliebig skalierbar“, sagt Yilmaz. Mehr Lager bedeuten nicht automatisch so viel mehr Umsatz, dass es sich auf Dauer rechnet.

Amazon muss auch innerhalb der Logistikzentren effizienter werden. „Viele glauben, wir seien der Klassenprimus, aber es gibt genug Optimierungsbedarf“, so der Regionalmanager.

Ein Blick in das Innere des Rheinberger Logistikzentrums zeigt, was Amazon unter Optimierung und Effizienz versteht. Das Lagersystem ist bewusst chaotisch. Waren eines bestimmten Typs werden nicht an einem festgelegten Ort gestapelt, sondern wo Platz ist. Das spart Lagerkapazitäten und Laufwege, funktioniert aber nur, wenn der Computer stets weiß, wo sich die Waren befinden.

Die besten deutschen Online-Shops
Qualität von OnlineshopsIn Zusammenarbeit mit dotSource hat das ECC Köln Kunden von 77 Online-Shops aus sieben unterschiedlichen Branchen nach ihrer Zufriedenheit befragt. Bewertung: Die in Klammern angegeben Punktzahl zeigt an, welchen Online-Shop-Index ein Shop erreicht hat. In die Berechnung des Online-Shop-Index fließen die Zufriedenheit der Kunden mit den in der ECC-Erfolgsfaktorenstudie untersuchten Einzelkriterien sowie die Kundenbindung ein. Ein Wert von 100 Punkten entspricht der maximalen Zufriedenheit und Kundenbindung. Das Ranking erhebt nicht den Anspruch zu beurteilen, dass ein Online-Shop allgemein besser ist als ein anderer. Es besagt, welche Online-Shops es besser schaffen als andere, ihre eigenen Kunden zufriedenzustellen. Die vollständige Studie finden Sie kostenpflichtig hier. Quelle: dpa Picture-Alliance
Rang 10: Deichmann (74,9 Punkte) Quelle: dpa Picture-Alliance
Rang 9: Hugo Boss (75,2 Punkte)Als zweiter Modeanbieter hat es Hugo Boss unter die Spitzenreiter geschafft. Die Befragten waren von den Zusatzinformationen zu Produkten sowie von den Kaufempfehlungen besonders angetan. Quelle: dpa
Rang 8: s.Oliver (75,2 Punkte) Quelle: dpa Picture-Alliance
Rang 7: Ernsting’s Family (75,4 Punkte) Quelle: PR
Rang 6: myTime.de (75,4 Punkte)       Quelle: PR
Rang 5: zooplus (76,2 Punkte) Quelle: Screenshot

Also bestimmen Barcodes das Bild. Jeder Artikel wird nach der Ankunft gescannt und ins System eingespeist. Nun überwacht ein Programm jede weitere Bewegung von der Lagerung bis zum Versand. Geht eine Bestellung ein, berechnet das System, wo sich die Artikel befinden und wie sie am schnellsten versendet werden können. Dann folgt der Befehl an die Mitarbeiter, die Waren zu sammeln. Der Scanner wird zum Herrscher zwischen den Regeln.

Amazon verschlankt seine Prozesse zwischen Anlieferung und Versand, wo es nur geht. IT-Experten verbessern permanent den Algorithmus, der die Wege zu nächsten Bestellung ausrechnet und den, der die Kommunikation der Logistikzentren untereinander koordiniert.

Rechnungen kosten Zeit

Und der Konzern streicht Arbeitsschritte rigoros zusammen – in allen Abteilungen, von Wareneingang bis zum Paketversand. Was keinen Mehrwert bietet, fliegt raus. Rechnungen zum Beispiel. Jahrelang legte Amazon die dem Päckchen bei. Doch das Drucken und Falten kostete Sekunden. Eine Kleinigkeit bei jedem Paket, in der Summe jedoch offenbar eine große Effizienzsteigerung.

Warum die Deutschen Online-Shopper sind

Selbst die Paketaufkleber sind vor dem Optimierungsstreben nicht sicher. „Im Moment wird die Sendung dadurch identifiziert, dass wir per Hand einen Barcode draufkleben“, sagt Yilmaz. „Das können wir dadurch obsolet machen, indem wir den Barcode auf die Kartons drucken lassen. Die werden ja ohnehin für uns hergestellt.“ Wenige Sekunden und etwas mehr Platz gewonnen. In der Welt von Amazon ist das ein gigantischer Erfolg.

Doch Kritiker warnen. Bei seinen Effizienzbemühungen treibe es der Konzern zu weit. Amazon belasse es nicht bei Rechnungen und Aufklebern, sondern konzentriere sich auf seine wichtigste Ressource - die Angestellten.

„Dass die einzelnen Arbeitsprozesse aus Sicht des Unternehmens verbessert werden, bedeutet nicht automatisch, dass auch eine Verbesserung für den einzelnen Mitarbeiter geschaffen wird“, mahnt Tim Schmidt, Betriebsrat in Rheinberg. „Produktivität und Schnelligkeit gehen einher mit hohem Arbeitsdruck.“

Lieber obdachlos als Amazon

Die Kontrolle jedes einzelnen menschlichen Rädchens im Getriebe fällt dem Konzern leicht. Weil die Warenbewegungen ohnehin permanent vom System erfasst werden, lässt sich leicht ablesen, welche Mitarbeiter wann wie viele von ihnen bearbeitet und bewegt haben. „Die Mitarbeiter können ständig und zeitgenau über ihren Handscanner überwacht werden“, sagt Schmidt.

Undercover-Reporter und ehemalige Mitarbeiter haben immer wieder von Repressalien bei Nichterreichen einer bestimmten Quote berichtet. Der Druck sei immens. „Obdachlos zu sein ist besser als für Amazon zu arbeiten“, überschrieb der Guardian den Bericht einer Amazon-Aussteigerin aus den USA. Lieber auf der Straße leben, als für diesen Konzern zu buckeln.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%