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H&M, Esprit und Co Der maue Winter macht den Modefirmen zu schaffen

Das Jahr in dem der Winter ausfiel, bringt Esprit, Tom Tailor, Gerry Weber oder Hugo Boss noch mehr unter Druck. Dem bis dato nicht stattfindenden Wintergeschäft konnte sich auch H&M nicht ganz entziehen.

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H&M-Filiale in New York Quelle: AP

Bereits seit Wochen sind die Schaufenster der Modeketten mit Aufklebern wie „Sale“ oder „50 Prozent Rabatt“ bepflastert. Die teils frühlingshaften Temperaturen machten Mäntel, Stiefel und dicke Pullover in dieser Saison zu Ladenhütern. So überrascht es auch kaum, dass Modekonzerne wie Hugo Boss, Gerry Weber, Tom Tailor oder Esprit im vergangenen Jahr mit ihren Geschäftsverläufen nicht zufrieden waren.

Doch die Malaise allein auf das Wetter zu schieben, wäre zu einfach. Durch die Bank haben sich die Marken-Konzerne mit eigenen Shops verzettelt und stehen im gnadenlosen Wettbewerb und scheinbar aussichtsloser Konkurrenz zu günstigen Anbietern wie Zara, H&M oder Primark, die mit rasch wechselnden Kollektionen für steten Zustrom in ihren Geschäften sorgen.

Das sind Deutschlands größte Outlet-Center
Outlet in Bad Münstereifel Quelle: Screenshot
Designer Outlet Center in Soltau Quelle: Screenshot
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„Factory-Outlet“ in Ochtrup Quelle: Screenshot
 Outlet „Wertheim Village“ Quelle: Wertheim Village
„Designer Outlets“ in Wolfsburg Quelle: Designer Outlets Wolfsburg

Der starke Dollar und der milde Winter sind allerdings auch am schwedischen Textilriesen Hennes & Mauritz (H&M) nicht spurlos vorbeigegangen. Im Weihnachtsgeschäft sank der Gewinn nach Steuern um 11 Prozent auf 5,5 Milliarden schwedische Kronen – umgerechnet knapp 600 Millionen Euro.

H&M liegt immer noch vorne

In der Ganzjahresbetrachtung zeigte H&M der deutschen Konkurrenz dennoch erneut, wo Bartel den Most holt:  Der Umsatz der Schweden stieg um 19 Prozent auf 181 Milliarden schwedische Kronen – umgerechnet rund 20 Milliarden Euro. Inklusive Mehrwertsteuer erhöhte sich der Umsatz auf 210 Milliarden Kronen – mehr als 22,5 Milliarden Euro – und damit währungsbereinigt um 11 Prozent. Der Gewinn nach Steuern kletterte um fünf Prozent auf 21 Milliarden Kronen, rund 2,3 Milliarden Euro.

Die umsatzstärksten Modehändler der Welt

Durch die Stärke der US-Währung wurden für den schwedischen Konzern der Wareneinkauf, der Transport sowie die Herstellung der Klamotten teurer. Da sich zudem Winterware angesichts der ungewöhnlich warmen Witterung nur schwer verkaufte, musste H&M Rabatte gewähren.

Bei Kleidung setzt H&M bereits seit Längerem auf Nachhaltigkeit und Bioprodukte wie Baumwolle aus ökologischem Anbau. Zumindest in einem Teil ihrer Kollektion, der „Conscious Collection“. Jedenfalls behauptet das der Konzern. Doch damit nicht genug. Ab Februar soll es nun auch eine  Kosmetiklinie geben, die an die Conscious-Kollektion anschließt. Sie umfasst 30 Produkte und beinhaltet Haut-, Body-, und Haarpflege, aber auch Lippen-Balm und Trockenshampoo. Ein aluminiumfreies Deo gehört ebenfalls dazu. Alle Produkte der´ Serie seien mit dem Bioprüfsiegel von Ecocert versehen, so das Unternehmen. Sie sollen zwischen acht und 15 Euro kosten und sind online und in ausgewählten Stores erhältlich.

Ein prominentes H&M-Opfer kommt aus Deutschland

Prominentestes Opfer der Angreifer aus Schweden, aber auch aus Spanien (Zara, Massimo Dutti) oder Irland (Primark) war der Modekonzern Gerry Weber aus Halle. Der ostwestfälische Modekonzern hatte im Sommer bereits seine Jahresziele gekappt und das unter anderem mit Wetterkapriolen begründet. Vorstandschef Ralf Weber kündigte damals ein strikteres Kostenmanagement bei Sach- und Personalaufwendungen an sowie flexiblere Beschaffungsstrukturen.

Offenbar bei weitem nicht genug. Der seit knapp einem Jahr amtierende Vorstandschef und Sohn des Firmengründers Gerhard Weber kündigte vor wenigen Tagen „ein Programm zur Neuausrichtung“ an – nannte aber dabei keine Details. „Die seit Sommer 2015 angeschobenen Maßnahmen reichen angesichts der derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen nicht aus, um uns für die Zukunft optimal aufzustellen“, erklärte Weber. Einzelheiten zur künftigen Marschroute will das Unternehmen erst zur Bilanzpressekonferenz am 26. Februar mitteilen.

Die beliebtesten Textilhersteller

Bei der Stammmarke Gerry Weber gibt es in der Tat bisher auch keine Anzeichen der Besserung. Im Bilanzjahr 2014/15 (bis Oktober) stieg der Umsatz allein aufgrund der zugekauften Modekette Hallhuber auf 920 von 852 Millionen im Jahr zuvor. Dabei steuerte die neue Tochter 115 Millionen zum Konzernumsatz bei. Sowohl im Großhandel wie auch in den eigenen Läden gingen die Erlöse bereinigt um Neueröffnungen zurück. Der operative Gewinn der Gruppe brach um mehr als ein Viertel auf knapp 80 Millionen Euro ein. Die operative Umsatzrendite sank damit auf 8,6 (Vorjahr: 12,8) Prozent.

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Auch beim Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor ist in den vergangenen Jahren viel schiefgelaufen. Durch immer neue eigene Filialen und die Übernahme des Konkurrenten Bonita ist die Kette zwar stark gewachsen, doch parallel liefen die Kosten aus dem Ruder. In den ersten neun Monaten 2015 stand ein Umsatz von fast 690 Millionen Euro, unter dem Strich aber auch ein Verlust von gut 10 Millionen Euro.

Mit dieser Performance verliert man an der Börse schnell das Vertrauen: Der Kurs der Papiere ist im Vergleich zum Jahreshöchststand im März 2015 um zwei Drittel eingebrochen und torkelt derzeit zwischen vier und fünf Euro. Aufgrund der zu geringen Marktkapitalisierung flog die Aktie im Dezember auch aus dem kleinsten Index, dem SDAX.

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