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Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev „Warum haben wir noch Schlüssel? Warum noch Bargeld?“

In Deutschland hat der schwedische Möbelkonzern Ikea einen geringeren Marktanteil als im Durchschnitt aller Länder, in denen Ikea präsent ist Quelle: Getty Images

Der Möbel-Marktführer spricht: Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev erklärt seine Ideen von kleinen Innenstadt-Filialen, den Erfolg der Lautsprecher-Lampe und die Zukunft der Smart-Home-Produkte.

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Ein Gigant: Ikea bleibt auch nach der Veröffentlichung der jüngsten Geschäftszahlen Deutschlands Möbelkönig. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (September 2018 bis August 2019) erhöhten die Schweden in Deutschland den Umsatz um 5,5 Prozent auf fast 5,3 Milliarden Euro. Den Online-Anteil konnte Ikea-Deutschland dabei ebenfalls steigern um 33 Prozent auf 494 Millionen Euro.

Freuen dürfte das unter anderem den Chef: Seit Januar 2018 leitet der Däne Dennis Balslev (58) die Geschäfte von Ikea Deutschland. Balslev arbeitet seit 40 Jahren für den Konzern, zuvor wirkte er in Schweden, den Niederlanden und Dänemark. Für den neuen Job ist Balslev dann nach Wiesbaden gezogen: Die Ikea-Deutschlandzentrale sitzt in Hofheim-Wallau, einer kleinen Taunus-Stadt zwischen Wiesbaden und Frankfurt.

WirtschaftsWoche: Herr Balslev, viele Jahre lang galt Ikea stets als Platzhirsch der Möbelbranche. Ihr Unternehmen steht zwar immer noch an der Spitze der Möbelhändler in Deutschland – aber online sind Sie längst überholt worden. Damit können Sie nicht zufrieden sein, oder?
Dennis Balslev: Wir haben keine Ambition, im Online-Möbelmarkt die Nummer eins zu sein.
Ach ja?
Ja. Unser Ziel ist es, On- und Offline zu kombinieren. Es gibt Firmen, die sich entschieden haben, reine Online-Händler zu sein. Wir wollen das nicht. Unser Businessmodell ist ein anderes als das von Otto oder Amazon. Wir wollen nicht die größten Online-Möbelhändler herausfordern, wir wollen in der Kombination von beidem die Nummer eins sein.

Dennis Balslev ist Deutschlandchef beim Möbelkönig und schon seit 40 Jahren für Ikea tätig. Er hat schon in Dämeark, Schweden und den Niederlanden gearbeitet und war in jeder deutschen Ikea-Filiale. Quelle: Ikea

Aber sollte der Möbelmarkt eines Tages vom Online-Handel dominiert werden, wären Sie nicht mehr Nummer eins.
Heute ist der Online-Anteil noch recht klein. Und ja, er entwickelt sich weiterhin positiv, im gleichen Tempo entwickeln wir uns auch. Aber wir sehen auch, dass einige reine Online-Händler zunehmend Versuche im stationären Handel unternehmen, so eröffnet etwa Amazon mehr und mehr Läden. Ikea glaubt auch daran, dass die richtige Kombination aus stationärem Handel und Online das Beste für den Kunden ist. Denn sonst ist man nur eine Plattform, ohne Bezug und ohne persönliche Beziehung zum Kunden. Die Frage lautet immer: Wo und wie bekommt der Kunde das Produkt so schnell und so günstig es geht? Wir offerieren aber nicht nur Produkte, sondern Lösungen. Bei uns kann man nicht nur eine Matratze kaufen, sondern bei uns geht es darum, wie man besser schlafen kann. Wir haben also keine Angst vor reinen Online-Händlern.

Apropos Matratzen: Die reinen Online-Matratzenhändler Bett1.de oder Casper haben binnen weniger Jahre den Matratzenmarkt komplett durcheinandergewirbelt. Kann das nicht auch im Möbelmarkt passieren?
Die Angesprochenen haben sicherlich binnen kurzer Zeit große Marktanteile gewonnen, aber uns haben sie nicht tangiert: Wir sind im Bereich Matratzen im vergangenen Jahr um 15 Prozent gewachsen. Weil wir den Leuten mehr Service anbieten, und weil man Matratzen bei uns online und im Geschäft kaufen kann. Natürlich sind wir wachsam. Und wer online nach Matratze sucht, findet die reinen Online-Händler als erstes. Wir müssen schauen, dass wir weiterhin auf der ersten Ergebnisseite auftauchen. Aber nochmal: Unser Wachstum ist sehr gesund.

Der Online-Marktanteil von Ikea-Deutschland liegt nun bei 9,4 Prozent. Die Ingka-Gruppe hat 11 Prozent Online-Marktanteil. Sie liegen also unter dem Durchschnitt aller Ikea-Landesgesellschaften. Zufrieden damit?
Ja. Denn das ist die einzige Kategorie, in der Ikea-Deutschland unter dem Durchschnitt der Ingka-Gruppe liegt. In Deutschland ist man eher traditionell: Der Online-Anteil am gesamten Handel in Deutschland ist kleiner als in vielen anderen Ländern wie etwa den USA, Großbritannien, vielen asiatischen Ländern. Und hier gibt es zahlreiche Flecken, in denen man keinen Internetempfang hat. Aber eines Tages werden wir auch dort sein, step by step. Wir hatten im abgelaufenen Geschäftsjahr 900.000 Lieferungen mehr als im Jahr davor, dafür braucht man eine Menge Personal. Nicht nur klick, und jemand erledigt den Job.

Ikea Deutschland im Überblick

Die Preise für Online-Lieferungen haben Sie gesenkt, Ikea.de ist aber immer noch teurer und auch langsamer als Amazon.
Es kommt darauf an, was man bestellt. Große Möbelstücke brauchen länger. Wir verlangen 39 oder 49 Euro, abhängig vom Produkt. Und wir finden das fair, weil es eine Dienstleistung ist, die nun mal nicht umsonst ist. Aber wenn man den Leuten erklärt, wer was erledigen muss, um ein Möbelstück zu ihnen in die Wohnung zu liefern, dann verstehen sie auch, dass dies einen Wert hat. Die ganze Online-Industrie hat übrigens große Probleme, Fachkräfte zu finden. In Deutschland fehlen rund 30.000 LKW-Fahrer. Ich denke also, Lieferungen werden generell etwas teurer werden.

Ihre Wettbewerber Otto.de und Amazon sind, was Möbel angeht, zu Marktplätzen geworden: Drittanbieter können dort ihre Waren verkaufen. Ist es denkbar, dass man bald Ikea-Möbel auf Amazon oder otto.de kaufen kann?
Nein. Wir wollen unsere eigene Webseite und Plattform sein. Die Leute kennen die Marke Ikea, wir können das selbst machen. Man konnte übrigens schon Ikea-Produkte auf Amazon kaufen, zu einem viel höheren Preis als bei uns. Jemand hatte tausende unserer Produkte gekauft und versucht, sie mit Gewinn über Amazon zu verkaufen. Wir sind natürlich dagegen vorgegangen.

Apropos Marke: Seit November ist die von Ikea übernommene US-App Task-Rabbit, die Hilfs- und Aufbaukräfte vermittelt, auch in Deutschland verfügbar. Und in Wien kooperiert Ikea mit der Plattform Myhammer, die ebenfalls Handwerker vermittelt. War es nicht immer einer der Erfolgsgaranten von Ikea, dass man die Möbel selbst aufbauen kann? Zerstört das nicht die Marke?
Ikea ist 75 Jahre alt. Gestartet ist die Firma mit klassischem Cash&Carry und der Vorstellung, dass unsere Häuser immer größer werden, dass wir alle immer Autos haben werden. Ikea entwickelt sich aber weiter, genau wie unsere Gesellschaft. Man kann immer noch seine Ikea-Möbel selbst aufbauen. Aber unsere Kunden haben uns verstärkt nach einem Aufbau-Service gefragt: Kann mir jemand meine Küche installieren? Können Sie mir meinen Kleiderschrank aufbauen? Ja, können wir. Wir haben in den vergangenen 75 Jahren so enorme gesellschaftliche Veränderungen durchgemacht, dass wir heute komplett andere Konsumenten und ein verändertes Kaufverhalten haben als damals. Zum Beispiel ist Zeit mit zum wertvollsten Schatz geworden. Der Aufbau-Service ist also vergleichbar mit der Nachfrage nach Putzkräften: die Menschen haben dann mehr Zeit für andere Dinge. Ikea passt sich damit den Wünschen seiner Kunden an. Wir sind aber immer noch Cash&Carry – das ist nach wie vor der größte Teil unseres Business.

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