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Ikeas Nachschubprobleme No Billy today

Quelle: www.ikea.com

Möbelhändler Ikea leidet derzeit besonders unter Materialmangel und Lieferschwierigkeiten bei einer stark erhöhten Nachfrage. Die Folge: Zahlreiche Produkte sind nicht verfügbar. Davon könnten andere Händler profitieren.

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Platsa heißt der Schrank, der eine junge Frau sehr glücklich machte. Als bei WiWo-Journalist Sebastian Lange im Sommer ein Umzug anstand und er einen solchen Schrank bei Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf einstellte, war das Interesse groß. Die Nutzerin, die den Zuschlag erhielt, war darüber deshalb so glücklich, weil sie ein Problem hatte: Sie konnte einen Platsa gerade nicht in der gewünschten Ausführung bei Ikea kaufen. So seien etwa bestimmte Türen nicht verfügbar, erklärte sie. Und nur den Korpus ohne alle Türen? Lieber nicht.

Tatsächlich: Stellt man sich im Online-Planer von Ikea einen solchen Schrank zusammen, heißt es mitunter, und abhängig vom nächsten Einrichtungshaus: „An diesem Standort sind nicht alle Produkte zur Abholung verfügbar.“

WiWo-Chefvolkswirt Malte Fischer machte eine ähnliche Erfahrung: Sein Arbeitszimmer im Souterrain war vom heftigen Hochwasser im Juli betroffen und solle unter anderem mit dem Bücherregal-Klassiker Billy wieder aufmöbliert werden. Doch sein Wunsch wurde arg enttäuscht: „Derzeit nicht verfügbar“ erfuhr der Kaufwillige unter der Adresse nahezu aller aufgerufenen Ikea-Läden in Deutschland. Auch für eine Auslieferung durch Ikea standen keine Billy-Regale mehr zur Verfügung.

Solcherlei Anekdoten dürften dieser Tage vielen Ikea-Kunden bekannt vorkommt. Denn der schwedische Möbelhändler hat ein massives Nachschubproblem. Bereits im Juli berichtete die WirtschaftsWoche, dass Ikea hunderte Produkte aus dem Sortiment nehmen muss. Mittlerweile weist Ikea Deutschland auf seiner Webseite mit einem eigenen Frage-und-Antworten-Text auf die Problematik hin. Dort heißt es, die Coronapandemie habe „auch zu einem Ungleichgewicht in der globalen Warenversorgung geführt, von dem auch Ikea betroffen ist“.

Kurz gesagt, verstärken sich hier zwei Effekte gegenseitig: eine erhöhte Nachfrage, ausgelöst durch Corona und die dadurch gestiegene Bereitschaft vieler Kunden, mehr Geld für das eigene Zuhause auszugeben; sowie eine störanfällige Weltmarktlogistik durch überlastete oder teilweise gesperrte Häfen und vervielfachte Transportpreise. Verantwortlich für Ikeas Produktentwicklung wie auch für deren Logistik sowie Rohstoffbeschaffung ist aber nicht die einzelne Landesgesellschaft von Ikea wie etwa jene in Deutschland (mit 54 Häusern und einem Umsatz von 5,3 Milliarden Euro die größte), sondern Inter Ikea Systems, ein Tochterunternehmen der hinter den meisten Ikea-Landesgesellschaften stehende Ikea Gruppe mit Sitz im niederländischen Delft (Umsatz 2020: 23,6 Milliarden Euro).

Und diese, teilt eine Ikea-Sprecherin mit, habe sich auch einiges einfallen lassen, um das Nachschubproblem zu lösen. Unter anderem charterte Ikea Schiffe, kaufte selbst Container, mietete externe Lagerhäuser und probierte andere Transportrouten aus wie etwa die Zugstrecke von China nach Europa. Dadurch habe sich die Situation zwar verbessert, schreibt der Konzern, „aber wir sehen, dass wir noch weitere Maßnahmen ergreifen müssen, um die Kapazitätsengpässe im Seetransport auszugleichen“. Erstaunlicherweise steigerte Ikea Deutschland sein Transportvolumen im laufenden Geschäftsjahr um rund zehn Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie. „Leider reicht das aber immer noch nicht aus, um die Bestände unseres gesamten Sortiments aufzufüllen“, sagt eine Sprecherin.

Ein naheliegender Profiteur der Ikea-Versorgungsprobleme dürfte Ebay-Kleinanzeigen sein. Sucht man auf der Plattform dieser Tage nach Ikea Billy-Regal, erhält man mehr als 2.800 Ergebnisse. Auch auf der Plattform Etsy, einem Online-Marktplatz aus New York für vorwiegend handgemachte Produkte aller Art, erscheinen beim Suchwort Ikea mehr als 21.000 Ergebnisse; bei vielen Produkten erscheint die Zusatzinfo „aktuell sehr beliebt“.

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Das Ikea-Sortiment, schreibt der Konzern, könne besonders in Europa, Nordamerika und der Asien-Pazifik-Region „vorübergehend variieren“. Mittlerweile scheint sich die Lage aber zumindest für Kunden aus den flut- und starkregengeschädigten Gebieten in NRW etwas entspannt zu haben. Billy-Regale sind derzeit in den Ikea-Filialen in Düsseldorf und Köln wieder auf Lager. Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Auf der Ikea-Webseite heißt es unter der selbstgestellten Frage „Wie lange wird es dauern, bis sich die Situation normalisiert?“ wenig hoffnungsvoll: „Es handelt sich hier um eine Problematik, die alle Branchen betrifft. Daher können wir das schwer abschätzen.“

Mehr zum Thema: Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev im Interview über Wettbewerber sowie den Click&Collect-Boom in Corona-Zeiten.

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