Immobilienmarkt: „Die Stimmung ist denkbar schlecht“
ECE-Chef Alexander Otto kritisiert bürokratische Hürden beim Wohnungsbau.
Foto: imago imagesDer Chef des Hamburger Immobilienkonzerns und Shoppingcenterbetreiber ECE, Alexander Otto, sieht keine gravierenden Auswirkungen der Signa-Krise für seine Branche. „Die Stimmung in der Branche ist schon jetzt denkbar schlecht, sie wird durch die Probleme von Signa sicher nicht besser“, sagte Otto im Interview mit der WirtschaftsWoche. Aber die Immobilienbranche sei sehr fragmentiert. „Selbst Signa hat keinen besonders hohen Marktanteil. Daher gehe ich davon aus, dass die Folgen überschaubar bleiben“, sagte Otto mit Blick auf die vom österreichischen Unternehmer René Benko gegründete Immobilien- und Handelsgruppe. Am vergangenen Mittwoch hatte die Signa Holding Insolvenzantrag gestellt.
ECE ist eines der größten Immobilienunternehmen Deutschlands und vor allem für seine europaweit rund 200 Shoppingcenter bekannt. Dort würden sich die Geschäfte im laufenden Jahr gut entwickeln: „Bis Ende September lagen wir beim Umsatz in den Centern europaweit rund zwölf Prozent über dem Vorjahr“, sagte Otto der WirtschaftsWoche. Auch „die ersten Tage im Weihnachtsgeschäft sind gut angelaufen.“ Ob dieser Trend anhält, lasse sich allerdings nur schwer sagen.
Generell liege die Zahl der Kunden, die ECE-Center in Deutschland besuchen, noch rund sieben Prozent unter dem Vor-Corona-Wert von 2019. „Gut möglich, dass wir noch immer Auswirkungen der in Deutschland besonders restriktiven und lange andauernden Corona-Schutzmaßnahmen sehen“, sagte Otto. Zudem sei auch die hohe Inflation „Gift für die Konsumstimmung“.
„Ausufernde behördliche Vorgaben“
Die Immobilienbranche wird laut Otto im kommenden Jahr weiter unter Druck stehen. „Erst 2025 rechne ich mit einer Belebung“, so Otto. Insbesondere im Wohnungsbau sowie bei Hotel- und Logistikimmobilien könnte es dann eine Trendwende geben. Auch das Ziel der Bundesregierung, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen, hält Otto im kommenden Jahr für unrealistisch. Es werde zwar einige Fertigstellungen von laufenden Projekten geben, aber das reiche bei weitem nicht aus. „400.000 neue Wohnungen bleiben damit auch 2024 illusorisch“, sagte Otto. Dafür macht der ECE-Chef auch bürokratische Hürden verantwortlich.
So würde ECE auch in Deutschland gerne mehr Wohnungen bauen. „Aber wenn der Staat die Bau- und Immobilienkosten künstlich verteuert, geht die Rechnung nicht auf“, kritisierte Otto. In anderen Ländern lägen die Baukosten um bis zu 50 Prozent niedriger. Zudem sehe sich das Unternehmen in Deutschland „mit ausufernden behördlichen Vorgaben konfrontiert“. Otto: „Vieles geht nicht, oder dauert zu lange. Projekte scheitern hier nicht nur an finanziellen Hürden, sondern zunehmend auch an bürokratischen Abläufen.“ Neue Immobilienprojekte will ECE daher künftig verstärkt im Ausland realisieren.
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