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Industriellen-Clans Wie Haniel & Co. ihr Erbe verspielen

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Der Beginn des Desasters

Das Firmenlogo des Mischkonzerns Haniel in der Firmenzentrale in Duisburg. Quelle: dpa

Selbst Peter May, Gründer der Bonner Intes-Akademie für Familienunternehmen weigert sich, an der gängigen Verherrlichung teilzunehmen. „Familienunternehmen sind nicht besser und nicht schlechter als börsennotierte Unternehmen, sie sind anders.“ Gegenteilige Aussagen seien „totaler Unfug“.

Vor allem „die Langfristigkeitsfolklore“ könne bei vielen Familienunternehmen dazu führen, spottet der frühere Klöckner-Vorstandsvorsitzende und heutige Finanzinvestor Thomas Ludwig, „dass sie rasanten Änderungen auf den Märkten nicht folgen“.

Bei Haniel begann das Desaster, als die Familie 2007 ihre Beteiligung am Handelskonzern Metro von gut 18 auf 34 Prozent aufstockte – und sich verzockte.

Der Coup kostete gut drei Milliarden Euro, trieb die Schulden nach oben – und die Bonitätsbewertung nach unten. Dass sich die Haniels auf das Finanzabenteuer einließen, dürfte auch daran gelegen haben, dass die Zahl der Familienmitglieder über die Jahre auf mehr als 620 Anteilseigner gestiegen ist – und damit der Bedarf, immer mehr Gewinn ausschütten zu müssen.

Zugleich entfremdete sich der Clan. Für etliche Familienmitglieder ist Haniel kaum mehr als eine Investmentholding, garniert mit ein wenig Brauchtumspflege. Der Metro-Deal schien da nur allzu verlockend.

Zu grosse persönliche Nähe

Doch das mögliche Kalkül des Clans und des damaligen Holding-Chefs Eckhard Cordes, einzelne Metro-Töchter zu verkaufen, um einen Teil des Kaufpreises schnell wieder einzuspielen, ging nicht auf.

Kurz nach dem Deal enterte Cordes in Personalunion die Metro-Spitze, konzentrierte sich später aber auf die Führung des Handelskonzerns. Bei Haniel folgte ihm der frühere McKinsey-Cheftheoretiker Kluge, der nach dem Metro-Patzer eigentlich für Ruhe in der Holding sorgen sollte.

Das Gegenteil geschah: Aufbruchstimmung verbreitete Kluge nur im Management der Haniel-Töchter. Im Sommer musste Fritz Oesterle, langjähriger Chef des Stuttgarter Pharmahändlers Celesio, seinen Posten räumen.

Noch beeindruckender fiel das Hickhack um die Vertragsverlängerung von Metro-Chef Cordes aus. Erst soll Kluge, zugleich Metro-Aufsichtsratschef, sich dem Vernehmen nach gegen eine Vertragsverlängerung ausgesprochen haben, dann wieder dafür, wenn auch nicht allzu enthusiastisch.

Nachdem Cordes schließlich entnervt hinschmiss, quittierte auch Kluge den Dienst. Dass Familienoberhaupt Franz Markus Haniel nicht früher in das Gezerre eingriff, lasten ihm nun interne wie externe Kritiker an. Für 2012 dürfte das Familienkonglomerat noch solide Zahlen vorlegen. Schwierig könnten aber die Folgejahre werden.

2014 muss rund eine Milliarde Euro zurückgezahlt oder umgeschuldet werden. Allein mit den Dividendenzahlungen der Beteiligungen ist das nicht zu stemmen. Schon geht im Haniel-Reich die Angst um, dass Banken künftig mitregieren oder dereinst gar in den Aufsichtsrat einziehen könnten.

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