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Innenstädte Der Einzelhandel braucht Events, um zu überleben

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Size matters

Je größer die Stadt, desto zufriedener die Kunden. Die Durchschnittsnote für Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern liegt bei 2,3, während sich Städte mit weniger als 50.000 Einwohnern mit einer 2,8 begnügen müssen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Kleinstädte nicht attraktiv sind. Orte wie Freudenstadt im Schwarzwald punkten mit Wegen, Plätzen und Grünflächen, während das Mosel-Städtchen Bernkastel-Kues mit Sauberkeit seine Besucher begeistert.

Innenstädte im Umbruch
Menschen gehen in Köln (Nordrhein-Westfalen) durch die Fußgängerzone (Hohe Straße). Quelle: dpa
Der Leopoldsplatz in Baden-Baden (Baden-Württemberg) Quelle: dpa
Das Kaufhaus des Westens (KadeWe) in Berlin. Quelle: dpa
Blick in ein neu gestaltetes Ladenlokal von Aldi Nord am 20.09.2016 in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen). Quelle: dpa
Ein Schild weist am Mittwochabend in Düssseldorf auf die Öffnungszeiten eines Supermarktes hin. Quelle: dpa
Ein junger Mann hält eine gefüllte Einkaufstüte des Textildiscounters Primark. Quelle: dpa
 Ein Schild mit dem Schriftzug "Kaiser's" steht vor einer Filiale der Einzelhandelskette Kaiser's-Tengelmann in Berlin. Quelle: dpa

Doch magnetische Anziehungskraft üben die Metropolen aus. Nicht nur für Besucher. Vor allem auch für die Marken. Und alle wollen nach Berlin. „Es ist für Retailer der Place to Be“, sagt Alexander Torwegge von Engel & Völkers. „Jede Marke, die einen Eintritt in den deutschen Markt plant, möchte zuerst in Berlin sein.“

Dabei fehlt es Berlin an dem, was in Hamburg, Köln oder München das klassische Zentrum ist. Viel mehr bietet die Stadt gleich mehrere kleinere Sammelstellen, die sie in der Summe attraktiv macht. Die am häufigsten frequentierte Stelle bleibt die Tauentzienstraße mit dem Luxuskaufhaus KaDeWe und Flagshipstores von Nike und anderen Bekleidungsmarken. Die schafft es trotz einer gestiegenen Passantenfrequenz nur auf Rang 17 der am häufigsten frequentierten Einkaufsstraßen.

Die Schlacht um die allerbesten Lagen ist in den meisten Städten geschlagen – den haben die Konzerne für sich entschieden. So musste der Düsseldorfer Modehändler Eickhoff bereits 2014 seine Pforten schließen, der zunehmende Wettbewerb durch den Stuttgarter Händler Breuninger mit seinem Luxuskaufhaus und die zunehmende Zahl an Boutiquen renommierter Marken, ließen den Händler wenig optimistisch in die Zukunft schauen. Heute füllen die Kleider von Dior die Verkaufsfläche. Dior – eine Tochter des Konzerns LVMH.

Deutschlands beliebteste Waren- und Kaufhäuser

Wer Luxus möchte, holt ihn sich eher in München und Hamburg. Trotz des Booms von Berlin als Shoppingmetropole - „Das Geld wird nicht in Berlin verdient“, sagt Alexander Torwegge. Viele Marken arbeiteten mit einer schwarzen Null. Die Präsenz in der Hauptstadt sei nötig, so wichtig wie die in Paris oder Mailand. Freuen können sich darüber neben der Kunden nur die Immobilienbesitzer. „Es ist bizarr, die Mieten sind ähnlich hoch wie in München.“ Nur würde dort auch ausreichend Umsatz gemacht mit Roben und Uhren.

Noch können sich die Immobilienbesitzer es erlauben, die Konditionen zu diktieren und die Mieten von rund 150 Euro pro Quadratmeter aufwärts für ein Ladengeschäft mit 100 Quadratmetern und etwa fünf Meter Schaufensterfläche zu erhöhen. In Frankfurt zeigen sich die Anbieter wählerisch. Ausgerechnet in der berühmten Freßgass zögern die Vermieter, ihre Flächen an Gastronomen zu vermieten. Die Abnutzung sei zu intensiv, hieße es unter den Vermietern, meint Simone Semkowski, die den Frankfurter Markt für Engel & Völkers beobachtet.

Der Reiz der europäischen Luxuskaufhäuser
Luxuskaufhäuser Quelle: dpa
Harrods Quelle: dpa
Harrods Quelle: dpa
KaDeWe Quelle: dpa
KaDeWe Quelle: dpa
La Rinascente Quelle: dpa
La Rinascente Quelle: dpa

Dabei ist vor allem ein gutes Angebot mit Burgern, Karotten-Ingwersüppchen und Prosecco für die Menschen wichtig. In der IFH-Studie rangiert Gastronomie in der Frage nach der Relevanz für die Bewertung einer Stadt weit vor Öffnungszeiten oder der guten Erreichbarkeit mit dem PKW. Shopping, das ist für viele Erlebnis, Freizeitgestaltung und Zeitvertreib. Gekauft wird, weil die Stimmung danach ist. Weiche Faktoren wie Grünflächen und attraktive Architektur spielen dabei eine größere Rolle als die Frage nach dem allergünstigsten Preis.

Damit punktet der Hamburger Neue Wall ebenso wie die Kölner Hohe Straße oder die Prager Straße in Dresden gegenüber jedem Klick im Onlineshop daheim auf dem Sofa. Stimmt die Atmosphäre, dann gewinnt das Erlebnis – so es denn keine technischen Geräte wie Fernseher oder Mobiltelefone sind, wo laut IFH-Studie, mindestens jeder fünfte den Kauf via Internet gegenüber dem stationären Handel bevorzugt. Ganz unabhängig von der Größe der Stadt.
Jetzt müsste nur noch jede Woche Heimspiel sein.

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