Insolvente Baumarktkette Rettung von Max Bahr rückt einen weiteren Schritt näher

Die Rettung von 73 Max Bahr-Baumärkten ist einen weiteren Schritt näher gerückt. Der Gläubigerausschuss hat dem Vertrag zwischen dem Insolvenzverwalter und dem Bieterkonsortium um Hellweg zugestimmt.

Das sind die besten Baumärkte Deutschlands
Das Deutsche Institut für Service-Qualität hat neun große Baumarktketten anhand von 108 verdeckten Testbesuchen auf Herz und Nieren geprüft: Wie sind die Wartezeiten, wie kompetent und freundlich sind die Angestellten, wie umfangreich ist das Sortiment? Praktiker belegte vor seiner Insolvenz Platz neun. Besonders die Kompetenz der Mitarbeiter sei zu bemängeln gewesen, urteilten die Testkäufer. Die Beratung sei zu oberflächlich und die Mitarbeiter wenig motiviert. Insgesamt machten die Mitarbeiter bei jedem fünften Testbesuch falsche Angaben oder wiesen nicht auf Gefahren hin - etwa bei der Verlegung eines Starkstromanschlusses. Quelle: dpa
Am schlechtesten schnitten die Mitarbeiter der Firma Hornbach ab. Dafür überzeugte Hornbach mit einem sehr großen Angebot. "Kunden können aus vielen Produktgruppen, Herstellermarken, Größen und Farben wählen. Und es gab in großem Maße Aktionsangebote", kommentiert Serviceexpertin Bianca Möller, Geschäftsführerin des Marktforschungsinstituts. Insgesamt reichte es somit für Platz acht. Quelle: AP
Die Qualität von Service und Beratung wurde anhand von jeweils zwölf verdeckten Besuchen in verschiedenen Filialen der neun Unternehmen analysiert. Im Fokus der Analyse standen die Kompetenz und Freundlichkeit der Mitarbeiter, die Gestaltung und die Sauberkeit der Räumlichkeiten, das Angebot sowie die Warte- und Öffnungszeiten. Mitarbeiter der Firma Hagebau haben sich bei der Beratung der Kunden nicht mit Ruhm bekleckert. Die Beratung war oft oberflächlich und der Umgang mit Beschwerden ließ zu wünschen übrig. Bei Hagebaumarkt reichte es für Platz sieben. Quelle: Screenshot
Die meisten Heimwerkermärkte, wie auch die Globus Baumärkte, überzeugten durch saubere Räumlichkeiten, ausreichende Parkmöglichkeiten und viele Zusatzservices wie Werkzeugverleih. So zählten die Globus-Filialen zu den übersichtlichsten und boten die meisten Zusatzservices an, dafür ließen auch hier die Mitarbeiter zu wünschen übrig. Sie reagierten auf Beschwerden am unprofessionellsten und zeigten Schwächen beim Fachwissen. Dafür gibt es Platz sechs von neun. Quelle: AP
Bauhaus überzeugte mit sehr umfangreichen Zusatzdienstleistungen wie Holzzuschnitt oder Werkzeugverleih. Wegen der sehr langen Wartezeiten an Kasse und Info reichte es allerdings nur für Platz fünf. "Wer fachmännischen Rat bei einem Baumarktmitarbeiter sucht, muss sich gedulden: durchschnittlich rund viereinhalb Minuten, in Einzelfällen sogar bis zu einer Viertelstunde - das ist deutlich zu lang", kritisiert Serviceexpertin Bianca Möller. Quelle: Screenshot
Die Toom Baumärkte schafften es auf Platz vier im Ranking. Was das Fachwissen und die Beratung der Mitarbeiter angeht, schaffte es Toom sogar unter die Top drei. Besonders positiv fiel den Testern auf, dass die Angestellten den Kunden oft günstige Produktalternativen gezeigt haben. Quelle: Screenshot
Die Bronzemedaille geht an den Baumarkt mit dem Bieber. Obi überzeugte mit einem umfangreichen Angebot und kompetenten Mitarbeitern. Quelle: obs
Max Bahr auf Rang zwei zeigte die insgesamt kompetentesten Beratungen. Zudem war das Personal hilfsbereit und ging professionell mit Beschwerden um. Die zahlreichen Zusatzservices, wie zum Beispiel individueller Holzzuschnitt, rundeten das gute Ergebnis ab. Quelle: dpa
Testsieger der Studie und damit "Bester Baumarkt 2013" wurde Hellweg. Die Mitarbeiter ermittelten genau die Bedürfnisse der Kunden und gingen bei der Produktempfehlung gezielt darauf ein. Neben dem umfangreichen Warensortiment punkteten die Märkte mit den Orientierungsmöglichkeiten und gut befüllten Regalen. Quelle: Screenshot

Die 3600 Mitarbeiter von Max Bahr müssen dennoch noch bis zu zehn Tage um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zittern. Ein Streit mit dem Vermieter von 66 der 73 Max-Bahr-Märkte verzögert Verhandlungskreisen zufolge die Übernahme der Baumarktkette durch ein Konsortium um den Konkurrenten Hellweg. Deshalb habe die Gläubigerversammlung die Entscheidung am Montag nach sechs Stunden vertagt, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Dortmunder Familienunternehmen Hellweg, das sich unter anderem mit dem Ex-Chef von Max Bahr, Dirk Möhrle, verbündet hat, habe noch bis zum 15. November Zeit, eine Einigung mit der britischen Royal Bank of Scotland (RBS) zu erzielen.
Der RBS waren die Immobilien zugefallen, weil die Bank Gläubiger eines Pleite gegangenen Fonds (Moor Park) ist, dem die Märkte gehörten. Nun bangt RBS um die Finanzkraft des künftigen Betreibers - schließlich sollen die Immobilien später wieder verkauft werden, was mit einem solventen Mieter leichter ist.

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Für zahlreiche Max-Bahr-Standorte gibt es andere Interessenten. Finanzkreisen zufolge hat die RBS angeboten, die Mieten auf 46 Millionen von 53 Millionen Euro im Jahr zu senken. Max Bahr war in den Strudel der Pleite seiner Muttergesellschaft Praktiker gerissen worden. Im Inland ist Max Bahr der einzige Konzernteil, der eine Überlebenschance hat.
Mit den Banken und Kreditversicherern sei sich das Hellweg-Konsortium inzwischen einig geworden, hieß es in den Kreisen. Zur Commerzbank, der IKB, der WGZ und der Volksbank Dortmund sei nun die Frankfurter Helaba gestoßen, die fünf stellen einen Kredit von mehr als 60 Millionen Euro. Auch die Warenkreditversicherung, die im Handel zur Finanzierung des Lagerbestands unabdingbar ist, sei gesichert. Euro Delkredere und Zurich stellten die Versicherung, sagten zwei der Insider. Insgesamt braucht Hellweg 120 Millionen Euro für die Übernahme, davon 40 Millionen Eigenkapital.
Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder und die Beteiligten wollten sich am Dienstag nicht zu den Informationen äußern.

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